Zum Gedenken am Volkstrauertag fanden sich die Besucher bei prasselndem Regen am Ehrenmal auf dem Böscherzen in Kandern ein.
Bürgermeisterin Simone Penner begrüßte die Gäste und freute sich besonders, Schüler der Klasse 6c der August-Macke-Schule mit ihrer Lehrerin Barbara Neuhaus begrüßen zu dürfen. Das musikalische Rahmenprogramm begann mit dem Kirchenlied „Heilig, heilig, heilig ist der Herr“, das der Männergesangverein Kandern vortrug. Auch die Stadtmusik Kandern unterder Leitung von Hartmut Katrinski umrahmte die Veranstaltung, unter anderem mit der Serenade von Julius Wengert.
Penner sagte in ihrer Ansprache: „Wir versammeln uns hier am Volkstrauertag, um inne zu halten und uns über unsere Verantwortung bewusst zu werden.“ Das Gedenken gilt den Millionen Menschen, die durch Krieg, Gewalt, Verfolgung und Unrecht ihr Leben verloren, auf den Schlachtfeldern starben oder in Lagern umkamen. „Wir gedenken auch allen, die bis heute unter den Folgen von Krieg und Vertreibung leiden.“
Dieser Tag mahne auch, die Lektionen der Geschichte wachzuhalten, gerade in der Zeit, in der die Werte der Demokratie heftig auf die Probe gestellt würden. „Krieg kennt keine Gewinner“, sagte Penner. Gewinner gebe es, wenn der Krieg überwunden, Frieden gesucht und Brücken gebaut werden. Der Volkstrauertag sei Mahnung und Auftrag zugleich.
Anschließend kamen einige Schüler der Klasse 6c zu Wort, deren Familien in ihren Heimatländern Vertreibung und Flucht erleben mussten. Zu hören war vom Krieg in der Ukraine, in Gaza, von Terroranschlägen im Irak, Syrien und Afghanistan.
Die Kinder berichteten von weinenden Menschen, die in zerbombten Städten alles verloren haben. Sie erzählten von Menschen auf der Flucht. „In unseren Klassen sitzen Kinder, die das alles aus ihrer Heimat kennen“, sagte Lehrerin Neuhaus. Teilweise hätten die Kinder auch selbst Gewalt erlebt, nicht nur die Eltern oder Großeltern.
Verlust und Angst, aber auch Hoffnung
Ein Schüler berichtete von seiner Familie im Kosovo-Krieg im Zeitraum 1998 und 1999. Die Gewalt habe alle getroffen. Eine Schülerin berichtete über das Leben ihrer Urgroßmutter im Kosovo-Krieg in einer Zeit von Verlust, Angst – und Hoffnung. Die restliche Familie flüchtete in die Schweiz, aber die Urgroßmutter wollte nicht mitgehen, um die Familie nicht zu belasten. Später musste sie alleine nach Albanien flüchten. Die Schülerin sagte: „Diese Geschichte zeigt, dass Mut manchmal leise ist. Meine Urgroßmutter war stärker als es jeder Krieg sein kann.“
Ein Schüler aus der Ostukraine berichtete von der ersten Nacht des russischen Überfalls im Februar 2022. Ein Schiff im Hafen explodierte, die Heizung fiel in der winterlichen Kälte aus. Das Essen ging aus und wurde täglich immer teurer. Der Vater wurde gefangen genommen und misshandelt. Als der Vater zurückkam, entschloss sich die Familie zur Flucht, ihr Haus wurde anschließend von den Russen zerstört.
Für den Friedeneinstehen
Pfarrer Daniel Völker von der evangelischen Kirchengemeinde Kandern sagte im ökumenischen Gedenken: „Der Krieg ist wieder da in unseren Köpfen.“ Die vielen Toten der Kriege sollten eine Mahnung zum Frieden sein. Niemand sollte mehr für sein Land sterben und niemand mehr aus seiner Heimat vertrieben werden. Geschützt werden sollte man nicht von Soldaten und Waffen, sondern von Gott durch die innere Kraft der Menschen, die für den Frieden einstehen. Gerechtigkeit und Friede sollten gemeinsam einhergehen, sagte der Pfarrer. „Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen im Gedenken an die Menschen, die wir betrauern.“
Gemeinsam legten Pfarrer Völker und Bürgermeisterin Penner am Ehrenmal einen Kranz nieder.