Mit einer Performance erinnern Schüler an Eugen Bolz. Foto: Baum

Zum 80. Todestag von Eugen Bolz erinnern Schüler mit einer Performance an die Hassparolen, die ihm bei seiner Verhaftung entgegenschleudert wurden. In einem Gottesdienst weist Bischof Klaus Krämer auf die heutige Bedeutung von Bolz hin.

„Es hat sich ausgebolzt“, „Tötet den Landesverräter“ oder „Nieder mit dem Landesverräter“ – mit diesen Hasssprüchen wurde der Märtyrer Eugen Bolz verschmäht, als ihn eine Menschenmenge der Nationalsozialisten nach seiner Verhaftung durch Stuttgart trieb. Genau diese Hassparolen hatten Jugendliches des Eugen-Bolz-Gymnasiums als riesige Transparente dabei, als sie mit einer Performance an den 80. Todestag des durch die Nazis ermordeten Staatsmanns erinnerten. Sie machten ihre Performance mit Sprüchen, wie sie damals Eugen Bolz entgegengeschleudert worden waren.

 

Denn Eugen Bolz wurde auch wegen seines Glaubens verhaftet – er war bekennender Christ und Katholik. Die Schüler zeigten auch eine moderne Form von Hatespeech, wie sie täglich auf Schulhöfen oder in Menschengruppen und auch im Internet passiert.

Eindrucksvoll auch die Predigt von Bischof Klaus Krämer, die wie der Gottesdienst und eine Kranzniederlegung durch OB Stephan Neher im Gedenken an Eugen Bolz stand. Am 23. Januar nämlich jährte sich der Todestag von Bolz zum 80. Mal, und in der Morizkirche wurde eindrucksvoll an ihn erinnert.

Schüler stellen Szene nach

Zu ihrer hintergründigen Performance trugen die Schüler schwarze Kapuzenpullis und Gesichtsmasken und stellten eine hasserfüllte Szene nach, bei der ein Schüler niedergemacht wird.

In seiner Predigt betonte Bischof Krämer, dass Hassreden ein menschheitsgeschichtliches Problem seien. Das Problem sei nicht zuletzt auch der Rückzug aus der Demokratie, wie er etwa heutzutage und auch in der Nazizeit beobachtet werden kann. „Durch seinen Einsatz für Demokratie wurde Eugen Bolz letztlich hingerichtet. Krämer dankte den Schülern für ihre Performance, die zeigte, mit welchen hasserfüllten Parolen Bolz durch die Stuttgarter Königsstraße getrieben wurde.

Die Hassreden auf dem Schulhof und auch die Lesung aus Jeremia, in der der Prophet klagt, dass er zum Gespött der Leute geworden sei und ein Opfer von Gewalt und Unterdrückung – beides zeige, dass das Phänomen so neu nicht ist.

Bei Jeremia seien es Worte aus der Bibel, die über 2000 Jahre alt sind. „Auch Eugen Bolz erhob für die Gerechtigkeit seine Stimme“ – das Tagesevangelium zeige eine subtilere Form einer unheiligen Allianz, der Menschen anheimfallen können. Krämer zog auch hier Parallelen zur NS-Zeit, in der der Ungeist der Nazis tobte und herrschte.

Schüler stellen eine Szene dar. Foto: Baum

Nationalsozialistisches Menschenbild

Man dürfe aber nicht durch Wiederholung alter Fahnen und Symbole oder der damaligen Parolen diese Zeit wiederkehren lassen. Auch Sätze und Meinungen, die etwa besagen, dass das Leben von Deutschen wertvoller sei als das von Geflüchteten gingen genau in Richtung eines nationalsozialistischen Menschenbildes. Hier könnten Christen nicht schweigen – auch wenn rechte Parolen skandiert werden.

Denn das christliche Menschenbild sei diesen rechten Populismus diametral entgegengesetzt. Man müsse den christlichen Lebensstil auf die Lösung weltanschaulicher Fragen übertragen. Es gelte, einen christlichen Staat und christliche Politik zu fordern.

Für christliche Werte einsetzen

Eugen Bolz sei als Zentrumspolitiker bei den Nazis damals in Verruf gekommen – doch Bolz sei die ganze Zeit seinem Gewissen gefolgt. Er habe klare Kante gezeigt und Position bezogen, so Bischof Krämer. Doch die NSDAP-Mitläufer schenkten den Nazis Vertrauen und glaubten deren falsche Parolen. Eugen Bolz sei den Nazis entschlossen entgegengetreten – man müsse sich heutzutage an ihm ein Beispiel nehmen und sich auch heute für christliche Werte einsetzen. Freie Wahlen seien wichtig, so Klaus Krämer – „aber auch die NSDAP kam durch freie Wahlen an die Macht“.

Bischof Klaus Krämer findet mahnende Worte in seiner Predigt. Foto: Baum

Eugen Bolz sei auch heute noch ein Vorbild, das „ermahnt und ermutigt.“ Aber: Wer auf Gott vertraut, der brauche die Anfeindungen der Menschen nicht zu scheuen. Der Gottesdienst und auch die Kranzniederlegung der Gedenkstunde wurden von einem Kammermusikensemble der EBG-Schülerinnen musikalisch umrahmt.

Auch OB Stephan Neher meinte in seiner Gedenkansprache, dass die Performance gezeigt habe, wie aktuell die Dinge sind, die damals geschehen seien – „sie sind vielleicht aktueller denn je.“ Viele Leute wollten auch heute die Demokratie zerstören, etwa durch ihre rechten Parolen. Dem müsse Einhalt geboten werden. Der deutsche Staat betone die Freiheit, auch die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit. Auch die Justiz sei unabhängig und könne unabhängig entscheiden. Machthabern, die glauben über den Gesetzen zu stehen, werde in Deutschland Einhalt geboten.

Was OB Neher sagt

Neher sagte, er lebe Gott sei Dank in einem Staat, in dem die Freiheit und auch Rechte der Bürger verteidigt werden, aber in dem Straftaten wie in Aschaffenburg leider auch dazu gehören. Er lebe glücklicherweise auch in einem Staat, in dem Menschenrechte gewahrt werden, wo Glaube geachtet wird und wo man auch Asyl bekommen kann. Viele von diesen Errungenschaften der deutschen Demokratie seien mühevoll entstanden – aus der dunkelsten Zeit der Geschichte heraus. Denn die Ideologie der Nazis habe von Feindbildern gelebt.

„Wenn wir Demokratie verlernen oder vergessen wollen, kann wieder etwas schief gehen. Denn heutzutage kommt es auch in Deutschland an, Rechts zu sein und National vor International zu stellen.“ Neher weiter: „Wir sind sehr weit rechts gerückt in der Gesellschaft – aber dies wird nicht bemerkt.“ Bolz habe mit dem Leben für die Freiheit bezahlt und er bleibe ein großes Vorbild für die Gesellschaft.