Die IG Bau Südbaden ruft Beschäftigte auf, am Dienstag eine Gedenkminute für alle einzulegen, die im Job einen Unfall hatten oder krank wurden.
Fünf mal mehr Ortenauer sind 2025 in Folge von Arbeitsunfällen gestorben als noch 2024 – zehn Menschen verloren so ihr Leben. Den traurigen Rekord scheint das laufende Jahr nicht erneut brechen zu wollen: Denn 2026 habe es bislang keine schweren und auch keine tödlichen Arbeitsunfälle im Ortenaukreis gegeben, teilt Maximilian Ganninger, Leiter der Arbeitsschutzbehörde im Landratsamt, auf Anfrage unserer Redaktion mit.
Anlass dafür ist der Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz – international auch „Workers‘ Memorial Day“ genannt – am heutigen Dienstag. Der nimmt Themen wie Unfallrisiko und -verhütung am Arbeitsplatz in den Fokus.
Arbeitsschutzbehörde stellt ihre Aufgabenbereiche vor
Das ganze Jahr über im Blick hat diese Themen die Arbeitsschutzbehörde im Landratsamt. Sie überwacht die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen. Während Berufsgenossenschaften vor allem für Prävention und Versicherung zuständig sind, greift die staatliche Aufsicht ein, wenn Vorschriften nicht eingehalten werden. Den Welttag der Arbeitssicherheit nutzt die Behörde, um auch über ihre eigene Arbeit zu informieren.
Arbeitgeber sind verpflichtet, Gefahren zu beseitigen
Unternehmen sind verpflichtet, Arbeitsunfälle zu melden. In schwerwiegenden Fällen wird auch die Arbeitsschutzbehörde eingebunden. „Bei schweren oder tödlichen Arbeitsunfällen werden wir hinzugezogen“, erklärt Amtsleiter Ganninger. „Dann geht es darum, Ursachen schnell zu klären und daraus Konsequenzen zu ziehen.“ Ein zentrales Instrument im Arbeitsschutz ist dabei die Gefährdungsbeurteilung. Arbeitgeber sind gesetzlich verpflichtet, mögliche Gefährdungen zu erfassen, Schutzmaßnahmen festzulegen und regelmäßig zu überprüfen. Dabei geht es nicht nur um Maschinen oder Gefahrstoffe. Auch Arbeitsorganisation, Arbeitszeiten oder fehlende Qualifikation können Risiken darstellen. „Unser Ansatz ist nicht nur Kontrolle“, so Ganninger. „Wir beraten Betriebe auch, wie sie Risiken von vornherein vermeiden können.“
Zum Aufgabenbereich des Amtes gehört zudem die Überwachung von Arbeits- und Lenkzeiten im gewerblichen Güterverkehr. Mit mehr als 5200 registrierten Fahrzeugen über 3,5 Tonnen im Ortenaukreis spielt dieser Bereich eine wichtige Rolle für die Verkehrssicherheit.
Gewerkschaft nimmt auch Beschäftigte in die Pflicht
Die Gewerkschaft IG Bau Südbaden wiederum nutzt den „Workers‘ Memorial Day“, um an die Beschäftigten im Ortenaukreis zu appellieren. Sie sollen einen „Wo lauern Gefahren?“-Check im Betrieb zu machen: „Es ist wichtig, über die Risiken am eigenen Arbeitsplatz zu sprechen. Denn jeder Unfall ist einer zu viel. Die Arbeitssicherheit ist keine lästige Pflicht, sondern ein Muss. Daran darf der Chef keinen Cent sparen“, sagt Petra Harich. Die Vorsitzende der IG Bau Südbaden macht dabei deutlich, dass es um die ganze Palette der Risiken im Job gehe: „Um den Sturz von der Leiter und das Ausrutschen mit der Motorsäge genauso wie ums Sanieren von Asbest-Gebäuden. Aber auch um Psycho-Druck – vom hohen Arbeitstempo bis zu Stressfaktoren mit Burnout im Büro.“
Im Arbeits- und Gesundheitsschutz sei Eigenverantwortung gefragt. Passend dazu steht der „Workers‘ Memorial Day“ nach Angaben der IG Bau in diesem Jahr unter dem Motto: „Sag ‚Stopp!‘, wenn es gefährlich ist.“ Zudem ruf die Gewerkschaft dazu auf, am heutigen Dienstag um 12 Uhr eine Gedenkminute für alle einzu legen, die im Job einen Unfall hatten oder krank geworden sind.
Info – Zehn tödliche Unfälle
Die Arbeitsschutzbehörde im Landratsamt registrierte 2025 zehn tödliche Arbeitsunfälle. Sie kümmert sich aber auch um Vorfälle von Firmen aus der Ortenau, die außerhalb tätig sind. „Hier kommt es zu tödlichen Arbeitsunfällen, die wir ebenfalls dokumentieren und bearbeiten müssen“, erklärte Laura Kirschniok von der Pressestelle des Landratsamts. 2024 gab es zwei tödliche Arbeitsunfälle im Kreis: Einen Absturz mit einem Gabelstapler in ein Bachbett in einem Nordracher Sägewerk und einen Unfall bei einem Taucher. Zudem wurde ein schwerer Arbeitsunfall gemeldet.