Der Rexinger Synagogenverein hat die Sicherheit seiner Gäste angesichts der Weltlage sensibel im Auge. In Baisingen setzt man auf die Hilfe von Anwohnern der Gedenkstätte.
Der Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen nehme die politischen Entwicklungen ernst und werde situationsbedingt gegebenenfalls reagieren und Maßnahmen prüfen. Das teilt Andrea Dettling, Erste Vorsitzende des Vereins, unserer Redaktion auf eine Anfrage nach der Sicherheit der jüdischen Gedenkstätte und ihrer Gäste mit.
Kurz nach Beginn des Kriegs im Iran hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von einer abstrakten Gefährdung in Deutschland gesprochen. Die Sicherheitsbehörden hätten die Lage „intensiv im Blick“. Israelische, jüdische und US-Einrichtungen ebenso wie Demonstrationen stünden dabei im Fokus, sagte Dobrindt.
Über Dobrindts Aussage sagt Andrea Dettling: „Da es keine aktive jüdische Gemeinde in Horb gibt, bezieht sich die Warnung meines Erachtens eher auf Rottweil, Esslingen oder Stuttgart.“ Trotzdem ist das Thema Sicherheit bei dem Förderverein gegenwärtig.
Polizei fährt Streife
„Besonders seit dem Massaker vom 7. Oktober 2023 in Israel haben wir von Vereinsseite die Sicherheit unserer Gäste sensibel im Auge behalten. Vor größeren Veranstaltungen insbesondere mit Teilnahme von jüdischen Gästen informieren wir die Polizei in Horb, so dass diese verstärkt Streife fährt oder aber einen Streifenwagen am Veranstaltungsort postiert. Diese Zusammenarbeit hat bisher sehr gut funktioniert, wofür wir sehr dankbar sind“, sagt Dettling. Der Verein sei dazu auch mit dem Polizeichef von Horb, Enzo Cicero, in enger Verbindung.
Antisemitische Vorfälle in Rexingen seien Dettling seit den mehr als zwölf Jahren, in denen sie im Synagogenverein mit im Vorstand tätig ist, glücklicherweise bisher keine bekannt. In der Gedenkstätte in Rexingen und auch im Jüdischen Betsaal in Horb, wo jeweils die Aufsicht von Ehrenamtlichen des Vereins geleistet wird, habe es bisher nie irgendwelche Vorfälle gegeben.
Aufkleber entfernt
Allerdings habe der Verein im November 2025 bei der Stolpersteinputzaktion in Horb in der Neckarstraße direkt neben Stolpersteinen einen Aufkleber mit der Aufschrift „Free Palestine“ entfernt. „Dieser kann als israelbezogener Antisemitismus gedeutet werden, da er direkt neben den Stolpersteinen am Regenfallrohr befestigt worden war und zusammen mit der Aufschrift ,gegen Genozid & Vertreibung’ den Holocaust relativiert“, berichtet Dettling.
Der Vorstand des Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen befasse sich derzeit auch mit Themen und Regeln, um für Eventualitäten vorbereitet zu sein, teilt Dettling unserer Redaktion mit. „Vor allem wird es darum gehen, eine Besucherordnung und Notfallpläne für die Gedenkstätten auszuarbeiten. Auch über die Regeln für die Kommunikation in den Sozialen Medien denken wir nach. Grenzüberschreitungen werden wir nicht hinnehmen. Eintreten für einen respektvollen Umgang, gegen jede Form von Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens heute ist für uns eine historische Pflicht.“
Es sei wichtig, dass sich der Verein auf die Satzungsziele und vor allem den Kampf gegen den Antisemitismus konzentriere. Dieser habe zwischenzeitlich viele Gesichter. „Neben dem Verorten von Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus im rechtsextremen Lager äußerten einige unserer jüdischen Gäste im letzten Jahr vor allem ihre Ängste bezüglich des Antisemitismus des Islamismus und des linksextremen Lagers unter dem Deckmantel der ,Free Palestine’-Aktivisten.“
Gelassenheit in Baisingen
Eine ehemalige Synagoge, die heute als Gedenkstätte betrieben wird, gibt es auch im Rottenburger Teilort Baisingen. Beim dortigen Förderverein Synagoge bleibt man derzeit gelassen. Hubert Dettling, Geschäftsführer des Fördervereins, sagt unserer Redaktion: „Wir beabsichtigen nicht, angesichts der aktuellen Lage konkrete Maßnahmen zu ergreifen.“ Seine Begründung: „Die Gedenkstätte Synagoge Baisingen liegt am Ende einer schmalen Sackgasse. Sie ist umgeben von Wohnhäusern. Sollten bei ihr antisemitische Aktivitäten stattfinden, so würden die Anwohner sich sehr schnell melden und gegebenenfalls aktiv werden. So gesehen ist die soziale Kontrolle dort recht gut.“
Ungeachtet dessen verfüge die Gedenkstätte an der Eingangstür sowie im Inneren über eine elektronische Überwachung, die über Telefonleitung informiert. Störungen habe es bisher keine gegeben.
Baisingen hat einen jüdischen Friedhof. Ein Vorfall von Vandalismus auf dem Friedhof liegt lange zurück. Hubert Dettling sagt: „Der jüdische Friedhof liegt außerhalb am Waldrand, ist eingezäunt und das Tor ist geschlossen. Zuletzt wurden vor über 40 Jahren einige wenige Grabsteine umgeworfen. Die daraufhin erfolgten Ermittlungen des Staatsschutzes führten zu keinem Erfolg.“