Die Stimmen von Nachkommen Überlebender oder Verstorbener waren zu hören. Foto: Friederichs

In der KZ-Friedhofskapelle Schörzingen und im Eckerwald waren Nachkommen Überlebender zu hören.

„Was vor über 80 Jahren geschah, prägt Deutschland und Europa bis heute“ – unter diesem Motto fanden in der Gedenkwoche, Schulbesuche, ein ökumenischer Gottesdienst in der KZ-Friedhofskapelle Schörzingen und die Gedenkfeier im Eckerwald statt.

 

In ihrer Doppelpredigt in der KZ-Friedhofskapelle mit den Tafeln von über 529 umgebrachten Menschen aus allen Ländern Europas in dem „Wüsteabbauwerk 10“ zeigten Pfarrerin Esther Kun-Lutz und Vikar Nico Schmid einen Gegensatz auf: Die brutale Unmenschlichkeit durch die Nazischergen und die gegenseitige Unterstützung der Häftlinge untereinander.

Erinnerung bewahren

Die große Gedenkfeier fand am Mahnmal im ehemaligen Werk „Wüste 10“ statt und wurde von der Musikkapelle Zepfenhan unter ihrem Dirigenten Thomas Brolde eingerahmt, um die Stimmen von Nachkommen Überlebender oder Verstorbener der KZ’s Schörzingen und Dautmergen zu hören.

Die Urenkelin Iga Kozlawkowska aus Warschau erinnerte an ihren Urgroßvater und Überlebenden des KZ’s Dautmergen Jacek Zieliniewicz, der am Gedenktag seinen 100. Geburtstag hätte feiern können. Jacek war ein großer Freund der Initiative Gedenkstätte Eckerwald und hatte viele Jahre hier vor Ort gesprochen. „Mein Urgroßvater war ein unglaublicher Mensch und es sei wichtig die Erinnerung an ihn und alle Überlebenden zu bewahren“.

Menschen die Würde nehmen

Tony van Royen aus Amsterdam, zum ersten Mal hier, sprach über ihren Onkel Frans Fontaine, der im November 1944 in Dautmergen gestorben war. Markus Birkenmaier verlas die zugesandte Rede der Französin Brigitte Boucinha, deren Vater Serge Lampin das KZ Schörzingen überlebt und danach maßgeblich an der deutsch-französischen Versöhnung mitgewirkt hatte.

Die Enkelin Agata Knapínska aus Warschau erinnerte an ihren Großvater Edward Lecki, der heute 102 Jahre alt, das KZ überlebt hatte. Seine Geschichte sei ihr geblieben, weil sie zeige, wie leicht einem Menschen seine Würde genommen werden könne.

Über das Leid sprechen

Wie um die brutale menschenverachtende KZ-Realität real vor Augen zu führen, verlasen vier Schüler des Gymnasiums Gosheim-Wehingen unter der Leitung von Bernhard Hurm vom Theater Lindenhof/Melchingen aus einem „Zeugnis für die Nachwelt“ – Verbrechen der SS, geschrieben 1945 von Capitaine Sovin der französischen Militärregierung, erschütternde Zeugenaussagen damaliger Häftlinge.

Die Überlebenden brauchten viele Jahre, um an die Orte der Entmenschlichung zurückzukehren und über ihr Leid zu sprechen. In jahrzehntelanger Tradition lud die Stadt Rottweil die Gäste zum Empfang ein.