Eine kleine Brücke über die Prim am Oberen Bohrhaus rückt in den Fokus. Über sie soll künftig ein Stück Rottweiler Radnetz führen. Das größere Problem bleibt allerdings bestehen.
„Der momentane Status ist, auch wenn er nicht gut ist, der beste.“ Der Satz des Rottweiler Mobilitätsbeauftragten Horst Bisinger trifft ins Schwarze. Es geht um das Rottweiler Radwegenetz und das damit verbundene Sicherheitsrisiko für Radler auf der Neufraer Straße.
Wer dort in Richtung Saline unterwegs ist, muss die unübersichtliche Engstelle durch die Unterführung passieren. Zwar gibt es einen Radstreifen, allerdings ist die Straße derart schmal, dass sich Radler und Autofahrer oftmals allzunahe kommen. Zumal Letztere sich meist auch nicht an Tempo 70 halten.
Um die Situation auf der Strecke zu entschärfen war Bisinger am Mittwochabend mit einer Idee in den Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr (UBV) gekommen. Im Kern geht es dabei um die Verlegung eines Teilstücks des Radwegs. Statt die langgestreckte Rechtskurve entlang der Straße in Richtung Saline fahren zu müssen, soll künftig ein Schlenker über die kleine historische Primbrücke und ein Stückchen Wald genommen werden. Erst danach fädelt der Weg auf die Neufraer Straße ein. Allerdings: Durch die Unterführung muss man dennoch.
Radweg statt Zufahrt
Die Stadtverwaltung will mit Bisingers Vorschlag gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Denn ursprünglich stand ein ganz anderes Problem im Vordergrund: Die kleine und recht baufällige Brücke dient der Zufahrt zu einem Privatgrundstück. Bei einer routinemäßigen Überprüfung waren erhebliche Mängel festgestellt worden.
Um den Sanierungsaufwand zu minimieren, hatte die Verwaltung noch im Februar 2025 vorgeschlagen, eine separate Zufahrt zum Grundstück zu schaffen. Die Kosten: 90.000 Euro. Die Sanierung der Brücke hätte 900.000 Euro gekostet. Für diesen Coup gab es damals im UBV viel Lob.
Nun wurde dieser Vorschlag weitergedacht. Die Brücke steht unter Denkmalschutz. Der Geschichts- und Altertumsverein hatte angeregt, das Kulturdenkmal zu erhalten. Wie der Mobilitätsbeauftragte berichtet, habe sich bei einem Ortstermin die Idee entwickelt, die bestehende Radinfrastruktur zu verbessern, indem man den Radweg über die Brücke und ein Stück durch den Wald verlegt – und gleichzeitig die Brücke maßvoll saniert. Der Anwohner könne sie weiterhin die Brücke als Zufahrt nutzen.
Erst Zaun, dann Sanierung
Zunächst aber soll die Brücke lediglich gesichert werden. Sprich: Ein Stabgitterzaun soll als Absturzsicherung angebracht werden. Die marode, niedrige Betonbrüstung kann das nicht leisten. Der Rückbau der nicht historischen Teile samt Geländer und die Sanierung des historischen Teils sollen später erfolgen. Die Maßnahmen werden mit Mitteln finanziert, die für den Bau der Grundstückszufahrt vorgesehen waren. Zudem stehen im Haushalt Gelder für Brückensanierungen bereit.
„Vernünftig“, lobte Hubert Nowack (Grüne). „Wenn man das flicken kann, soll es mir recht sein“, meinte Harald-Armin Sailer (FDP). Die Verlegung des Radwegs führe „mit Sicherheit zu einer Verbesserung“. Ein Lückenschluss indes sei das nicht. Überhaupt sei die Maßnahme nur akzeptabel, weil es die sichere Variante über das Untere Bohrhaus gebe. Denn, wie Elke Reichenbach (SPD+FFR) ergänzte, „ist es immer noch nicht toll, dass man durch die Unterführung muss“.
Dort, so kristallisierte sich in der Debatte heraus, liegt der hauptsächliche Handlungsbedarf. Doch dieser lässt sich nicht lösen. Die Unterführung ist zu eng, um den Radstreifen zu verbreitern. Bauliche Eingriffe seien schwierig, so Bürgermeisterin Ines Gaehn. „Das Ding hat Bestandschutz“, sagte Bisinger. Einen solchen Radweg könne man heute nicht mehr anlegen.
Sicher ist indes: Das Stück Radweg, das verlegt werden soll, wird an der Naufraer Straße zurückgenommen. Dafür wird der Bereich, in dem der neue Radweg auf die Straße führt, mit Markierungen und so genannten Protected Bike Lanes zusätzlich gesichert. „Dann weiß der Autofahrer ‚Hoppla, da kommt was!'“, betonte Bisinger. Monika Hugger (CDU) war das ein Anliegen.
Wen will man schützen?
Hans-Peter Alf (CDU) missfiel, dass ein Teilstück des Radwegs entlang der Straße entfällt. „Ich finde das unglücklich“, sagte er. Vor allem jene Radfahrer, die die Strecke regelmäßig nutzen, sollten eine Wahlfreiheit haben. „Wen wollen wir schützen?“, fragte Gaehn im Hinblick etwa auf Familien. Wer den Radweg nicht nutzen wolle, könne dennoch auf die Straße.
Mit einer Enthaltung passierten der Radwegbau und Brückensanierung schließlich den Ausschuss. Die Kosten für die Anbindung des Radwegs an die Neufraer Straße belaufen sich auf etwa 35.000 Euro. Für die Maßnahmen an der Brücke inklusive Zaun sind 45.000 Euro veranschlagt.