Eine Tafel informiert über die Hinrichtungsstätte und den Gedenkort für die Opfer der Hexenverfolgung. Foto: Morlok

Wie viel Würde muss ein Ort gewährleisten, an dem den Opfern von Gewalttaten gedacht wird? Die Diskussion um Kreuzer-Mahnmal dauert an.

Horb - Wie sinnvoll ist es, ein Mahnmal an einem Platz aufzustellen, der zwar besucht wird – aber noch zu selten von Personen, die sich für Geschichte interessieren. Die Diskussion um den Standort des Mahnmals zur Hexenverfolgung geht weiter.

Der Ort, an dem vor wenigen Monaten das Mahnmal für die Opfer der Hexenverfolgung in Horb enthüllt wurde, präsentiert sich oft nicht als malerische Gegend zum Spazieren gehen – noch weniger, um über Geschichte zu reflektieren.

Baum herausgerissen

Mitglieder des Kultur- und Museumsvereins haben kürzlich darüber berichtet, dass der Nadelbaum, der beim neuen Mahnmal gepflanzt wurde, schon wieder fehlt – herausgerissen von Unbekannten, die dort immer wieder aufkreuzen, Müll und Zerstörung hinterlassen.

Rudolf Bok aus Nordstetten, der sich seit Langem für ein Mahnmal eingesetzt hatte, übt immer wieder Kritik an dessen Standort. Nach den neuesten Vandalismus-Fällen unterstreicht er jetzt seine Forderung, als Ort des Gedenkens den Marktplatz zu wählen. "Auf dem Marktplatz wären Zerstörungen unwahrscheinlich", argumentiert Bok in einem offenen Brief an OB Peter Rosenberger.

Marktplatz gut besucht?

Bok hat beobachtet, wie viele Besucher auf den Marktplatz gehen. Er schildert: "Anfang Dezember 2022 waren Besuchergruppen aus unseren Partnerstädten Frankreich und Spanien in Horb und wurden unter anderem über den Marktplatz geführt, aber leider nicht nach oben zum Mahnmal des Hexengedenkens, obwohl eine Gruppe davon auch auf dem Kasernenplatz, also in unmittelbarer Nähe dazu, verweilte. Führungen gehen in der Regel über den Marktplatz – aber kaum oder nicht zum Mahnmal auf den Kreuzer. Einzelbesucher und Touristen werden sich ebenfalls immer auf dem Marktplatz umsehen."

Boks Schlussfolgerung: Der jetzige Mahnmal-Standort wird relativ wenig frequentiert bleiben.

Bemerkung an Mattes

Der Nordstetter wendet sich in seinem offenen Brief auch an Thomas Mattes, den Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Mattes hatte den Standort des Denkmals öffentlich verteidigt.

Mattes antwortet in einem offenen Brief an Bok: "Es gibt auch respektable Argumente für Ihre Auffassung."

Trotzdem halte er den Platz neben dem Wasserturm auf dem Galgenfeld nach wie vor für den richtigen und geeignetsten Standort für das Mahnmal zum Gedenken an die Hexenverfolgung. Mattes schreibt: "An dieser Stelle wurden die vielen unschuldigen Opfer enthauptet und ihre Leichname verbrannt."

Die von Agnes Maier entworfene dreiseitige Pfeilspitzpyramide aus Cortenstahl stelle als Gesamtbild die Flammen des Scheiterhaufens dar.

Ort sei nicht abseits

Mattes weiter: "Die Pfeile stehen symbolisch für die Schwertspitze des Scharfrichters. Die Konzeption des Mahnmals passt deshalb nur an den Ort, an dem die dargestellten schrecklichen Taten stattgefunden haben. Das Mahnmal liegt auch nicht abseits. Ganz in der Nähe auf dem ehemaligen Kasernengelände entsteht ein neues großes Quartier mit 177 Wohneinheiten auf drei Baufeldern. Viele Fußgänger werden das Mahnmal auf dem Spazierweg zum und vom Rauschbart sehen. Außerdem steht das Mahnmal für die Hexenverfolgung in Ellwangen ebenfalls außerhalb in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Richtstätte im Galgenwald."

Ist die Innenstadt sicher?

Mattes weist noch auf die Informationstafeln zur Hexenverfolgung hin, die unter anderem am Rathaus und am Bürgerturm in der Sommerhalde angebracht wurden. "Auch die Innenstadt ist leider nicht vollständig gegen Vandalismus sicher. Dies belegen unter anderem mutwillige Zerstörungen von Lampen im Burggarten, Blumenkästen beim Neckar oder eine ehemalige vom Kunstverein aufgestellte Figurengruppe in der Nähe des Fruchtkastens", argumentiert er.