Zur Gedenkfeier in Erinnerung an die Reichspogromnacht schreibt unser Leser Kai Humphries.
Am Samstag, 9. November, nahm ich an der Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung durch die Kirchen und der Stadt, vertreten durch OB Roth, teil.
Mit Verwunderung registrierte ich die Anwesenheit von lokalen AfD-Politikern (eine weibliche Form braucht es hier tatsächlich nicht). Was haben Vertreter der AfD bei solch einer Veranstaltung zu suchen? Es ist heuchlerisch und unglaubwürdig, dass eine Partei, die ständig die NS verharmlost und die Erinnerungskultur in diesem Land angreift, Erinnerungsveranstaltungen „bereichert“.
Ein paar Beispiele gefällig? Fraktionschef Gauland bezeichnete 2018 die NS-Zeit als „nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahre erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Bundestagsabgeordneter Curio setzte 2021 das Löschen von Hasskommentaren im Netz mit den Bücherverbrennungen gleich.
Bundestagsabgeordneter Sichert setzte die Corona-Maßnahmen mit Hitlers Ermächtigungsgesetz gleich. Europaspitzenkandidat Maximilian Krah verharmloste die SS und damit die größte Ermordungsorganisation des Dritten Reichs. Bernd Höcke (lieber Gruß an die Heute Show) bezeichnete die Erinnerungskultur im Jahr 2017 als „dämliche Bewältigungspolitik“.
Der Unabhängige Expertenkreis Antisemitismus stellte bereits 2017 fest: „Gerade hier wird deutlich, dass die AfD zu den Parteien zählt, die den Antisemitismus aus strategischen Gründen ablehnen, ihn aber latent in den eigenen Reihen dulden.“
Ich bitte daher die AfD: Bitte erspart uns euren Anblick auf Gedenk-Veranstaltungen. Diese Augenwischerei funktioniert nicht. Wer Antisemitismus bei sich duldet und NS-Schreckensherrschaft verharmlost, hat dort nichts, aber auch gar nichts zu suchen.
Kai Humphries, VS-VillingenSchreiben Sie uns: leserbriefe@schwarzwaelder-bote.de. Mit der Übersendung erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe, im E-Paper sowie im Onlinedienst des Schwarzwälder Boten veröffentlicht wird. Wir behalten uns Kürzungen vor. Leserbriefe entsprechen nicht notwendig der Meinung der Redaktion.