Ein Luftbild, das bei der Einsetzung der neuen Leiterin auf den Bildschirmen zu sehen war, zeigt den in zeitlichen Verzug geratenen JVA-Neubau in Rottweil. Im Vordergrund zwei der Hafthäuser. Foto: Otto

Das war ein echter Paukenschlag: Die neue JVA des Landes soll erst 18 Monate später fertig werden als geplant. Ministerin Marion Gentges äußerte sich dazu in Rottweil.

Der Betrieb auf einer der größten Baustellen des Landes läuft, doch hinter den Kulissen knirscht es: Das neue Großgefängnis in Rottweil, das eigentlich Ende 2027 hätte in Betrieb gehen sollen, wird nach Stand der Dinge erst 18 Monate später als geplant bezugsfertig sein. Auf die Verzögerung, aber auch die Ausstattung der neuen JVA – „wenn dann alles fertig ist“ – ging Justizministerin Marion Gentges in Rottweil ein.

 

Eigentlich schien seit Baubeginn im März 2023 alles gut zu laufen – zumindest von außen betrachtet. Die meisten Rohbauten des neuen Großgefängnisses sind fertig, bei einem Rundgang über die Baustelle im Mai vergangenen Jahres gab es erste Einblicke in die Haftgebäude.

Inzwischen ist klar: Auf der Baustelle scheint einiges im Argen zu liegen. Eine Sprecherin des Finanzministeriums hatte auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt, dass das beauftragte Architekturbüro die Planungsbearbeitung und Vorbereitung des Bauablaufs sowie die Bauleitung „nicht in dem Umfang erbracht“ habe, wie für so ein komplexes Projekt erforderlich. Dem Architekturbüro sei gekündigt worden, die Defizite würden aufgearbeitet.

Übergangslösung für Personal

Bei ihrem Besuch in Rottweil zur Einsetzung der neuen JVA-Leiterin Stefanie Hörter ging auch Justizministerin Marion Gentges auf die Baumisere ein – ebenfalls jedoch, ohne die konkreten Probleme zu benennen. Sie nannte Terminabhängigkeiten und die schiere Größe des Baus mit seinen 18 Gebäuden und versicherte, man arbeite an der „Behebung der Probleme“, die zu der Verzögerung geführt hätten: Die Planungen zur Inbetriebnahme würden nun „angepasst“ – und für das Personal, das seit geraumer Zeit für die neue JVA eingestellt wird, plane man ein Übergangskonzept.

Probleme mit dem Material?

Hinter den Kulissen – und offiziell nicht bestätigt – kursieren Schilderungen von der Baustelle, nach denen man es stellenweise mit Pfusch und massiven Problemen mit dem eingesetzten Material zu tun habe.

Wenn die JVA in Rottweil aber dann 2029 fertig sei, so Gentges, sei sie nicht nur eine der modernsten Vollzugseinrichtungen Europas, sondern übernehme auch eine Vielzahl besonderer Aufgaben, die für den Resozialisierungsauftrag von zentraler Bedeutung seien. Dazu gehöre etwa der Betrieb einer Abteilung für Suchttherapie, eine Abteilung für Trans- und intergeschlechtliche Personen sowie Haftplätze für pflegebedürftige und mobilitätseingeschränkte Inhaftierte.

All dies erfordere die Einstellung von 154 weiteren Mitarbeitern mit den unterschiedlichsten Vorqualifikationen.

Einen wachsamen Rottweiler hatte OB Christian Ruf der neuen JVA-Leiterin Stefanie Hörter bei der Amtseinsetzung überreicht. Foto: Otto

Auch die neue Leiterin Stefanie Hörter gab mit einigen Fotos Einblicke in den Neubau: Geplant sind Gruppenräume, beispielsweise für Antigewalttraining, ein Raum für die Religionsausübung, Räume für Arbeitstherapie und ein Krankenrevier. Die Sporthalle der JVA soll auch von Vereinen genutzt werden können.

Bis dahin sei es erforderlich, so Gentes, gemeinsam mit allen Kollegen tragfähige Handlungs- und Sicherheitskonzepte für den alltäglichen Betrieb der Vollzugseinrichtung zu erarbeiten. Dafür ist nun 18 Monate mehr Zeit als ursprünglich gedacht.

502 neue Einwohner erst später

Dabei hatte man sich nicht nur im Justizvollzug des Landes auf 502 neue, endlich Entlastung bringende Haftplätze eingerichtet. Die Stadt hatte sich, wie Oberbürgermeister Christian Ruf Anfang 2025 erklärte, „perspektivisch mit der Frage einer möglichen Nachnutzung des alten Gefängnisses beschäftigt“. Daraus wird es nun erstmal nichts – und auch auf die 502 neuen Einwohner muss Rottweil nun länger warten.