Viele Autofahrer hatten auf die für diesen Monat angekündigte Öffnung gehofft. Nun ist klar: Die Rutschungssanierung an der K 5563 zwischen Epfendorf und Harthausen wird noch bis Ende Juni 2022 dauern – 13 Monate länger als geplant.
Epfendorf-Harthausen - Im Gegensatz zur Geisterbaustelle an der Rottweiler Straße in Oberndorf tut sich auf der Baustelle zwischen Epfendorf und Harthausen einiges. Doch die Arbeiten nehmen viel mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich gedacht, wie Kreisstraßenbauamtsleiter Martin Osieja und sein Mitarbeiter Wolfgang Dausch vor Ort erklären.
Seit 2012 ist die Straße massiv beschädigt. Für 2,4 Millionen Euro werden zwei Stützwände errichtet, die den rund 70 Meter langen Straßenabschnitt sozusagen in die Zange nehmen. Eine Konstruktion aus Bohrpfählen, Kopfbalken und Verpressankern soll dafür sorgen, dass der Hang gesichert wird und nicht mehr rutscht.
Begonnen wurde mit den Arbeiten im Mai 2020. Ursprünglich sollte alles ein Jahr dauern. Im Februar 2021 war dann klar: Das wird nicht reichen. Die Fertigstellung wurde auf Oktober terminiert. Nun wurde der Zeitraum noch einmal verlängert. Ende Juni 2022 soll nun alles fertig und die Straße wieder befahrbar sein.
Mehr Bergwasser als erwartet
"Wir befinden uns mehr oder minder auf der Zielgeraden des zweiten Bauabschnitts", sagt Martin Osieja. Die Strecke war in drei Bauabschnitte eingeteilt worden, um das Risiko zu minimieren. Denn in der Herstellungsphase besteht die ständige Gefahr der kompletten Zerstörung der bereits hergestellten, aber noch nicht gekoppelten Trageelemente, falls der Hang erneut rutscht.
Angesichts des niederschlagsreichen Sommers habe er befürchtet, dass der Hang weiter rutschen werde, gibt Osieja zu. Glücklicherweise sei aber nichts geschehen, wie durch Messungen immer wieder überprüft wird.
Die Anker-Herstellung sei eine äußerst ambitionierte Aufgabe – sogar für Experten aus dem Spezialtiefbau, erklärt Osieja. Technisch gesehen sei diese Baustelle zwischen Harthausen und Epfendorf derzeit wohl die einzige ihrer Art in Deutschland. Grund sind die 40 Meter langen Dauer-Anker, die aus einzelnen, zu koppelnden Elementen bestehen. "Diese Anker herzustellen unter diesen Bedingungen ist alles andere als eine Alltagsaufgabe."
Zudem sei man im zweiten Bauabschnitt auf deutlich mehr Bergwasser als erwartet gestoßen, so Osieja. "Natürlich haben wir im Vorfeld Untersuchungen vorgenommen, aber das sind immer nur punktuelle Betrachtungen. Einen Meter weiter kann es schon ganz anders aussehen."
Wenn das sulfathaltige Bergwasser an den Verpresskörper komme, bestehe die Gefahr, dass dieser und damit auch der Anker beschädigt werde. Deshalb müsse man so genannte Vorvergütungen vornehmen, bei denen die Ablaufgeschwindigkeit des Wassers gemessen werde. Wenn mehr als 20 Zentimeter Wassersäule pro Minute abfließen würden, sei die Dauerhaftigkeit nicht gewährleistet, so Osieja. An mancher Stelle müsse diese Vorvergütung zwei bis drei Mal vorgenommen werden, was viel Zeit koste.
Höhere Kosten
Die kleine, aber sehr anspruchsvolle Baustelle werde aber nicht nur mehr Zeit beanspruchen, sondern auch höhere Kosten mit sich bringen, kündigte der Kreisstraßenbauamtsleiter an. Immerhin: Die Arbeiten könnten weitestgehend witterungsunabhängig erfolgen, so dass man nur bei viel Schnee pausieren müsse.
Ein immer wieder kehrendes Ärgernis seien die neugierigen Fußgänger und Fahrradfahrer, die häufig den Weg über die gesperrte Straße statt über die rund vier Kilometer längere Umleitung über Altoberndorf nehmen. "Nach dem Wochenende sieht man regelmäßig Fahrradspuren im Matsch", sagt Wolfgang Dausch.
Dass die lange Sperrung für viele ärgerlich ist, verstehen er und Osieja, dennoch appelliere man an das Verständnis der Verkehrsteilnehmer. Das, was man hier mache, sei alles andere als eine gewöhnliche Baustelle.