An der Gefahrgutübung des Landkreises Freudenstadt bei der Firma E. Esslinger im Gewerbegebiet Betzweiler waren rund 80 Einsatzkräfte beteiligt.
Wechselweise halten die Gefahrgutzüge Horb und Loßburg sowie die Dekontaminationseinheit Freudenstadt jährlich eine gemeinsame Landkreis-Gefahrgutübung ab. In diesem Jahr fand sie bei der Firma E. Esslinger im Gewerbegebiet Betzweiler statt.
Gefahrgut-Zugführer Martin Kopp von der Loßburger Feuerwehr hatte den Übungsverlauf zuvor mit der Firma Esslinger ausgearbeitet. Juniorchef Michael Esslinger und Seniorchef Erwin Esslinger verfolgten nebst zahlreichen anderen Zuschauern den Ablauf. Infos dazu erteilte Feuerwehrkommandant Andreas Eberhardt von der Loßburger Feuerwehr.
Im erdachten Szenario gab es einen Unfall auf dem Werksgelände. Dort hatte ein Lastwagen einen Tanklöschzug gestreift und beschädigt. Da der Tanklöschzug mit der Gefahrgutnummer 80 und der Stoffnummer 1824 versehen war, musste davon ausgegangen werden, dass eine Natriumhydroxid-Lösung als flüssiger, ätzender Stoff austritt. Aus diesem Grund wurden die Gefahrgutzüge und die Dekontaminationseinheit alarmiert.
Schutzzone mit Notschleuse
Als erstes traf der Loßburger Gefahrgutzug ein, der in der Regel für den westlichen Landkreis zuständig ist. Nachdem eine erste Schutzzone mit einem Mindestabstand von 50 Metern und einer Notschleuse errichtet worden war, machte sich ein erster Angriffstrupp, bestehend aus zwei Personen, mit Chemikalienschutzanzügen (CSA-Anzügen) auf den Weg, um die Gefahrstoffe zu ermitteln.
Auch stellte sich die Frage, wie stark die Stoffe ausfließen. Eine erste Lagemeldung erfolgte an Einsatzleiter Daniel Müssigmann aus Loßburg.
An einem zur Seite gelegten Paket brachte der Gefahrendiamant entscheidende Hinweise. Rot bedeutet keine Brandgefahr, Blau weist auf eine Gesundheitsgefahr der höchsten Stufe hin. Die Farbe Gelb weist auf einen ätzenden, aggressiven Stoff der Gefahrenklasse zwei hin. Einen entscheidenden Hinweis, dass bei diesem Stoff kein Wasser eingesetzt werden durfte, brachte die weiße Kennzeichnung. Gleichfalls durften keine Metallgegenstände, sondern Hilfsmittel aus Kunststoff verwendet werden.
Ein Funke kann eine Explosion auslösen
Die Dekontaminationseinheit hatte inzwischen ihr Zelt mit einer Dusche aufgebaut, durch die jeder der eingesetzten Angriffstrupps durch musste. Zuvor wurden die Träger der Schutzanzüge im Außenbereich gründlich mit Wasser abgespritzt.
Am gedachten Unfallort selbst wurde die Schadstelle am Tanklöschzug mit einem Leckdichtkissen abgedeckt. Das wurde – gesichert von Spanngurten – aufgeblasen, damit keine Gefahrstoffe mehr auslaufen. Der Gefahrstoff sollte in diesem Szenario mit einem 1000 Liter fassenden IBC-Behälter aufgefangen werden. Die dazu eingesetzten Pumpen mussten vollkommen gegen Funkenschlag gesichert sein, da im Ernstfall jeder Funke eine Explosion auslösen kann.
Rund 80 Einsatzkräfte
Bürgermeister Christoph Enderle wurde begleitet von Ramona Stühler, die im Loßburger Rathaus für das Feuerwehrwesen zuständig ist. Enderle lobte die klaren Führungsstrukturen und das Zusammenspiel der Einheiten.
Insgesamt nahmen rund 80 Einsatzkräfte an der Übung teil. Klar kam zum Ausdruck, dass sich Laien nie einem solchen Unfallszenario nähern sollten, denn viele Stoffe riechen nicht und sehen aus wie Wasser. Nach rund einer Stunde lautete die Botschaft: „Übung aus!“ Im Feuerwehrhaus Loßburg wurde anschließend der Ablauf aufgearbeitet.