Beim Ironman in Zürich 2018 kam Mutterer auch unter die besten zehn. Foto: Mutterer

Triathlon: Größter Erfolg war dritter Platz beim Ironman Italy 2018. Vom Sport zu leben schwer.

Um den Gechinger Triathleten Julian Mutterer ist es sportlich still geworden. 2019 setzte ihn eine Verletzung außer Gefecht, 2020 machte ihm die Corona-Pandemie einen Strich durch die Rechnung. Nun hat er seine Profikarriere beendet.

Seit 2012 war Mutterer als Profi-Triathlet unterwegs und feierte dabei internationale Erfolge. Die beiden vergangenen Jahren, in denen Mutterer an keinem großen Rennen mehr teilnehmen konnte, haben den Athleten vom Leo Express Logistik TSV Calw den Entschluss fassen lassen, für das Jahr 2021 keine neue Profi-Lizenz zu beantragen und in Zukunft kürzer zu treten. Die Familie und ein neuer Job stehen nun im Mittelpunkt.

Nach der Jugend startete Mutterer ab 2008 einige Jahre in der deutschen Triathlon-Bundesliga. Zum ersten Mal für richtig Aufsehen sorgte er 2011 als 23-Jähriger gleich bei seinem ersten Wettkampf über die Mitteldistanz beim Iron-Man 70.3 in Wiesbaden. Er wurde über die Strecke von 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Rad fahren und 21,1 Kilometer Laufen direkt Europameister in seiner Altersklasse und erreichte als Gesamtneunter das Ziel.

Topergebnisse lassen am Anfang auf sich warten

Den darauffolgenden Wechsel ins Profilager hatte sich der Gechinger, der auf der Fahrradstrecke immer seine besten Leistungen ablieferte, aber leichter vorgestellt. "Ich hatte mir eigentlich erhofft, dass es besser wird", sagt er. In den ersten Jahren ließen weitere Topergebnisse noch auf sich warten – meist landete er bei den großen Rennen gerade so unter den ersten 20.

Erst 2016 gelang ihm der Durchbruch. Bei der Challenge Paguere-Mallorca über die Mitteldistanz wurde der Gechinger Zweiter. 2018 folgte der Karrierehöhepunkt. Beim Ironman Italy über die Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,2 Kilometer Laufen) stieß Mutterer erstmals in die Weltelite vor und holte sich den dritten Platz. Dass dies aber schon fast der Abschluss seiner Profikarriere sein sollte, wusste Mutterer da noch nicht.

Das anschließende Jahr 2019 verlief äußerst unglücklich. Im ersten Wettkampf brach er sich im Sand einen Knochen im Mittelfuß. Erst im Herbst nahm Mutterer wieder an kleineren Wettkämpfen teil, die Form für die großen internationalen Rennen war aber dahin.

2020 sollte dann eigentlich sein Jahr werden. Mutterer hatte im Winter viel ins Training investiert, die Corona-Pandemie legte aber ab dem Frühjahr alles lahm. "Das war unglaublich schwer für mich", sagt der Triathlet. Zwei Jahre lang habe er fast ausschließlich trainiert, seinen Antrieb dafür bekomme er aber nur durch die Wettkämpfe, die er nicht bestreiten konnte.

Profi-Lizenz nicht verlängert

Für das Jahr 2021 beantragte Mutterer, der inzwischen 33 Jahre alt ist, deshalb keine Profi-Lizenz mehr – auch wenn er noch einige Jahre auf Top-Niveau hätte weitermachen können. "Finanziell hat sich das all die Jahre sowieso nicht gelohnt", sagt Mutterer. Der Triathlon-Sport war – auch wenn er mit Profi-Lizenz startete und damit berechtigt war, Preisgelder zu gewinnen – für ihn ein "riesiges, fruchtloses Hobby", das wirtschaftlich nie auf eigenen Füßen stand und das nun hinter Kinder, Familie und Haus anstehen müsse.

Für eine Podiumsplatzierung in einem großen internationalen Rennen bekommen die Athleten ein Preisgeld in Höhe eines durchschnittlichen Monatslohns – viel zu wenig bei ein oder zwei erfolgreichen Rennen pro Jahr, wenn man die Ausgaben für die weiten Reisen, die Unterkünfte oder auch die Trainer bedenkt. "Dank meiner Sponsoren war ich zumindest materialtechnisch immer gut ausgestattet", sagt Mutterer. Trotzdem war es ihm nicht möglich, von seinem Sport zu leben. "Die Dichte an guten Triathleten in Deutschland ist einfach sehr hoch – was man an den Erfolgen beim Ironman auf Hawaii ja auch sieht", sagt Mutterer. Da sei es sehr schwer, auf sich aufmerksam zu machen und Sponsoren für sich zu gewinnen.

Seit dem Abschluss seines Sport-Studiums 2015 arbeitete Mutterer deshalb immer in Teilzeit. Erst als Trainer in der Calwer Kindersportschule, anschließend im Fitnessbereich des Hotels Berlins Krone-Lamm in Zavelstein. Seit Jahresbeginn ist er inzwischen Vollzeit für einen der weltweit größten Online-Fahrradhändler tätig. Da kann er seine jahrelange Expertise als Fahrradspezialist einbringen. Er berät Kunden, die sich speziell für Renn- und Triathlonräder interessieren.

Ganz aufgeben wird er seinen Sport aber natürlich nicht. "Ich will weiter trainieren und auch an Altersklassenwettkämpfen teilnehmen – aber auch erst einmal die Zukunft auf mich zukommen lassen", sagt Mutterer.

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