Drei engagierte Bad Herrenalber Imkerinnen machen auf die Gefahren der Asiatischen Hornisse aufmerksam.
Der Asiatischen Hornisse den Kampf angesagt haben Susanne Schneider, Christine Seiter und Bianca Treiber.
Die Imkerinnen wurden erstmals durch die von ihrem Verein, dem Bezirks-Bienenzüchter-Verein Bad Herrenalb, organisierten Vorträge so richtig auf das Ausmaß des Problems aufmerksam. Förster Michael Gues, Hornissenfachberater für die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Calw, hatte Mitte vergangenen Jahres informiert.
Wie weit die invasive Art aber tatsächlich schon auf dem Vormarsch ist, damit haben die drei nicht gerechnet.
Hornissenerlebnis Sie habe ihre Bienenvölker am Waldrand bei Freiolsheim stehen, berichtet Seiter. Wenige Wochen nach dem Vortrag von Gues habe sie tatsächlich vor dem Flugloch eines Bienenstands eine Asiatische Hornisse gesichtet: „Sie hat die Bienen da direkt abgepasst, sie im Flug gepackt, in unmittelbarer Nähe förmlich filetiert. Kopf und Gliedmaßen der Opfer wurden auf den Boden fallen gelassen. Nur das Brustfleisch zählt!“
Bald sei ihr klar geworden: Am Bienenstock direkt kann sie nichts tun. Sie musste das Nest finden. Doch dazu brauchte sie Unterstützung.
Gruppen tauschen sich aus
Mit Flugblättern machte sie im Ort auf die Gefahr aufmerksam, gewann Helfer vom Obst- und Gartenbauverein und weitere Ehrenamtliche.
Und natürlich Mitimkerinnen und -imker. Aus den sozialen Medien gab es Infos, wo sich mittlerweile deutschlandweit Gruppen zusammenfinden und austauschen.
„Madame Silber“ Eine zeitaufwendige Suche begann in Freiolsheim, fast wie ein Krimi: Es wurden Locktöpfe aufgestellt, die die asiatischen Jägerinnen unwiderstehlich finden und daher immer wieder aufsuchen. Dort konnten die Imkerinnen und Helfer sie mit viel Geduld mittels Kescher einfangen und markieren. „Mit Nagellack oder Lackstift“, beschreibt Treiber. Flogen die Hornissen wieder los, wurden ihre Markierungsfarbe und die Flugrichtung festgehalten, dazu mit Stoppuhr gemessen, wie lange es dauerte, bis sie wiederkamen. Das wiederum gab, unter Berücksichtigung der angenommenen Fluggeschwindigkeit, Aufschluss über die ungefähre Entfernung des Nestes. „Madame Silber, mit silbernem Markierungspunkt“, erzählt Seiter, „war stets sechs bis acht Minuten in der selben Richtung unterwegs.“
Immenser Aufwand
Hubsteiger gefragt Irgendwann machte sich die Imkerin mit Kompass auf den Weg in den Wald. Und landete einen Treffer: Nach 800 Metern fand sich das ballonartige Sekundärnest, wie die großen Spätjahresnester heißen, mit rund 50 Zentimetern Durchmesser. In einer Lärche auf sage und schreibe 32 Metern Höhe. Nach Meldung an das Regierungspräsidium (RP) in Karlsruhe wurde es letztlich mit einem Hubsteiger entfernt. Ein immenser Aufwand.
Sensibilisieren Seither sind alle drei Imkerinnen – Schneiders Bienenvölker stehen unweit der Kernstadt, die von Treiber in Neusatz – am Informieren und Sensibilisieren. Wie viele Imker in der Region, die teilweise als Multiplikatoren ausgebildet werden. Das Imkerinnentrio verteilt Flyer, erklärt die Situation. Auch Schneiders Bienenvölker wurden bereits von der invasiven Hornissenart reduziert. Sie haben Locktöpfe stehen, beobachten genau, melden Sichtungen.
Auch Wildbienen betroffen
Die nicht heimische Art vermehrt sich stark, ernährt sich schwerpunktmäßig von Honigbienen. Wichtig ist Schneider festzustellen, dass neben den Honigbienen auch Wildbienen betroffen sind. Ihre Bestände sind sowieso schon in Gefahr. Außerdem geht die Asiatische Hornisse an Trauben und Äpfel und hat so in Spanien und Frankreich bereits große Schäden angerichtet. Sie ist kleiner als die streng geschützte Europäische Hornisse, hat keine bräunliche, sondern eine tiefschwarze Brust mit dunklem Leib und wenig gelben Binden. Die Beine sind gelb.
Hornissennester In Bad Herrenalb fanden sich in Spätsommer und Herbst 2023 bereits einige Sekundärnester. So an einem Baum unweit der Therme, in einem Garten hinter der Kurapotheke oder in einem Carport in Bernbach. Bis Anfang November, bei Temperaturen nicht weit über null Grad, so Treiber, hätten sie noch Nester mit Brut festgestellt, eines in Althof.
Sichtungen melden Finger weg von Selbstentfernung, ob Insekt oder Nest, heißt die Devise. Im Frühjahr sollte man Ausschau nach den kleinen Primärnestern der Jungköniginnen halten. Die können, ähnlich wie Wespennester, zum Beispiel in Gartenhütten oder Scheunen hängen. Wer Nester des invasiven Insekts feststellt, sollte sie melden.
Fachberater gibt Rückmeldung
Weiterhin können Locktöpfe aufgestellt werden, um die im Frühjahr noch einzeln lebenden Jungköniginnen anzulocken. Auch dortige Sichtungen sind immer an die folgende Adresse melden. Nicht zuletzt für das Frühjahrsmonitoring, also die Überwachung, wie sich das Insekt ausbreitet.
Ein Fachberater wird in beiden Fällen Rückmeldung geben zum weiteren Vorgehen oder persönlich vorbeikommen: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden. Erste Informationen geben auch örtliche Imker oder die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt.
Locktopf
Anleitung
So funktioniert’s: Ein Loch in den Deckel eines Schraubglases bohren. Einen Docht aus gefaltetem Küchenkrepp oder Leinen durch das Loch ziehen. Der Lockstoff im Inneren kann beispielsweise aus einem Drittel Bier, einem Drittel lieblichen Wein und einem Drittel Himbeersirup bestehen. Die Insekten mögen es süß im Frühjahr.