Die Amsel ist in vielen Horber Gärten und an Waldrändern zuhause. Das Foto zeigt ein Weibchen.Foto: Lambert Straub Foto: Schwarzwälder Bote

Tiere: Gefiederte Sänger, die jetzt richtig loslegen: Für die Amseln ist der Februar ein wichtiger Monat in der Familienplanung

Kleines Rätsel: Was ist schwarz, frisst gerne Würmer und ist noch keine bedrohte Art? Richtig, die Amsel. In diesem Fall ein Männchen, denn die Weibchen sind nicht schwarz, sondern graubraun. Auch in Horb gibt’s viele Amseln. Sie liefern für einige Wohngegenden den "Sound" frei Haus.

Horb. Im Horber "Vogelviertel" auf dem Hohenberg ist eine Straße nach der Amsel benannt, doch den Vögeln begegnet man fast überall in der Stadt. Besonders oft sieht man sie in Gärten und an Wegesrändern, wo Büsche wachsen.

Wer die Amsel kennt, der hört sie oft, bevor er sie sieht. In Horb dürfte es zwei Arten von Amseln geben: die Stadt- und die Landamsel. Das ist keine biologische Zuordnung, aber auch kein Witz. Seit rund 150 Jahren zieht es die Amseln von ihrem ursprünglichem Lebensraum, dem Wald, in die Städte, wo sie besser klarkommen als andere Waldvögel.

Stadt- und Land-Amseln

Der Naturschutzbund beschreibt den Unterschied wie folgt: "Stadtamseln sind länger wach, tagsüber aktiver und beginnen in den frühen Morgenstunden, noch vor Sonnenaufgang zu singen. Doch Stadtamseln fangen nicht nur den wirklich frühen Wurm – sie brüten auch eher im Jahr, da sie früher geschlechtsreif werden und der Testosteronspiegel der Amselhähne früher im Jahr ansteigt als bei ihren Artgenossen im Wald."

Genau das lässt sich auch bei Horber "Stadtamseln" gut beobachten. Ein jährlich genutzter Brutort befindet sich zum Beispiel bei einem Anwesen in der Panoramastraße. Dort haben Amseln ihr Nest in Efeustauden gebaut, die eine Stützmauer überwuchern. Jedes Jahr aufs Neue lässt sich das Familienleben beobachten: Zuerst finden "Rendezvous" auf den Ästen der Hagebutten- und Haselbaumbüsche statt. Da gibt’s oft Zoff zwischen Amselmännchen, die sich um eine Geliebte streiten. Ist alles geklärt, wird das Nest bezogen. Jetzt ist Frühjahrsputz angesagt. Das Zuhause wird tüchtig gereinigt oder sogar neu gebaut. Im März sind die Vögel dann am Brüten.

Appetit auf Obst

Lambert Straub vom Horber Nabu hat einen kurzen Steckbrief der Amseln: "Die Amsel ist aufgrund ihres schönen Gesangs ein beliebter Singvogel in unseren Gärten, sammelt aber aufgrund ihrer Vorliebe auf Kirschen, Äpfel und Trauben und sonstige Beeren bei manchen Gärtnern auch Minuspunkte." Mit Amseln als Nachbarn wird’s also zumindest nicht langweilig. Schon gar nicht, wenn es sich um Sänger handelt.

Schöner Gesang

Straub zieht hier den Vergleich zum Eisvogel, über den wir ebenfalls schon berichtet haben: "Die Amsel (oder auch Schwarzdrossel genannt) mag zwar nicht so spektakulär aussehen wie der Eisvogel, aber in Bezug auf den Gesang kann der Eisvogel ihr bei weitem nicht das Wasser reichen. Ihr klarer, melodischer und vielseitiger Gesang ist einer der schönsten, den wir insbesondere früh morgens und in der Abenddämmerung in unseren Gärten genießen können."

Im Internet beschreibt es der Nabu so: "Der Balzgesang des Männchens ist volltönend, sehr melodisch und abwechslungsreich. Klare sprunghafte Flötentöne wechseln sich ab mit kurzem Zwitschern und kleinen Trillern." Jetzt im Februar legen die Amseln richtig los – 45 Minuten vor Sonnenaufgang bis abends!

Bei Gefahr warnt die Amsel laut mit einem metallischen Pli-pli-pli-pli-pli". Letzteres klingt bei den Horber Stadtamseln eher nach "Plit-plit-plit" und ist manchmal ganz schön laut. Überhaupt sind die Amseln wahre Schauspielkünstler, wenn’s darum geht, Feinde von ihren Nestern abzuhalten.

Gefährlicher Virus

Als schlimmster Feind hat sich aber ein Virus entpuppt: Im Jahr 2010 wurde das Usutu-Virus erstmals in Deutschland nachgewiesen und führte zu einem Amselsterben im Rhein-Main-Gebiet. Seitdem hat sich das Virus im Laufe der Jahre immer weiter ausgebreitet. Seit dem Jahr 2018 ist es sogar fast deutschlandweit verbreitet. Straub bestätigt: "Vor einigen Jahren gab es stärkere Populationsverluste durch das Usutu-Virus. In den letzten zwei Jahren waren die Verluste durch das Virus zum Glück moderat."

Die Amsel ist seit Alters her bekannt, in der christlichen Symbolik wurde sie wegen ihrer schwarzen Farbe und ihres einsamen Waldlebens oft mit frommen Einsiedlern in Verbindung gebracht.

Ob das noch zutrifft? Die Amseln in der Panoramastraße wirken eher frech und gesellig. Stellt man im Winter einen Teller mit Rosinen auf den Balkon, kommen sie gerne und oft zu Besuch. Zum Thema Füttern noch einmal Lambert Straub: "Im Winter füttert man Amseln am besten mit Äpfeln, Trockenbeeren oder Rosinen, Haferflocken und geöffneten Nüssen (Walnüsse)."

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