Grüne Wiese auf Google Maps – von den riesigen neuen Gebäuden der JVA ist nichts zu sehen. Absicht oder Zufall? Foto: Screenshot Google Maps

Für die neue JVA in Rottweil stehen inzwischen alle Gebäude. Nur auf Google Maps ist noch immer grüne Wiese zu sehen. Zufall oder Sicherheitsmaßnahme? Wir haken nach.

Das neue Großgefängnis im Gebiet „Esch“ in Rottweil wird künftig Platz für 501 Häftlinge bieten – und auf der Baustelle geht es rasant voran.

 

Bei einem Rundgang Ende Mai konnte unsere Redaktion erstmals einen Blick ins Innere werfen – Zellenbesuch inklusive. Schon dort, im Rohbau, galten hohe Sicherheitsstandards. Alle Fotos mussten im Ministerium vor Veröffentlichung zur Prüfung vorgelegt werden, ob nicht vielleicht doch sicherheitsrelevante Dinge zu sehen sind.

Ist das vielleicht auch der Grund, warum die Großbaustelle, die seit zwei Jahren im Gange ist, immer noch nicht auf Google Maps zu sehen ist? Nicht dass sich da schon einer seinen Fluchtweg überlegt? Auf Nachfrage im Justizministerium erklärt ein Sprecher: „Nach unserem Kenntnisstand hat der Justizvollzug in Baden-Württemberg keine Anstrengungen unternommen, um Satellitenbilder von Vollzugseinrichtungen zu verhindern.“ Entsprechendes gelte nach Kenntnisstand des Ministeriums auch für die Hochbauverwaltung.

Hier ein Luftbild der JVA-Baustelle von Anfang des Jahres. Inzwischen ist der Bau noch weiter fortgeschritten. Foto: Amt für Vermögen und Bau

Im Justizministerium hat man nichts zu verbergen, was die Vogelperspektive angeht: Laut Aussage des Sprechers erfolge üblicherweise kein Kontakt zu privaten Anbietern wie Google. Die Adresse der neuen JVA Rottweil sowie die Baustellenzufahrt scheinen auf Google hinterlegt zu sein, heißt es weiter. Dies ist tatsächlich der Fall. Wer den JVA-Standort sucht, der findet ihn auch.

Warum sich dort auf Google Maps auch mehr als zwei Jahre nach dem Baustart eine grüne Wiese zeigt, dürfte demnach einen einfachen Grund haben. Die Bilder wurden schlichtweg noch nicht aktualisiert. Doch welchen Turnus gibt es da denn bei Google?

In Großstädten jedes Jahr neu

Ein Sprecher verweist hier auf einen Google-Blog zum Thema Satellitenaufnahmen, in dem das Vorgehen erklärt wird. Demnach werden vor allem die Satellitenbilder von Orten aktualisiert, die sich am häufigsten ändern.

Geo Data Strategist Matt Manolides erklärt

Matt Manolides, Geo Data Strategist bei Google, erklärt: „Großstädte verändern ihr Erscheinungsbild beispielsweise ständig. Da versuchen wir, unsere Satellitenbilder jedes Jahr zu aktualisieren. Bei mittelgroßen Städten ist der angestrebte Turnus alle zwei Jahre, bei Kleinstädten alle drei Jahre.“

Ziel sei es, dicht besiedelte Gebiete regelmäßig zu aktualisieren und mit der sich verändernden Welt Schritt zu halten. „Daher aktualisieren wir Gebiete häufiger, wenn wir der Meinung sind, dass dort viele Gebäude oder neue Straßen gebaut werden.“

Kurzum: Da Rottweil im weiten Weltgefüge doch eher als Kleinstadt gilt, hat es für neue Bilder bislang nicht gereicht. Inzwischen aber, dieser Hinweis an Google sei erlaubt, lohnt sich die Aktualisierung. Zur JVA-Baustelle gibt es in Rottweil schließlich auch noch die Hängebrücken-Baustelle und ein neues Parkhaus. Spätestens im Frühjahr soll die Brücke dann hängen – das macht auch von oben sicher was her.