Beim Geflügelzuchtverein Schramberg ist vor drei Jahren das Projekt „Schaubrüter“ gestartet worden. In nur kurzer Zeit hat es sich zum absoluten Erfolgsmodell entwickelt.
2019 hatte der Geflügelzuchtverein (GZV) Schramberg und Umgebung nur noch 66 Mitglieder. Aufgrund des anhaltenden Mitgliederschwunds der vergangenen Jahre fand zu diesem Zeitpunkt bereits eine enge Zusammenarbeit mit dem Kleintierzuchtverein Aichhalden statt. Auch Gedanken über eine Fusion gab es, da mehrere Züchter in beiden Vereinen Mitglied sind.
Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen ist der GZV Schramberg sehr gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Inzwischen sind ihm Mitglieder aus der ganzen Umgebung beigetreten. Dadurch ist die Mitgliederzahl auf 142 angestiegen. Hauptursächlich für den Mitgliederboom ist nach Auskunft des Vorsitzenden Alexander Zinell, dass vermehrt Leute aus Hobby ein paar Legehühner halten, um das eigene Frühstücksei genießen zu können. Da Hühner jedoch regelmäßig geimpft werden müssen und dies über den Verein sehr einfach gehandhabt wird, lohnt sich eine Mitgliedschaft für die Hobby-Hühnerhalter.
Mit dem Mitgliederzuwachs hat sich die Struktur des Vereins stark gewandelt, mittlerweile beträgt der Frauenanteil knapp 50 Prozent. Und im Ausschuss sind die Damen sogar in der Überzahl. Für den Vorsitzenden ist diese positive Entwicklung ein Segen. „Allein im vergangenen Jahr sind 20 Mitglieder neu hinzugekommen. Darunter sind Personen, die Verantwortung und Aufgaben im Verein übernehmen“, schwärmt der Vereinschef und fügt an: „Da gibt es Leute, die tragen sich an, eine Arbeit machen zu wollen. Ich muss mich jetzt nicht mehr um alles kümmern und bin entspannter. Da hat man als Vorsitzender ein völlig neues und gutes Gefühl im Vergleich zu vor fünf Jahren“.
Das verbirgt sich hinter dem Projekt „Schaubrüter“
Vor allem vom Engagement von Simone Höft (Sulgen) und Svenja Tauber (Winzeln) ist er angetan. Sie haben vor zwei Jahren das von ihm initiierte Projekt „Schaubrüter“ übernommen. Mit dieser Aktion bietet der Geflügelzuchtverein die Möglichkeit, die berühmte Frage „Henne oder Ei – wer war zuerst da?“ live zu erleben. Und das funktioniert so: Es werden im Umkreis von circa 20 Kilometern soziale Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen angeschrieben, ob Interesse an einem solchen Brutprojekt besteht. Es kann in den Unterricht integriert werden.
Nach der Zusage kommen Höft und Tauber mit dem Brüter und 15 bis 20 eingelegten Eiern in die Einrichtung. In einem Zeitraum von circa vier Wochen schauen sie alle zwei bis drei Tage für eine halbe Stunde vorbei, ob alles in Ordnung ist. „Je näher der Schlüpftag (21. Tag) rückt, desto größer wird die Aufregung der Kinder, Schüler, Erzieherinnen und Lehrerschaft. Das ist auch für uns ein schönes Gefühl. Nach dem Schlüpfen werden die Küken in einem Kühenheim regelmäßig gefüttert und verbleiben noch für eine Woche in der Einrichtung“, schildern die beiden Projektleiterinnen. Ihnen zufolge liegt die Schlüpfquote bei etwa 80 Prozent.
Eineinhalb Jahre Wartezeit
Ist die Brüteraktion abgeschlossen, werden die Küken im Verein vermittelt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass Eltern auf Wunsch Küken zur weiteren Aufzucht bekommen. Ganz wichtig ist es Höft und Tauber, den natürlichen Brutzyklus des Geflügels von Februar bis Juni einzuhalten. Aus diesem Grund können nur vier Projekte pro Jahr vorgenommen werden. Da die Nachfrage äußerst groß ist, dauert die Wartezeit im Moment ungefähr eineinhalb Jahre. „Wir haben schon Anfragen für das Jahr 2026“, freuen sich Höft und Tauber über das große Interesse.
Wie so ein Schaubrüter funktioniert, durften auch die Besucher bei der kürzlich stattgefundenen Lokalausstellung erleben. Da waren zwei Küken am Vorabend geschlüpft, weitere im Laufe des Sonntagabends. Zinell sieht in der Schaubrüter Aktion die beste Möglichkeit, den Verein mit weiteren Jungzüchtern in die Zukunft zu führen. Weitere Infos unter E-Mail gzv-schramberg-schaubrueter@web.de.