In der Ortsmitte neben der Apotheke liegt die gemeindeeigene Unterkunft "Dorfstraße 6", die im Erdgeschoss auch das Zunftheim der Narrenzunft beherbergt. Im Hintergrund ist der Giebel des Rathauses zu sehen. Foto: Fahrland

Die Unterkünfte für Geflüchtete werden knapp. Deshalb richtete Bürgermeister Stefan Hammer bei der ersten Gemeinderatssitzung nach der Sommerpause einen dringenden Appell an Gemeinderäte und Einwohner, leerstehende Häuser und Wohnungen zu melden.

Vöhringen - "Der Zustrom ist in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich gestiegen. Das Landratsamt sendet Hilferufe an die Kommunen aus", leitete Hammer das Thema ein, über das er zuvor schon in der öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrats Wittershausen informiert hatte.

Die menschenwürdige Unterbringung der Geflüchteten bezeichnete Hammer als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der alle 21 Kommunen des Landkreises zusammenhalten müssen. Die Thematik sei in der öffentlichen Wahrnehmung weit weniger präsent als in den Jahren 2015 und 2016, obwohl die Zahlen ähnlich hoch seien.

Vöhringen muss mit Zuweisungen rechnen

"Bei der Unterbringungsquote im Verhältnis zur Einwohnerzahl liegt Vöhringen relativ weit hinten", verdeutlichte der Bürgermeister die aktuelle Platzierung im letzten Drittel auf Landkreisebene. In dieser Statistik seien die 21 Personen schon berücksichtigt, die zum 9. September in der Eythstraße gemeldet waren. Ende des Monats oder Anfang Oktober muss Vöhringen mit ersten Zuweisungen rechnen. Anfang September war von der Aufnahme von mindestens zehn Geflüchteten aus der Ukraine bis zum Jahresende auszugehen – mit steigender Tendenz.

Die Gemeinde Vöhringen werde zwar aufgrund der Rahmenbedingungen, die in den größeren Städten des Landkreises wie Sulz, Oberndorf oder Schramberg sowie Orten mit nachlassendem Tourismus und leerstehenden Hotels besser seien, nicht ins vordere Drittel der Statistik vorstoßen können. Doch eine Hallenbelegung, wie sie bei der Kreissporthalle Rottweil unmittelbar bevorstehe, sei unter allen Umständen zu vermeiden, warnte Hammer. Sie hätte gravierende Auswirkungen auf Vereine und das gesellschaftliche Leben.

Die Not ist ähnlich groß wie 2015/2016

Hammer rief die Gemeinderäte dazu auf, das Thema in der Öffentlichkeit präsenter zu machen, in ihrem Umfeld explizit anzusprechen und für die Unterbringung "Ideen zu entwickeln". Eine Containerbeschaffung, wie sie die Gemeinde Vöhringen Anfang 2016 vorgenommen hatte, schloss er aus, zumal die Beschaffungssituation keine schnelle Belieferung erlaube.

Rückblickend sagte er, 2015/2016 habe man den Zustrom der Geflüchteten stemmen können. Einige seien in der Gemeinde verblieben und gut integriert. Aktuell sei die Not ähnlich groß. Am Beispiel Deißlingen, wo die Verwaltung über einen Neubau zur Flüchtlingsunterbringung nachdenke, sei die prekäre Situation zu erkennen.

Kosten auf die öffentliche Hand abwälzen

Ernüchternd war laut Verwaltungsspitze die Resonanz auf ein Schreiben an die Besitzer von Leerständen in der Gemeinde ausgefallen. Lediglich zwei Rückmeldungen seien eingegangen. Eine davon sei unbrauchbar, da sich der Eigentümer erhofft habe, die Kosten der notwendigen Generalsanierung auf die öffentliche Hand abzuwälzen. Im zweiten Fall müsse "die Heizungssituation überarbeitet werden", was man dem Eigentümer aber in absehbarer Zeit zutraue.

"Wir werden nicht tagesaktuell neuen Wohnraum aus dem Boden stampfen können, doch auch alles, was in acht bis zwölf Wochen zur Verfügung steht, ist eine Hilfe", so Hammer.

Bundespolitik entscheidet, wer nach Deutschland kommen darf

Der Rathauschef schloss das Thema ab mit einem Hinweis auf die gebotene Humanität. Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, die Berechtigung der Flüchtlinge zu prüfen. Die Entscheidung, wer nach Deutschland kommen dürfe, sei Aufgabe der Bundespolitik. "Wer bei uns im Hof steht, ist zuallererst ein Mensch, der Hilfe braucht, egal welcher Herkunft, ob Mann, Frau, Kind oder Greis und unabhängig von den Beweggründen für die Flucht, wie Krieg oder Terror, wirtschaftliche oder sonstige Gründe."

Steigende Aufnahmequoten für Geflüchtete und Asylbewerber

Im Auftrag der Verwaltung verschaffte Ordnungsamtsleiterin Anne Haibt den Gemeinderäten einen Überblick über die Unterbringungssituation für Geflüchtete in der Gemeinde.

Sie sprach von steigenden Aufnahmequoten für Geflüchtete aus der Ukraine und Asylbewerber. Von den 485 Personen, die sich Anfang September in den Unterkünften des Landkreises befanden, müsse ein Großteil innerhalb von sechs Monaten per Zuweisung verteilt werden.

Gemeinschaftsunterkunft mit 21 Personen aus der Ukraine belegt

Das Gebäude Eythstraße 12 im Gewerbegebiet Ziegelhütte ist vom Landratsamt für die sechsmonatige Erstunterbringung als Gemeinschaftsunterkunft angemietet worden und war zum 9. September mit 21 Personen aus der Ukraine belegt. Bei diesem Objekt handelt es sich um die ehemalige Tupperwaren-Handlung, die nach zweimaligem Besitzerwechsel von der Kartal Group of Companies zum Fernfahrermotel umgestaltet worden war.

Die Unterkunft der Gemeinde in der Dorfstraße 6 enthält fünf Wohneinheiten unterschiedlicher Größe, die teilweise belegt seien. Eine Wohnung sei frei. Die Einzimmerwohnung könne nur bei akutem Notstand belegt werden.

Gebäude im Rotholzweg erworben

In der Uhlandstraße 24, dem ehemaligen Café Baur, ist die Dachgeschosswohnung für vier Personen mit zwei Personen belegt. Die andere Wohnung wird von zwei Erwachsenen und fünf Kindern bewohnt.

Ein Gebäude, das die Gemeinde im Rotholzweg erworben hat, wurde laut Bürgermeister Stefan Hammer notariell übergeben. Darin ist eine Wohnung frei. Weitere Objekte wurden besichtigt.

Im Kindergartengebäude Friedrichstraße gibt es eine große Zweizimmerwohnung mit separatem Zugang, Küche und Bad. Aus Sicht der Verwaltung soll die Belegung zum Hausgefüge passen.

Bauhof hat Möbel eingelagert

Gleiches gilt für die leerstehende Wohnung im Pfarrhaus Wittershausen. Sie teilt sich den Zugang mit dem Pfarrsekretariat im Erdgeschoss. In den beiden Obergeschossen könnten in absehbarer Zeit sieben Zimmer auf zwei Stockwerken und eine unmöblierte Küche mit Platz für zwei Küchenzeilen zur Verfügung stehen. Die Gemeinde ist diesbezüglich mit der Eigentümerin im Gespräch.

Auf Rückfrage aus dem Ortschaftsrat Wittershausen hatte Hammer erklärt, für die Möblierung neuer Unterkünfte finde sich immer eine Lösung. Auch der Bauhof habe noch einige Möbel eingelagert.