Einige Blumen können bei Hunden zu schweren Vergiftungen und zum Tod führen. (Symbolfoto) Foto: JackieLouDL/pixabay

Pflanzen, die für Menschen ganz ungefährlich sind, können für Vierbeiner potenziell zur tödlichen Gefahr werden. Worauf Hundebesitzer im Frühjahr achten sollten und wie man im Ernstfall reagiert.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen zieht es viele Hundehalter wieder häufiger nach draußen. Parks blühen auf, in Gärten sprießen Tulpen und Narzissen – doch genau diese Frühlingsidylle kann für die geliebten Vierbeiner gefährlich werden. Viele Frühblüher enthalten Giftstoffe, die bei Hunden bereits in kleinen Mengen schwere Vergiftungen auslösen können.

 

Tierärzte und Tierschutzvereine beobachten jedes Jahr ähnliche Fälle: Hunde knabbern beim Spaziergang an Pflanzen oder buddeln Blumenzwiebeln aus – mit teils ernsten Folgen. Vielen Haltern ist dabei gar nicht bewusst, wie gefährlich manche Frühlingspflanzen tatsächlich sind.

Wir klären auf, worauf Herrchen und Frauchen im Frühjahr achten sollten, um ihre Tiere zu schützen.

Diese Pflanzen sind für Hunde potenziell tödlich

„Die Konzentration der Giftstoffe ist besonders in Zwiebeln sehr hoch“, erklären Melissa Maier und Tamara Beck vom Tierschutzverein Freudenstadt. Vor allem neugierige Hunde seien gefährdet, weil sie Pflanzen erschnüffeln oder ausgraben.

Besonders gefährlich sind laut den Expertinnen klassische Frühblüher, die in vielen Gärten und auf Wiesen wachsen. Dazu gehören etwa Maiglöckchen, Narzissen, Tulpen, Hyazinthen, Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher, Schachbrettblumen und Buschwindröschen.

Rebecca Rist vom Tierschutzverein Rottweil arbeitet seit fast zehn Jahren als Tierpflegerin im Tierheim. Sie warnt insbesondere vor Maiglöckchen. „Alle Pflanzenteile sind stark giftig“, erklärt sie. Auch bei Narzissen, Tulpen oder Hyazinten seien vor allem die Zwiebeln problematisch.

Bei Narzissen sind insbesondere die Zwiebeln giftig für Hunde. Foto: couleur/pixabay

Besonders tückisch: Nicht nur das Anknabbern der Pflanze kann gefährlich werden. „Bei Hyazinthen oder Narzissen kann sogar das Blumenwasser in der Vase Vergiftungen verursachen“, sagt Rist.

Giftige Pflanze gefressen: Was tun?

Welche Symptome auftreten, hängt von der Pflanze und der aufgenommenen Menge ab. Häufig beginnen Vergiftungen mit Magen-Darm-Beschwerden. Typische Warnzeichen seien starkes Speicheln, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen.

Doch auch schwerere Symptome können auftreten. Laut Maier und Beck sind neurologische Auffälligkeiten wie Zittern, Krämpfe oder Taumeln möglich. Einige der Pflanzen wirken zudem direkt auf Herz und Kreislauf. Maiglöckchen enthalten beispielsweise herzwirksame Glykoside. Maier und Beck warnen: „Schon der Verzehr weniger Blätter oder das Trinken aus dem Blumenwasser kann tödlich enden.“

Maiglöckchen sind zwar hübsch anzusehen, können aber für Hunde bereits in kleinen Mengen tödlich enden. Foto: danutaniemiec/pixabay

Hat der Hund Teile der Pflanze verschluckt, sollte man schnellstmöglich zum Tierarzt gehen. Die Tierschützerinnen raten davon ab, zunächst abzuwarten oder Hausmittel auszuprobieren. „Nicht auf Symptome warten. Bei Verdacht zählt jede Minute“, betonen sie.

Beim Verdacht auf eine Vergiftung sollten Halter zuerst die Pflanzenreste vorsichtig aus dem Maul entfernen und dann sofort einen Tierarzt aufsuchen. Zur Identifizierung könne es auch helfen, Pflanzenreste oder Erbrochenes mitzunehmen.

Vor einer Selbstmedikation raten Maier und Beck dringend ab: Milch oder andere Hausmittel können die Situation sogar noch verschlimmern. Aktivkohle sollte nur nach Absprache mit einem Tierarzt oder einer Tierärztin eingesetzt werden.

So können Hundehalter Vergiftungen vorbeugen

Damit es gar nicht erst zu einer Vergiftung kommt, empfehlen die Expertinnen mehrere Vorsichtsmaßnahmen. Hunde sollten im Frühjahr nicht unbeaufsichtigt buddeln, da sie dabei giftige Zwiebeln ausgraben könnten. Auch Spaziergänge durch hohes Gras bergen Risiken, weil Pflanzen oft erst spät erkannt werden.

Hilfreich sei außerdem ein konsequent trainiertes „Aus“- oder „Nein“-Signal. Für Hunde, die unterwegs alles aufnehmen wollen, könne laut dem Freudenstädter Tierschutzverein sogar ein Maulkorb sinnvoll sein. So sind Hunde auch vor anderen Gefahren, wie beispielsweise Giftködern, geschützt.

Auch ein Maulkorb kann Hunde vor giftigen Pflanzen in der Natur schützen. Foto: kaylafratt/pixabay

Wer einen Garten besitzt, sollte bei der Bepflanzung auf ungiftige Alternativen setzen. Rist vom Tierschutzverein Rottweil empfiehlt etwa Gänseblümchen, Ringelblumen, Kapuzinerkresse, Lavendel und Sonnenblumen.

Zusätzlich können Erkennungs-Apps auf dem Handy helfen, unbekannte Pflanzen unterwegs schnell zu identifizieren. Etwa die App „Google Lens“ kann bei der Pflanzenbestimmung helfen und auch mit der Apple‑Fotos-App können Pflanzen einfach identifiziert werden.

Denn so schön der Frühling für Mensch und Hund auch ist – in der Natur verstecken sich Gefahren, die Tierhalter besser nicht unterschätzen sollten.