Zu einem Brand in der Unterkunft für Geflüchtete in der Oberen Gasse in Rangendingen rückte die Feuerwehr aus. Foto: Roland Beiter

In Rangendingen brennt erneut die gemeindeeigene Unterkunft in der Oberen Gasse. Die Feuerwehr verhindert Schlimmeres.

Wieder Feueralarm, wieder in der Unterkunft für Geflüchtete in der Oberen Gasse in Rangendingen. Anwohner alarmierten Montagnacht kurz nach 23 Uhr die Einsatzkräfte, weil sie Flammen und Rauch aus dem Gebäude bemerkt hatten.​

 

Beim Eintreffen der Polizeibeamten hatte die Feuerwehr, welche mit zehn Fahrzeugen und 52 Feuerwehrleuten im Einsatz war, bereits mit den Löscharbeiten begonnen. Die vier Hausbewohner waren von der Feuerwehr ins Freie gebracht worden, berichtet die Polizei.​

Weiter heißt es: „Wie sich herausstellte, war es in einem der Zimmer aus noch ungeklärter Ursache zu einem Brand gekommen. Offenbar waren in der Folge in Brand geratene Gegenstände aus dem Fenster geworfen worden, die vor dem Haus gelagerten Unrat entzündeten. Durch das rasche und professionelle Eingreifen der Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das komplette Wohngebäude verhindert werden.“​

Ein 50-jähriger Bewohner musste demnach vom Rettungsdienst, der mit sechs Fahrzeugen und 13 Einsatzkräften vor Ort war, wegen des Verdachts einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht werden. Drei weitere Bewohner blieben unverletzt. Das Polizeirevier Hechingen hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen. Zur Unterstützung der Löscharbeiten war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz.​

Allerdings: Das Gebäude ist aufgrund des neuerlichen Brandes nicht mehr bewohnbar.​

Feuerwehreinsätze am Samstag

​Zum betroffenen Gebäude an der Oberen Gasse war die Feuerwehr schon am Samstag ausgerückt. Mutmaßlich durch eine Überspannung wurden mehrere Elektroheizungen und Steckdosen beschädigt, wobei eine Elektroheizung in Brand geriet. Dieser griff im weiteren Verlauf auf einen Vorhang über. Im selben Gebäude kam es am Samstag zu einem späteren Zeitpunkt darüber hinaus zu einem Zimmerbrand.​

Bei der Sitzung des Gemeinderats vom Montagabend dankte Rangendingens Bürgermeister Manfred Haug der Feuerwehr für ihren Einsatz vom Samstag und das schnelle Eingreifen. Der Brand des Dachständers hatte auch einen Stromausfall ausgelöst, weshalb die Bewohner der Geflüchtetenunterkunft spontan im Gasthof Rössle untergebracht werden mussten. Haugs Dank galt deshalb nicht zuletzt dem Rössle-Team, das die Unterbringung am Samstag so rasch möglich gemacht hat. Am Montag konnten die Bewohner wieder in ihre ursprüngliche Unterkunft einziehen.​

Nach dem neuerlichen Brand vom Montagabend ist das Gebäude jedoch wieder nicht mehr bewohnbar – dieses Mal aber dauerhaft. Die Geflüchteten sind, wie Haug auf Anfrage erklärt, in einem anderen Gebäude der Gemeinde untergebracht. Das Feuer richtete solche Schäden an, dass die Gemeinde das Haus nun erst einmal sanieren muss.​

War es Brandstiftung?

​Ein Gerücht, das derzeit herumgeht, hat Gemeinderat Siegfried Kuhn bei der Sitzung am Montagabend angesprochen. Demnach sollen die Geflüchteten am Samstag aufgrund des Stromausfalls Feuer im Gebäude gemacht haben, damit sie bei den winterlichen Temperaturen warm haben – und deshalb sei es zu einem Brand in diesem Gebäude gekommen.​

Haug: „Das können wir so nicht bestätigen.“ Das sieht die Polizei, bei der unsere Redaktion angefragt hat, genauso. Ferner sei die Unterkunft für Geflüchtete „nicht ein Brennpunkt polizeilicher Tätigkeit“, heißt es weiter.​

Dennoch geht in Rangendingen die Sorge vor Brandstiftung um. Es gibt einige angebliche Indizien, die darauf hindeuten könnten. So brach der Zimmerbrand am Samstag rund zwei Stunden nach dem Dachständerbrand am Nachbargebäude aus. Man könne deshalb nicht mehr von einem von Überspannung verursachten Feuer ausgehen.​

Laut Informationen unserer Redaktion seien schnell sämtliche elektrischen Einrichtungen des Gebäudes kontrolliert worden. Erst danach – das war am Montag – durften die Bewohner zurück. Und am Abend brennt es wieder? „Es ist auffällig, dass es innerhalb von 48 Stunden zweimal brennt“, sagte Bürgermeister Manfred Haug auf Anfrage dazu.​

Ebenso zurückhaltend äußert sich auch die Polizei. Natürlich werde in alle Richtungen ermittelt, auch im Hinblick auf Brandstiftung, teilt das Polizeipräsidium Reutlingen auf Anfrage mit. Am Tag nach dem Brand konnten aber noch keine konkreten Aussagen getroffen werden. Ein Polizeisprecher: „Wir spekulieren nicht.“ Beweise, dass es Brandstiftung war, liegen derzeit nicht vor. Also doch alles nur Zufall? Ja, auch das ist derzeit nicht ausgeschlossen.