Gedenkfeier am Mahnmal im Eckerwald: 80 Jahre nach Kriegsende gedenken die Nachkommen von Verstorbenen in den Lagern Dautmergen, Schömberg und Schörzingen aus Polen, Frankreich und Ungarn ihren Familienangehörigen. Foto: Friederichs

An das Grauen des NS-Regimes und dem Leid ihrer Familienangehörigen gedachten daher unter anderem die Nachkommen von Verstorbenen der Lager in Dautmergen, Schömberg und Schörzingen.

„Wie war das möglich, wie konnten Menschen mit ihren Mitmenschen so umgehen, ihnen ihr Menschsein absprechen , sie zu bloßen Nummern degradieren, zu Arbeitssklaven, die man grenzenlos ausbeuten und misshandeln durfte?“ stellte Gründungsmitglied Gerhard Lempp in seiner Rede an der diesjährigen Gedenkfeier an die zahlreichen Besucher am Mahnmal im Eckerwald die Frage.

 

„80 Jahre nach Kriegsende... 40 Jahre Gedenkstätte Eckerwald – Rückschau und Perspektiven“ zu diesem zweifachen Gedenken konnte die Vorsitzende der Initiative Gedenkstätte Eckerwald Brigitta Marquart-Schad wieder die Menschen einladen, um die es an diesem Platz, dem Außenkommando Zepfenhan aus dem KZ-Schörzingen, ging, auf dem sich 1944/45 auf der Baustelle des Werkes „Wüste 10“ die Häftlinge unter todbringenden Verhältnissen abschinden mussten und das laut den Totentafeln in der KZ-Friedhofskapelle Schörzingen 529 Häftlinge nicht überlebt hatten.

Bis es zu Begegnungen mit damals Überlebenden kam, wuchs vierzig Jahre nach Kriegsende erst einmal ein Wald über die Baustelle – es war die Zeit der Verdrängung, des „Gras drüber wachsen Lassens“ , erinnerte Lempp, einer der frühen Pioniere der Ruinen-Aufdeckung. Zur allerersten Gedenkfeier im Eckerwald am 5. Mai 1985 kooperierte die Stadt Rottweil mit der engagierten Friedensgruppe von Aktion Sühnezeichen.

Keine überlebenden Zeitzeugen mehr

Heute, 80 Jahre nach Kriegsende, kann die Initiative keine überlebenden Zeitzeugen mehr unter den Gästen begrüßen – Zeitzeugen, denen sie viel Wissen um die Konzentrationslager des Großprojekts „Wüste“ entlang der Bahnlinie Rottweil nach Tübingen verdankt. „Die Stimmen ihrer Väter, die sich über viele Jahre für die Erinnerungsarbeit in Gedenkstätten, besonders bei uns, eingesetzt haben, sind nun verstummt“,so Marquart-Schad. Dafür kann die Initiative auf starke Freundschaften zurückblicken, die heute nach 80 Jahren in die Kinder-und Enkelgenerationen hineinreichen.

Nachkommen der überlebenden Freunde

So konnte die Vorsitzende der Initiative die Nachkommen der überlebenden Freunde aus Frankreich, Polen, und Ungarn begrüßen, von denen einige ein Grußwort sprachen und bereits in der Begegnungswoche die „Botschaft ihrer Väter“ an die junge Generation in Schulen weitergegeben hatten, „wichtige Perspektiven gegen das Vergessen der damaligen Verbrechen in unserer direkten Nachbarschaft und gegen neue Formen von Hass, Willkür und Entrechtung“.

Angehörige sprechen über das Leiden ihrerFamilienmitglieder

Gaston Colin aus den Vogesen, dessen Vater am 12. Januar 19045 in Schörzingen gestorben war, berichtete zum ersten Mal und erinnerte an diesem Gedenktag „an alle Verstorbenen, die an Leib und Seele unter den Grausamkeiten des Krieges gelitten haben.“ Auch Zenon Swaczynski aus Polen berichtete vom Tod seines Bruders Zdzislaw, der am 19. Januar 1945 in Dautmergen verstorben war.

„Völkermord ist niemals eine Lösung, Konflikte zu lösen“

Die beiden Töchter Wieslawa Melwinska und Dorota Nowakowska erinnerten an ihren Vater, Jazek Zieliniewicz, der das KZ Dautmergen überlebte und viele Jahre bei den Gedenkfeiern gesprochen hatte und ihr Dank galt der Initiative für die langen Jahre der Freundschaft. Diesen Dank sprach auch Otto Kertèsz aus Ungarn aus , der ebenfalls seinen Onkel in Dautmergen verloren hat, und er mahnte , dass auch angesichts der Kriege in der Ukraine und Nah-Ost „der Völkermord niemals eine Lösung ist, Konflikte zu lösen.“

Erinnerung wird gewahrt

Bürgermeister Karl-Josef Sprenger aus Schömberg verwies auf den „Schatz der Erinnerung, den die Initiative Eckerwald pflegt und bewahrt“, der gerade heute seine Berechtigung habe,“wo extreme Kräfte Gewalt und Demokratieverachtung wieder salonfähig machen wollen“.

Sich für das Gespräch zwischen den Generationen engagieren

Ebenso mahnte Bürgermeisterin Ines Gaehn beim Empfang der Gäste durch die Stadt Rottweil, dass sich nie wieder dieses Grauen wiederholen dürfe und dankte allen , die sich für eine lebendige Erinnerungskultur und für das Gespräch zwischen den Generationen engagieren.

Eingerahmt wurde die Gedenkfeier am Mahnmal im Eckerwald von der Musikkapelle Zepfenhan , die unter der Leitung von Thomas Brolde sehr eindrücklich die Worte der schmerzlichen Erinnerungen auffingen.