Am Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende hat die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis eine eigene Aktion gestartet.
Erstmals fand am Freitag in Balingen der Internationale Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende statt. Die Elternselbsthilfe Zollernalbkreis für suchtgefährdete und suchtkranke Töchter und Söhne startete dazu eine eigene Aktion: Es stiegen rund 80 gasgefüllte Ballons in den Himmel.
Beschriftet waren sie mit den Namen von Verstorbenen und standen symbolhaft für den Aufstieg ihrer Seelen in den Himmel. Die Diakonie Balingen stellte für diesen Tag den Zwingergarten auf dem Gartenschaugelände zur Verfügung.
Todesfall einer 13-Jährigen löst große Betroffenheit aus
Gekommen waren an diesem Tag so viele Interessierte, dass der Platz unter dem Sonnensegel im Zwingergarten nicht ausreichte. Denn immer mehr Menschen sind weltweit direkt, oder indirekt als Familienangehörige, von der explodierenden Anzahl an Suchtkrankheiten betroffen.
„Das Erschreckendste ist sicherlich die Tatsache, dass bereits in diesem Jahr unter den Drogentoten ein 13-jähriges Mädchen; also ein Kind, ist“, sagte Adalbert Gillmann, Leiter der Elternselbsthilfe Zollernalb, in seiner Rede. Ende Juni war das Mädchen nach der Einnahme der hoch dosierten Ecstasy-Variante „Blue Punisher“ in Mecklenburg-Vorpommern gestorben.
Familiäres Umfeld wird häufig sehr belastet
„Es sind unsere Kinder, Väter oder Mütter, Opa oder Oma, Tanten und Onkel,Taufpaten, Freunde oder Kollegen. Menschen, die einfach fehlen“, machte er deutlich. Für die Eltern, Angehörigen, Freunde oder Kollegen breche eine Welt zusammen, wenn sie feststellen, dass ein ihnen nahe stehender Mensch betroffen sei.
Große Ängste, Schuldgefühle, Scham und Hilflosigkeit führten häufig zu einer tiefen Depression und Ohnmacht im familiären Umfeld.
Konsum von Opioiden ist die Hauptursache
Die Todeszahlen sind in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2012 starben in Deutschland 944 Menschen am Drogenkonsum. Jetzt sind es 1990. Dies ist eine dramatische Steigerung um mehr als das Doppelte.
Haupttodesursachen waren erneut der Konsum von Opioiden (1194) – davon 749 mit Heroin und Morphin. Auch die Langzeitfolgen (663) des Drogenkonsums sind vielfach todesursächlich.
Gestiegen sind die Zahlen vor allem auch bei polytoxischem Drogengebrauch in Verbindung mit Kokain und Crack oder Amphetaminen und bei Vergiftungen in Verbindung mit psychoaktiven Medikamenten.
Die Familien der Suchtkranken stehen meist hilflos da
Die Familien der Suchtkranken stehen meist hilflos da. Der Kampf gegen die Drogen sei sehr schwer, brauche extrem viel Kraft und die Eltern müssten dabei ohnmächtig zusehen. Darüber hinaus treffe die Stigmatisierung der Kranken das Familienumfeld zusätzlich, führte Gillmann weiter aus.
Martin Weise, Fachbereichsleiter der Suchtberatung bei der Diakonie in Balingen, machte in seiner kurzen Ansprache ebenfalls deutlich, dass seine Tätigkeit häufig nicht nur präventiver Art, sondern leider auch palliativ sei.
Im Anschluss an die Veranstaltung schlugen die Beteiligten vor, den Gedenktag am 21. Juli in Balingen zu institutionalisieren. Marion Faigle, die hauptberufliche Gemeindereferentin der Heilige-Geist-Gemeinde, stand dem sehr offen gegenüber.