Vorsitzender Reinhold Seckinger (von links) ehrt Hubert Haas und Paul King mit Pfarrer und Präses Eberhard Eisele. Foto: Kolpingsfamilie

Auch in diesem Jahr ist die Feier der Kolpingsfamilie Sulgen zum Kolpinggedenktag durch die Corona-Pandemie eingeschränkt gewesen.

Schramberg-Sulgen - Mit einem Gemeinschaftsgottesdienst in der St. Laurentiuskirche, zelebriert von Präses Pfarrer Eberhard Eisele und mitgestaltet von Vereinsmitgliedern, wurde jüngst die Feier des Kolpinggedenktages begonnen. Die danach übliche weltliche Feier im Pfarrhof musste ausfallen, die anstehenden Jubilar-Ehrungen wurden direkt im Anschluss an die Messe in der Kirche ausgesprochen, teilt die Kolpingsfamilie mit.

Wege bereiten

Pfarrer Eisele ging in seiner Predigt auf das Lukas-Evangelium ein und spannte den Bogen von Johannes dem Täufer, der in der Wüste den Ruf Gottes vernahm – "Bereitet den Weg des Herrn! Ebnet ihm die Straßen!" – hin zu Adolph Kolping, der bis heute für viele Christen weltweit den Weg gebahnt hat. Eisele erinnerte daran, dass der am 4. Dezember 1865 gestorbene Kolping am 27. Oktober 1991 in Rom selig gesprochen wurde. Große Feiern brachten damals und 2011 ebenfalls in Rom zum zwanzigjährigen Seligsprechungsjubiläum zum Ausdruck, welch begeisternder Priester er war. Er hat den jungen Gesellen erklärt und vorgelebt, was Christsein in dieser Welt bedeutet.

Kolping trieb zu seiner Zeit die Sorge um junge Menschen um. Er sah die soziale und religiöse Not, die sein Denken und Handeln in der beginnenden Industrialisierung, vor allem im Ruhrgebiet, bestimmte. In Köln gründete er am 6. Mai 1849 den Kölner Gesellenverein, der Ausgangspunkt des heutigen Internationalen Kolpingwerks mit rund 400 000 Mitgliedern in über 60 Ländern ist. Vom Gesellenverein von damals ist äußerlich nicht mehr viel übrig: Heute gehören dem Kolpingwerk Frauen und Männer, Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis ins hohe Alter an. Der Verband ist lebensbegleitend und die Mitglieder kommen aus allen Erwerbsberufen und sozialen Schichten.

Einrichtungen aufbauen

Ein wesentliches Merkmal des Kolpingwerks seit seinen Anfängen ist der Aufbau von Einrichtungen, die für Mitglieder und Außenstehende Chancen zur Weiterbildung eröffnen sowie Lebenshilfen bieten. Das Kolpingwerk ist seinem ursprünglichen Anliegen treu geblieben, seine Mitglieder in den Lebensbereichen Familie und Arbeitswelt, Kirche und Gesellschaft zum verantwortlichen Mitwirken als tüchtige Christen zu befähigen.

Im Anschluss an den Gottesdienst ehrte der Vorsitzende Reinhold Seckinger zwei langjährige Mitglieder für ihre Treue zur Sulgener Kolpingsfamilie. Auf 65 Jahre Mitgliedschaft bringt es der stadtbekannte Hubert Haas. Seckinger skizzierte den Lebensweg des Jubilars. Dabei könne nur ein Bruchteil seines Engagements in Kirche und Staat erwähnt werden. Seine ersten Sporen verdiente er sich in der katholischen Jugend und in der Kolpingsfamilie als Schriftführer, danach wirkte er in der Kirchengemeinde als langjähriger Kirchengemeinderat. In seine Zeit fiel der Neubau der St. Laurentius-Kirche und der Umbau des Pfarrhofs. Auch heute noch leitet er den Seniorentreff "frohes Alter", überregional war er als Dekanats- und Diözesanrat tätig.

Urgestein der Kommunalpolitik

2001 gründete er den Kreisverband für die Schwangerenberatung "donum vitae" und war bis vor kurzem deren Vorsitzender. In der Stadt Schramberg gilt er als "Urgestein" der örtlichen Kommunalpolitik, 32 lange Jahre prägte er als CDU-Stadtrat die Geschicke der Stadt mit. Für seine großen Verdienste in Politik, Gesellschaft und Kirche wurde dem Jubilar 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. "Hubert Haas hat in seinem auch von persönlichen Schicksalsschlägen geprägten Leben in herausragender Weise die Ideale des Kolpingwerks und Adolph Kolpings bis heute verwirklicht, nie an seinem Glauben gezweifelt und sich immer für den Nächsten eingesetzt", betont der Verein.

70 Jahre dabei

Eine außergewöhnliche Ehrung gab es für Paul King, er ist stolze 70 Jahre Mitglied bei der Kolpingsfamilie. Mit 19 Jahren ist er 1951 beigetreten, von 1955 bis 1962 bekleidete er das Amt des Kassiers. Bei unzähligen Arbeitsdiensten war er zuverlässig zur Stelle und hat einen großen Beitrag zu einem intakten Vereinsleben geleistet. Zusammen mit seiner Gattin war er über Jahrzehnte hinweg mit seiner humorvollen Art ein gern gesehener Teilnehmer an den vielfältigen Veranstaltungen. Auch wenn er jetzt seinem hohen Alter etwas Tribut zollen muss und nicht mehr zu allen Treffen kommen kann, wird man ihn tagsüber in Sulgen bei Besorgungen antreffen können.

Für die Jubilare gab es herzliche Dankesworte, ein Geschenk und eine Urkunde. Seckinger wies in seinem Schlusswort auf die Aktion "Kolping ist mir heilig" hin und erläuterte die derzeit laufende Unterschriftenaktion zur Unterstützung des Heiligsprechungsverfahrens für Adolph Kolping. Er erwähnte auch die Schuhsammelaktion, die noch bis zum 19. Dezember läuft. Sein Dank galt allen Besuchern des Gottesdienstes und besonders den beiden Vereinsmitgliedern Ulrike Pfaff und Barbara Roming, die diesen mit ihren tollen Stimmen als Kantoren bereichert haben.