Hier entsteht die neue JVA in Rottweil: Die imposante Großbaustelle ist vom Testturm aus deutlich zu sehen. Foto: Braun

Die JVA-Baustelle in Rottweil unterliegt strengen Sicherheitsvorschriften. Doch der Blick vom Testturm aus bietet Einblicke. Könnte das zum Problem werden? Wir haben nachgefragt.

Der Bau im Rottweiler Gebiet „Esch“ läuft auf Hochtouren: 505 Haftplätze entstehen im neuen Großgefängnis – in den vielen kleineren Gefängnissen im Land wird der Platz derweil knapper und knapper.

 

Beim jüngsten exklusiven Baustellenrundgang erhielt unsere Redaktion erste Einblicke in das Mega-Projekt – und obwohl das Gefängnis erst Ende 2027 fertig sein wird, gelten bereits strenge Sicherheitsvorschriften. So durften einige Details bautechnischer Art nicht fotografiert werden, um späteren Insassen keine Hinweise zu liefern, die womöglich Fluchtgedanken befördern würden.

Dazu gehört nicht nur die Beschaffenheit der Fenstervergitterung, sondern auch beispielsweise der mehrschichtige Aufbau der Wände.

Die Firmen sind entsprechend überprüft, auch für die Mitarbeiter herrscht Fotografierverbot und die Planunterlagen unterliegen einer gewissen Geheimhaltungsstufe.

Bester Blick vom Aufzugstestturm

Besten Einblick hat man auf die ganze Baustelle und das spätere Großgefängnis allerdings – wenn auch aus der Ferne – von einer besonders exponierten Lage aus: nämlich von der Besucherplattform des Aufzugstestturms von ThyssenKrupp.

Schon jetzt fasziniert nicht nur der Blick auf die herrliche Rottweiler Stadtkulisse, sondern eben auch jener in die andere Richtung, auf die vielen Gebäude der künftigen JVA, die Besucher. Und wer mit einem Teleobjektiv ausgestattet ist, der kommt auch ziemlich nahe ran. Hat dieser besondere Blick aus der „Vogelperspektive“ bei den Sicherheitsüberlegungen eine Rolle gespielt? Oder könnte er zum Problem werden?

Die Verantwortlichen vom Amt Vermögen und Bau in Konstanz, was das Land als Bauherrn vertritt, sehen hier kein Gefahrenpotenzial in puncto Sicherheit, wie wir auf Nachfrage beim Rundgang erfahren. Natürlich könne man mit manchen Objektiven ranzoomen – entscheidende Details seien aber nicht betroffen.

Und auch im späteren Betrieb werde da – logischerweise – aus der Entfernung nichts Sicherheitsrelevantes zu sehen sein. Die Dächer werden übrigens alle begrünt und mit Photovoltaik versehen.

Schwerverbrecher sind darunter

Immerhin: Das Klientel in der künftigen JVA wird ein breites Spektrum an Gefangenen umfassen – sowohl jene, die sehr lange Haftstrafen wegen schwerer Verbrechen verbüßen müssen, werden in Rottweil einsitzen, als auch Häftlinge mit kürzeren Haftstrafen sowie jene, die in U-Haft sitzen. Frauen werden allerdings nicht in das neue Großgefängnis einziehen.

Die jetzige Rottweiler JVA liegt mitten in der Stadt. Foto: Otto

Die Größe der ganzen Anlage, die fünfeinhalb Meter hohe Mauer samt Stacheldrahtzaun ringsum und neuste Sicherheitstechnik bilden jedenfalls einen krassen Unterschied zum jetzigen JVA-Standort in Rottweil. Das alte Gefängnis liegt quasi mitten in der Stadt und immer wieder ist zu beobachten, dass sich von der Straße aus Angehörige und Häftlinge laut rufend miteinander „unterhalten“.

Was nach dem Umzug aus der alten JVA in Rottweil wird, ist noch unklar. Die Stadt will das alte Gemäuer entgegen erster Überlegungen nicht vom Land kaufen – aber dennoch auf der Suche nach einem Investor Ideen einbringen.

Sofern die Inbetriebnahme des neuen Großgefängnisses Ende 2027 planmäßig erfolgt, könnte die leere JVA in der Stadt übergangsweise bei der Landesgartenschau 2028 zu einer besonderen Attraktion werden, so die Überlegungen. Einmal in einer Zelle sitzen, das wäre dann ein ganz besonderes Abenteuer in Rottweil. Im Neubau im „Esch“ ist das dann bitterer Ernst.