Asiatische Hornisse, Tigermücke und Co. – Diese invasiven Insekten breiten sich im Schwarzwald-Baar-Kreis rasant aus und gefährden Natur und Menschen. Ein Experte klärt auf.
Sie kommen aus fernen Regionen der Welt und fühlen sich zunehmend auch im Schwarzwald-Baar-Kreis wohl: invasive Insektenarten. Einige von ihnen gefährden die heimische Artenvielfalt, andere können für den Menschen unangenehm werden.
Robert Ulke, Schädlingsbekämpfer aus Königsfeld, ist ein echter Experte, wenn es um Insekten geht. Besonders diese drei Arten kommen vermehrt in der Region vor – wer sie sind, zeigt der Experte.
Asiatische Hornisse (Vespa velutina)
Seit dem Jahr 2025 gilt die Asiatische Hornisse als etabliert in Deutschland. Ursprünglich stammt die invasive Art aus Südostasien. Sie lässt sich gut von der heimischen Hornisse unterscheiden: Ihr Körper ist überwiegend dunkel, fast schwarz, mit wenigen gelben Binden am Hinterleib und auffällig gelben Beinen. Zudem ist die Asiatische Hornisse etwas kleiner als ihre europäische Verwandte.
Im Frühjahr gründet die Königin zunächst ein kleines Nest, das sogenannte Primärnest, häufig in geschützten Bereichen wie Schuppen, Hecken oder Rollladenkästen, erklärt Robert Ulke. Im Laufe des Sommers zieht der Staat jedoch in ein deutlich größeres Sekundärnest um, das meist hoch oben in Baumkronen gebaut wird und deshalb oft erst im Herbst sichtbar wird. Solche Nester können sehr groß sein und beherbergen Völker mit bis zu 2000 Tieren.
Auswirkung auf Natur und Imkerei
Die Asiatische Hornisse ernährt sich hauptsächlich von anderen Insekten, darunter auch Honigbienen, Wildbienen, Fliegen und verschiedene Wespenarten. Aufgrund ihrer großen Population kann sie laut Ulke Auswirkungen auf heimische Insektenpopulationen sowie die Imkerei haben. In einigen europäischen Ländern würden zudem Schäden an Obstkulturen, insbesondere an Weintrauben, festgestellt.
Für den Menschen ist die Asiatische Hornisse in der Regel nicht gefährlicher als die heimische Hornisse, erklärt der Schädlingsbekämpfer. Sie zeigt kein aggressives Verhalten, solange ausreichend Abstand zum Nest eingehalten wird. Erst bei Annäherung an das Nest, insbesondere auf unter zwei Meter, kann es zu Abwehrreaktionen kommen. Wie bei allen stechenden Insekten sind in Einzelfällen allergische Reaktionen möglich.
Entfernung des Nestes
Sollte eine Asiatische Hornisse oder ein entsprechendes Nest entdeckt werden, ist es wichtig, zunächst sicherzustellen, dass es sich tatsächlich um diese Art handelt. Anschließend sollte der Fund über die zuständigen Meldeplattformen der Bundesländer oder beispielsweise beim Nabu gemeldet werden. Von einer eigenständigen Entfernung eines Nestes rät Ulke ab, da diese oft schwer zugänglich sind und die Tiere ihr Nest aktiv verteidigen. Die Entfernung sollte ausschließlich durch geschultes Fachpersonal erfolgen.
Große Drüsenameise (Tapinoma magnum)
Die Große Drüsenameise ist eine ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Ameisenart, die in den letzten Jahren zunehmend auch in Deutschland nachgewiesen wurde und auf der nationalen Beobachtungsliste steht. Vermutlich wurde sie über Pflanzentransporte eingeschleppt. Die Tapinoma Magnum ist vollständig glänzend schwarz gefärbt.
Ein besonderes Merkmal dieser Art ist ihre hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Kälte. Ulke berichtet, dass sie im Gegensatz zu vielen heimischen Ameisen keinen Winterschlaf hält. Selbst bei Temperaturen um drei Grad Celsius bleibt sie aktiv. Kurzzeitige Frostphasen übersteht sie problemlos, da ihre Nester tief im Boden angelegt sind und dadurch nicht einfrieren, erklärt der Schädlingsbekämpfer.
Schnelle und großflächige Ausbreitung
Die Lebensweise der Tapinoma Magnum ist außergewöhnlich: Eine Kolonie besitzt nicht nur eine Königin, sondern oft sehr viele – bis zu 350. Robert Ulke erläutert, dass die Nester aus weit verzweigten, miteinander verbundenen Systemen im Boden bestehen. Zwischen diesen Nestern findet ein ständiger Austausch von Arbeiterinnen und Brut statt. So entstehen sogenannte „Superkolonien“, in denen keine Konkurrenz zwischen einzelnen Nestern besteht – eine Struktur, die eine sehr schnelle und großflächige Ausbreitung ermögliche.
Asiatische Tigermücke
Die Asiatische Tigermücke ist eine ursprünglich aus Ostasien stammende Stechmückenart, die sich durch den internationalen Warenhandel auch in Deutschland verbreitet hat. Besonders in warmen Monaten wird sie für viele Menschen zur Belastung, da sie im Gegensatz zu heimischen Mückenarten auch tagsüber aktiv ist und als besonders stichfreudig gilt, so Ulke.
Die Tigermücke bevorzugt laut Ulke Siedlungsgebiete und Gärten und nutzt kleinste Wasseransammlungen zur Fortpflanzung. Häufige Brutstätten sind Regentonnen, Blumentopf-Untersetzer, Eimer, Gießkannen, Schirmständer, Gullys oder Baumbewässerungssäcke.
Schutz vor dem Krankheitsüberträger
Sie ist in der Lage, Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- oder Zika-Viren zu übertragen, berichtet Ulke. Allerdings sei das Risiko in Deutschland sehr gering. Die wirksamste Maßnahme zur Bekämpfung laut Experte besteht darin, Brutstätten konsequent zu vermeiden – stehendes Wasser regelmäßig zu entfernen, Gefäße abzudecken oder trocken zu halten und Wasser – etwa in Vogeltränken – regelmäßig zu wechseln.