Foto: Olaf Zimmermann/Landwirtschaftliches Technologiezentrum Augustenberg/dpa

Die Amerikanische Rebzikade breitet sich immer mehr aus. Das bedroht auch Anpflanzungen der Winzer in Haltingen. Ein Ortschaftsrat mahnt zur Eile.

Auch im Haltinger Ortschaftsrat schlug das Thema verwilderte Rebgrundstücke und die damit einhergehende Angst vor der Ausbreitung von Schädlingen wie der Amerikanischen Rebzikade oder der Kirschessigfliege Wellen.

 

Anlass dafür war eine Veranstaltung des Gemeindeverwaltungsverbands Vorderes Kandertal, die vor kurzem in Binzen stattgefunden hat. Dort wurde im Rahmen einer Info-Veranstaltung zum Flächenmanagement im Weinberg über Strategien gesprochen, wie man der Herausforderung, die im extremsten Fall sogar den Weinbau als Ganzes in Frage stellt, Herr werden könnte.

Hansjörg Stücklin, der vom Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Vorderes Kandertal engagiert wurde, um eine Zersiedelung der Landschaft zu verhindern, schilderte dort auch die wirtschaftliche Situation der Winzer, die seit Jahren sehr angespannt ist.

Bei der Veranstaltung in Binzen war auch zu erfahren, dass laut Landesverbraucherschutzministerium die Gemeinden seit Ende November ein Zwangsgeld verhängen oder anordnen können, dass Rebflächen gerodet werden, wenn die ordnungsgemäße Pflege im Sinne der guten fachlichen Praxis mit regelmäßigen Pflanzenschutzmaßnahmen, Bodenpflege und Rebschnitt mindestens zwei Jahre in Folge unterblieben ist.

Die Gemeinden des GVV Vorderes Kandertal haben zudem ein Pilotprojekt zum Flächenmanagement der Reben gestartet. Dazu gehört in einem ersten Schritt die Erfassung aller Rebflächen sowie des Zustands, in dem sie sich befinden.

Besitzer verwilderter Rebgrundstücke ansprechen

Auch in Haltingen sei es nun nötig, die Besitzer verwilderter Grundstücke anzusprechen, von denen es auch auf Haltinger Gemarkung immer mehr gebe, mahnte Ortschaftsrat Eugen Katzenstein nun in der jüngsten Haltinger Sitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Anfragen“. Der Haltinger Winzerobmann habe dieses Thema auch schon in der Bürgersprechstunde der Ortsverwaltung vorgetragen, bisher ohne Resonanz.

Es komme gar schon zur „Verinselung“ verbleibender Rebflächen. Das Problem sei dass, wenn die alten Rebstöcke wieder austrieben, der Ausbreitung der Rebzikade Tür und Tor geöffnet werde, hob Katzenstein hervor.

„Wenn die Rebzikade kommt, haben wir ein Problem“, appellierte er an seine Ratskollegen. Der Grund: Die Amerikanischen Rebzikade überträgt die Rebenkrankheit Goldgelbe Vergilbung, die zum Absterben der Reben führen kann. Verwilderte Rebgrundstücke sind wiederum die Hauptbrutstätte dieser Schädlinge.

„Binzen macht schon was“, unterstrich Katzenstein. Man müsse diesem Beispiel folgen. So widmet sich in Binzen ein Arbeitskreis unter Einbeziehung Jugendlicher schon seit Jahren der Böschungspflege, um Brutnester für die Rebzikade, aber auch die Kirschessigfliege zu entfernen.

Genau deshalb sei es notwendig, stehengelassene Rebstöcke auszureißen, machte Ortsvorsteher Peter Reinacher deutlich.

Wobei sich dabei die Frage stelle, was dann stattdessen mit den ehemaligen Rebgrundstücken anzufangen sei, wie Katzenstein einwarf.

„Freizeitgrundstücke sind auch keine Lösung“

Denn auf ihnen allen Freizeitgrundstücke einzurichten, sei auch keine Lösung, sagte er mit Blick auf den andernorts bereits zu beobachtenden Wildwuchs von Schrebergärten mit Grillstation und Gartenhäusern.

Er schlug vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die sich näher mit dem Thema beschäftigt. Ansprechpartner wären der Experte und ehemalige Weinbauberater Hansjörg Stücklin Stücklin, der ja ursprünglich aus Haltingen stamme, sowie der aktuelle Weinbauberater Joscha Mattmüller.