Der Antikriegstag findet schon viele Jahre in Burladingen statt, doch jetzt haben Angehörige der NS-Opfer darum gebeten, die Gedenkfeier für Sinti und Roma abzusagen.
Das Leid, welches der Zweite Weltkrieg verursacht hat, ist auch 79 Jahre nach seinem Ende noch spürbar. Ein Gefühl der Beklemmung bleibt und wird wohl auch die weiteren Generationen beeinflussen. Deshalb wird jedes Jahr am 1. September der Antikriegstag abgehalten. Auch in Burladingen wurde dieser Tag letztes Jahr noch gebührend begangen. Doch in diesem Jahr wurde die Gedenkfeier einen Monat vor dem Termin abgesagt.
Der DGB veranstaltete bereits häufiger den Antikriegstag
„Die Gründe dafür sind Bedenken von Angehörigen von Holocaustüberlebenden und Opfern des Nationalsozialismus, die sich aufgrund der Berichterstattung bei uns gemeldet haben“, heißt es in einer Erklärung des Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschafter Bund (DGB) Zollernalb, Salvatore Bertolino, sowie der Landesvertreterin der Sinti und Roma in Baden-Württemberg, Natalie Reinhardt.
Geplant waren ein Eröffnungsgottesdienst gegen 9.30 Uhr, Grußworte des Burladinger Bürgermeisters Davide Licht und des Landrats Günther-Martin Pauli. Zum Abschluss hätte eine Nachfahrin der weit verzweigten Sinti-Familie Reinhard mit auf dem Podium gesessen.
Bereits seit einigen Jahren organisiert der DGB Kreisverband Zollernalb am 1. September in verschiedenen Städten und Gemeinden des Zollernalbkreises seinen Antikriegstag zum Gedenken an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Dieses Jahr nun die Absage: Laut Mitteilung der Initiatoren dürfe die Erinnerungskultur nicht auf dem Rücken der Opfer ausgetragen werden. „Sie dürfen sich nicht ein zweites Mal in einer Opferrolle instrumentalisiert sehen.“
Auszubildende organisierten die Veranstaltung mit
Für dieses Jahr kamen 14 Azubis vom Textil-Unternehmen Trigema und der Burladinger Stadtverwaltung einen ganzen Tag lang für einen Workshop zusammen, um die diesjährige Veranstaltung mit zu organisieren.
Es sollte am Antikriegstag daran gedacht werden, dass 60 Millionen Menschen im Zweiten Weltkrieg ermordet wurden. Die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten machte auch vor dem ländlichen Raum nicht Halt. Familien aus Burladingen, die in zum Feindbild des NS-Regimes gehörten, wurden in Konzentrationslager deportiert und in den meisten Fällen ermordet oder zur Zwangsarbeit gezwungen.
So auch die Angehörigen der Burladinger Sinti-Familie Reinhard. Seit Jahren kämpfen die Angehörigen, des an den Folgen medizinischer Menschenversuche gestorbenen Josef Reinhard für eine Aufbereitung der Verbrechen an Sinti und Roma. Seit 2012 erinnert durch das Engagement der Angehörigen auch ein Denkmal in Burladingen an die Verbrechen der NS-Zeit.
Initiatoren reagieren mit Verständnis auf die Absage
DGB und Landesvertretung deutscher Sinti und Roma im Südwesten bedauern die Absage, äußerten aber auch Verständnis: „Wir respektieren selbstverständlich die Perspektive betroffener Menschen und halten das ebenso wichtig wie die Gedenkveranstaltung selbst: Sinti haben das Recht, keine Aktivisten zu sein, sie haben das Recht, ihre persönliche Verfolgungsgeschichte und die ihrer Familie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, oder auch nicht, oder eben nur teilweise, wie es in diesem Fall zu trifft.“