Die Uniklinik Tübingen gibt ihre Einschätzung zur aktuellen Grippewelle ab. Sie erklärt, warum es manche Patienten besonders schwer trifft.
„Die Welle kommt dieses Jahr ein paar Wochen früher. Die Gesamtzahl an viralen respiratorischen Infekten (Atemwegsinfektionen, Anm. d. Red.) ist im Vergleich zum Vorjahr aber relativ ähnlich.“ So fasst die Uniklinik Tübingen ihre aktuelle Wahrnehmung der Grippewelle in diesem Winter zusammen. Auch das Robert-Koch-Institut berichtet in seinem wöchentlich erscheinenden Bericht zur Ausbreitung von akuten Atemwegsinfektionen aktuell nur von einer „moderaten Zahl an Arztbesuchen und Hospitalisierungen“.
Doch auch wenn die Zahl der Ansteckungen in diesem Winter bislang nicht außergewöhnlich zu sein scheint, ist eine Patientengruppe besonders von Krankenhauseinweisungen betroffen. Die Infektiologie der Uniklinik Tübingen berichtet unserer Redaktion: „Die meisten Patientinnen und Patienten mit stationärer Behandlung betreffen Personen über 70 Jahre mit Vorerkrankungen oder die in Pflegeeinrichtungen leben.“
Atemnot, Fieber, Husten
Primäre Symptome von Patienten, die mit Grippe ins Krankenhaus kommen, seien Atemnot, Fieber und Husten. Hinzu kämen Schlappheit und die Unfähigkeit, sich noch selbst versorgen zu können, auch Stürze.
Tatsächlich hat es in diesem Winter am Tübinger Klinikum schon Todesfälle unter Grippepatienten gegeben. Die Klinik teilt zu der Frage nach Sterbefällen mit: „Es sind bisher in der Abteilung nur wenige Influenza-Todesfälle bekannt, wobei es sich hierbei um sehr schwer vorerkrankte Patienten oder Patientinnen handelte.“
Ausschlaggebend gewesen seien einerseits bakterielle Superinfektionen – also eine zusätzliche Infektion, die auftritt, während der Körper bereits eine andere Infektion, wie beispielsweise eine Grippe, bekämpft. Außerdem für tödliche Verläufe verantwortlich seien sogenannte „Dekompensationen von kardialen oder pulmonalen Vorerkrankungen“ gewesen – ein Versagen von Herz oder Lunge, wenn diese Organe bereits vorerkrankt sind.
So ist die Corona-Lage
Das Corona-Virus spiele eine ähnliche Rolle wie Influenza: Es sei primär problematisch, wenn bakterielle Superinfektionen auftreten. „Insgesamt ist die Zahl der Infektionen hier aber weiterhin sehr niedrig und klinisch derzeit kein großes Problem“, teilt die Uniklinik zur Covid-19-Lage mit.
Zur Ausbreitung von Corona hat das Robert-Koch-Institut immerhin eine positive Nachricht: Abwassermessungen weisen seit einigen Wochen eine rückläufige Belastung mit Covid-19-Viren auf.