Die Gedenkveranstaltung des Arbeitskreises Historie stieß in Kappel-Grafenhausen auf große Resonanz. Die Dokumentation „Kriegsmomente“ und eine Ausstellung berührte.
Auf großes Interesse stieß am Samstagnachmittag die Gedenk- und Filmveranstaltung des Arbeitskreises Historie in der Mehrzweckhalle Grafenhausen. Zahlreiche Besucher folgten der Einladung, um den Dokumentarfilm „Kriegsmomente – Tage des Schreckens in Kappel und Grafenhausen“ anzusehen. Die Dokumentation wurde vor zehn Jahren produziert und nun erneut gezeigt.
Die Veranstalter hatten den Termin bewusst auf den Vorabend des Volkstrauertages gelegt. Bei einer gemeinsamen Gedenkrede erinnerten Rudi Rest, Sprecher des Arbeitskreises, Bürgermeister Philipp Klotz und Pfarrer Josef Rösch an die Opfer des Zweiten Weltkrieges.
Mit eindringlichen Worten mahnten sie zu Frieden und Versöhnung. „Wir tragen Verantwortung, das Leid der Vergangenheit nicht zu vergessen“, betonte Rest. Bürgermeister Klotz ergänzte: „Gedenken bedeutet für uns, den Frieden aktiv zu schützen – gerade heute.“ Pfarrer Rösch erinnerte daran, „dass Versöhnung der einzige Weg ist, den Kreislauf aus Hass und Gewalt zu durchbrechen.“
Film rief persönliche Erinnerungen der älteren Besucher wach
Eine Sargattrappe (Tumba) diente als symbolisches Mahnmal für die zahlreichen Toten aus der Gemeinde (siehe Info). Insgesamt zählte Kappel-Grafenhausen 147 gefallene Soldaten, 56 Vermisste sowie zehn zivile Opfer. Sie wurden namentlich in Erinnerung gerufen – darunter der neunjährige Richard Hund als jüngstes Opfer des Krieges. Der Film rief bei vielen älteren Besuchern persönliche Erinnerungen wach. Jüngere Zuschauer wurden nachdenklich darüber, welche Auswirkungen Krieg und Zerstörung auf die Zivilbevölkerung haben. „Gerade heute sind diese Bilder leider erschreckend aktuell“, betonten die Organisatoren.
Großes Interesse bestand auch an der begleitenden Ausstellung. Auf Stellwänden wurden historische Dokumente, Briefe, Fotos und Gegenstände präsentiert. Feldpost aus Gefangenenlagern, Trauer- und Abschiedsbriefe, Schreiben des damaligen Freiburger Erzbischofs Conrad Gröber sowie Musterungsbescheinigungen, Wehrpässe und ein „Kreuz der Deutschen Mutter“ waren dabei. Auch an die späte Heimkehr des letzten Kriegsgefangenen aus der Gemeinde, der im Januar 1950 zurückkehrte, wurde erinnert. Der Arbeitskreis Historie zeigte sich dankbar über die hohe Resonanz und das große Interesse an der lokalen Zeitgeschichte. Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig die Erinnerungsarbeit bleibt – gerade in Zeiten, in denen Frieden keine Selbstverständlichkeit ist.
Symbolische Sargattrappe
Eine Tumba, in diesem Zusammenhang eine Sargattrappe, wurde als Teil einer Trauerfeier für einen gefallenen Soldaten in einer Kirche aufgestellt, um den Verstorbenen zu ehren. Der Leichnam des Soldaten war oft nicht in der Heimat, sondern wurde an einem anderen Kriegsschauplatz beigesetzt. Die Familien konnten daher meist nur an der Tumba Abschied nehmen, während der tatsächliche Grabplatz unbekannt war. Auch in unseren Gemeinden wurden solche Tumbas in den Kirchen errichtet, um bei einer Todesnachricht der gefallenen Soldaten zu gedenken. In Grafenhausen existieren ebenfalls einige Aufnahmen solcher Tumbas, was darauf schließen lässt, dass der damalige Pfarrer Wilhelm Keller im Besitz eines Fotoapparates war, die Bilder selbst aufnahm und sie den Angehörigen als kleinen Trost überreichte. Wurde ein Requiem oder eine Totenmesse gefeiert, war die Beteiligung der Bevölkerung stets sehr groß.