„Im Gedenken an einen besonderen Menschen“ hieß das Konzert im Deutschen Harmonikamuseum, das an den 50. Todestag des renommierten Komponisten und Akkordeonisten Rudolf Würthner erinnerte. Dessen Sohn Matthias Würthner präsentierte gemeinsam mit Gérard Deleye (Zweiter von links) bedeutende Werke des renommierten Akkordeonisten. Foto: Ingrid Kohler

Rudolf Würthner ist vor 50 Jahren verstorben. Dennoch hat der Virtuose und Komponist eine große Fangemeinde, die aus Nah und Fern zum Konzert seines musikalischen Erbes in das Deutsche Harmonikamuseum nach Trossingen kam.

Rudolf Würthner war eine Ausnahmeerscheinung am Akkordeon. Anlässlich seines 50. Todestages lud das Deutsche Harmonikamuseum zu einem Konzert unter dem Titel „Im Gedenken an einen besonderen Menschen“.

 

Mit rund 110 Gästen war das Museum komplett gefüllt. Er sei überwältigt von dieser Resonanz, betonte der neue Museumsleiter Salvatore Martinelli.

Sein Vorgänger Martin Häffner hatte an diesem Sonntagabend seinen „letzten Auftritt“, wie er betonte – ab Freitag 1. November geht er in den Ruhestand.

Kurz, aber sehr intensiv

Häffner blickte auf das kurze, aber sehr intensive Musikerleben Rudolf Würthners, zurück der am 3. Dezember 1974 mit nur 54 Jahren verstorben ist.

So wurde dieser im Jahr 1947 Leiter des Orchesters des Hauses Hohner (OdHH) und setzte mit diesem musikalische Meilensteine mit mehr als 1800 Konzerten und Aufnahmen. Drei inzwischen hochbetagte ehemalige Aktive des OdHH kamen zu diesem einzigartigen Konzert, das von Rudolf Würthners Sohn Matthias arrangiert und gemeinsam mit Gérard Deleye als Akkordeon-Duo gestaltet wurde, nämlich Rudolf Würthners Witwe Lore Würthner, Edith Gelück und Erhard Winter.

Mehrere Gäste, alles durchweg selbst Akkordenspieler und Fans von Rudolf Würthner, waren eigens zu diesem Konzert aus Wien, Basel und Rheinland-Pfalz angereist. Matthias Würthner ist Kontrabassist beim mittelsächsischen Theater in Freiberg und Döbeln und kam nach einem Konzert am Donnerstagabend nach Trossingen, um nach zur zweimaligem Proben mit Gérard Deleye die Konzertbesucher mit in den Bann der Musik seines Vaters zu nehmen.

Schon früh Bravorufe

Schon nach der Ouvertüre in C erntete das Akkordeon-Duo Bravorufe. Auch wenn der heute der 62-jährige Matthias Würthner bereits im Alter von zwölf Jahren seinen Vater verloren hat, ist er als Musiker in dessen musikalischen Spuren gestiegen und hat die Stücke, die meist für Orchester geschrieben waren, für die Präsentation eines Duetts umgeschrieben. So auch sieben Miniaturen, eine Sammlung, die sein Vater im Jahr 1950 für die Knopfgriffschule, aber auch für Akkordeon-Ensembles und -Orchester gesetzt hat.

In der Pause konnten sich die Gäste in einer kleinen Sonderausstellung einen Überblick über die Etappen von Rudolf Würthners bewegtem musikalischen Leben verschaffen.

Auch konnte die vor vier Jahren zum 100. Geburtstag erschienene CD mit Originalaufnahmen seiner Komposition aus seinem Tonbandarchiv erworben werden.

Die Ouvertüre aus der Kriegszeit

Drei Stücke dieser CD – „Parlez moi d’amour“, „Musette-Walzer“ und „Terzenländer“ – waren im zweiten Teil des Konzertes zu hören, der mit der Ouvertüre D begann, bei dessen Bearbeitung Matthias Würthner „beinahe die Kinnlade heruntergefallen ist“, denn überall sei es im zweitletzten Kriegsjahr 1944 „den Bach hinunter gegangen und mein Papa schreibt ein solches Stück“. Bereits vor vier Jahren zum 100. Todestag hatten Matthias Würthner und Gérard Deleye dem Publikum den „Tango sentimental“ und den Musette-Walzer präsentiert. Da Rudolf Würthner als junger Mann sein Studiengeld mit Tanzmusik verdienen musste, gab es nicht nur klassische und Orchesterkompositionen, es entstand auch ein Album mit dem Tango „Fascination“ und dem Slowfox „Golden Orchid“. Höhepunkt des Konzertes waren die Fantasien des bekannten französischen Songs „Parlez moi d’amour.“

Beschwingt beendete der „Terzenländer“ die musikalische Hommage an Rudolf Würthner, der die Akkordeonmusik des 20. Jahrhunderts wohl wie kaum ein anderer prägte und als Virtuose und Komponist einen tiefen Einfluss auf die Harmonikakultur hinterließ.