In Brigachtal soll der Volkstrauertag in diesem Jahr auf besondere Weise begangen werden – als stilles Zeichen gegen das Vergessen und für den Frieden.
Auf dem Kriegsdenkmal auf dem Brigachtaler Friedhof sind 178 Namen verzeichnet – Namen von Menschen, die in den Weltkriegen ihr Leben verloren haben. Am Volkstrauertag soll ihrer mit einer besonderen Aktion gedacht werden.
Bürgermeister Michael Schmitt und Josef Vogt, ehemaliger Gemeinderat und Stiftungsratsmitglied der Seelsorgeeinheit in Brigachtal, möchten mit diesem Tag dem Vergessen entgegenwirken.
Denn inzwischen erinnert sich kaum noch jemand an die Kriegszeiten: „80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geht der Anteil der Zeitzeugen in wenigen Jahren gegen null“, erzählt Vogt.
Vor allem für die jüngere Generation sei es daher wichtig, die gravierenden Auswirkungen der beiden Weltkriege nicht zu vergessen, meint Bürgermeister Michael Schmitt. Denn nur sie können die Erinnerungen an die Geschehnisse weitergeben, fügt Vogt hinzu.
179 Kerzen für die Gefallenen
Viele Vertreter der Landjugend werden daher am Volkstrauertag in einer besonderen Zeremonie auf dem Friedhof in Brigachtal Kerzen für die Gefallenen entzünden – für jeden Namen auf den Gedenktafeln eine.
178 Kerzen und zusätzlich eine große weiße Kerze für die namenlosen Toten sollen zwei Tage lang vor dem Denkmal an diese Menschen erinnern. Zusätzlich sollen auch die Seelenglocken in den Orten Kirchdorf, Überauchen, Marbach und Klengen läuten.
Diese besondere Aktion hätte schon zum 75-jährigen Ende des Zweiten Weltkriegs stattfinden sollen, hätte aber aufgrund der Pandemie nicht umgesetzt werden können. Zum 80-jährigen Ende solle diese nun nachgeholt werden, meint Vogt.
Bei der Zeremonie soll jedoch nicht nur den Gefallenen gedacht werden, sondern sie soll auch eine Mahnung darstellen und dazu anregen, einen Blick in die Gegenwart und die Zukunft zu werfen – speziell in den Gazastreifen und die Ukraine.
Die Friedenssicherung sei nun wieder wichtiger denn je, stellt Vogt fest: „In einer Zeit, wo ein imperialistischer Krieg keine 1000 Kilometer von uns schon seit drei Jahren aufgeführt wird und tagtäglich unzählige Menschenleben in Kauf genommen werden, sollte die Arbeit der sogenannten Friedenspädagogik wieder einen Stellenwert erlangen.“
Hohe Verluste durch Kriege
Den Volkstrauertag sehe er daher als Anlass, aufzuzeigen, mit welcher Leichtfertigkeit Kriege vom Zaun gebrochen werden, betont Vogt.
Unterschieden werden sollte dabei nicht zwischen den Verlusten unter den Soldaten, die von einem imperialistisch motivierten Machthaber in den Krieg gezwungen werden und denen, die zur Verteidigung ihrer Heimat sterben oder den unzähligen, unschuldigen Zivilisten, meint er.
Es solle allgemein ins Bewusstsein gebracht werden, wie viele Leben – wie viele Talente – in einem Volk durch einen Krieg verloren gingen und auch, wie sehr die Hinterbliebenen unter dem Verlust zu leiden haben, so Vogt.