Der Autor macht sich Gedanken über spannenden Fußball abseits der Klub-Weltmeisterschaft.
Mehr ist immer besser? Wie mancher Fan zum eigenen Erstaunen – und Leidwesen – dieser Tage feststellt, gilt das nicht für Fußball. Zumindest nicht für künstlich erzeugten.
Die ungeraden Jahre sind immer hart. Denn in diesen finden – wenn nicht gerade Corona die (Fußball-)Welt durcheinanderwirbelt – nämlich weder eine EM noch WM statt, was die Sommerpause wischen zwei Bundesligasaisons verdammt lang werden lässt. Wie gut, dass es beim Weltverband Fifa so kreativ-empathische Köpfe gibt, die ganz tief in den Geldkof... äh, in die Fantasiekiste gegriffen und einen neuen Wettbewerb hervorgezaubert haben: die Klub-Weltmeisterschaft.
32 Mannschaften von allen Kontinenten spielen einen Monat lang um einen Titel, den – sind wir ehrlich – niemand vermisst hätte. Halbleere Stadien, müde Stars und teils amateurhaftes Niveau in den Vereinigten Staaten, deren Fokus derzeit nachvollziehbarerweise auf anderem liegt als auf Soccer. Da vergeht selbst größten Fußballenthusiasten die Lust am Kick. Dass die Spiele mitunter mitten in der europäischen Nacht angepfiffen werden, ist noch am ehesten zu verschmerzen. Das Aufstehen zu unchristlichen Zeiten könnte man schließlich als Training für das kommende Jahr betrachten, wenn die echte WM, also die der Nationen, ebenfalls in Amerika ausgetragen wird.
Auch wenn es dem Fan und vor allem den zahlreichen Profiteuren schwerfällt einzuräumen, steht schon nach einer Woche Klub-Weltmeisterschaft fest: Eine Pause, ein bisschen Abstand vom kapitalgetriebenen Leder zwischendurch hätte niemandem geschadet. Im Gegenteil.
Vor allem da aktuell durchaus noch „richtiger“ Fußball zu sehen ist – auf den Sportplätzen in der Region. Am Mittwoch, beim Relegationshinspiel des SC Lahr II auf der Dammenmühle, war all das zu erleben, was über dem großen Teich fehlt: Stimmung, Einsatz, Herzblut. An diesem Wochenende finden vielerorts weitere spannende Duelle statt. Ein Besuch lohnt sich definitiv mehr, als um 3 Uhr früh den Fernseher einzuschalten. Versprochen.