Der Schultes scheint gar nicht ängstlich, wird doch gleich auch „granatamäßig g’feiert“. Foto: Jeanette Tröger

Ein allerletztes Mal musste sich Bürgermeister Jens Häußler den Hexengeistern geschlagen geben, die ihn in die Narren auf dem Rathausplateau bugsierten.

„Normal reden die Hexengeister, heute auch der Bürgermeister“, reimte der Schultes noch oben am Fenster des Sitzungssaals, aus dem die kostümierte Rathausbesatzung neben Seifenblasen auch allerhand Süßes auf die vielen Kinder regnen ließ. Die Hexengeister hatten da schon über die Leiter den Saal geentert.

 

„Für mich kommt im Dezember das berufliche Ende, am SchmoDo 2027 bin ich bereits in Rente.“ Nach 32 Jahren sei für ihn Schluss „und dies nicht wegen Verdruss“. Er blickte zurück: 1997 kamen die Hexengeister, eine eingeschworene Frauentruppe, das erste Mal. Eine starke Hexe trug ihn damals aus dem Rathaus, und mit vereinten Hexenkräften wurde er im Leiterwagen zum Sportheim hochgezogen. Diese Freude sei ihm ab 1998 versagt worden: „Schultes, des isch uns zu anstrengend, heut musch selber laufe.“

Immer ein Motto mit Format, Stil und Kreativität

Die SchmoDos standen immer unter einem Motto, Häußler ließ einige Revue passieren wie Kreisverkehr, Alternative Energie, Superstar, Apotheke, Karl Lagerfeld, Altersheim oder Fitness. Er dankte den Hexengeistern, die bezüglich der Themen „all die Jahre Format, Stil und Kreativität“ bewiesen hätten. Sie hatten für den Schultes jeweils ein eigens designtes Qutfit dabei, in dem er sich mit den gruseligen Gestalten den Rest des SchmoDos dann durch den Flecken feierte.

Wink mit dem Zaunpfahl

So auch in diesem Jahr, und als Wink der Hexen mit dem Zaunpfahl ließ das Outfit Assoziationen mit einer Schlafmütze durchaus zu. „Nächstes Jahr bist du entspannt und ganz befreit, ganz ohne Paragrafenreiten kannst du durch unser Gechingen schreiten.“ Grillbox – Ja/Nein, Hochwasserschutz –vielleicht, Ortskernbelebung – nicht jetzt, Hallenbad – auf/zu, „das alles entscheidest in Zukunft nicht mehr Du.“ Die Gemeindekasse leer, der Kindergarten immer noch zu, „ich sag’s euch, der neue Bürgermeister kommt nicht so schnell zur Ruh“, wusste die Hexe.

Grandiose Unterstützung

Schultes wie Hexengeister sagten Danke an die närrische Menge, an die Golmer, „die uns durch den Tag tragen mit ihrer einzigartigen Musik und guten Laune“, an die Feuerseehexen und Teufel „für die grandiose Unterstützung“, Bewirtung und Beschallung. Weil Häußler seit seiner Amtseinführung „uns jeden Schmotzigen empfangen, bereitwillig mitgemacht und mitgefeiert“ hat, gab’s einen extra Dank von der Hexengeistersprecherin. „Nimm dein Paragrafenreiterle und zieh noch einmal mit uns durch den Ort, denn gruslig sind die Hexengeister, holen sich zum letzten Mal diesen Bürgermeister.“

Bürgermeisterbüro eingerichtet

Schon im Vorfeld haben die Hexengeister ein Bürgermeisterbüro neben der Boutique aufgebaut. Regale voller Ordner mit Aufschrift „unerledigt“ oder „noch zu bearbeiten“, eine Hexe auf der Mauer, eine am Schreibtisch, auf dem eine Box für Wahlvorschläge steht. Auf der Mauer ein Zettel: „Warnhinweis fürs Kandidiera 2026“ – „Wer do nei goht, macht des uff eig‘ne G’fahr, für Schreibmaschine-Unfäll, Aktenordner-Chaos oder unerwartete Wahlerfolge sind mir Hexengeister net haftbar.“ Und neben dem Schreibtisch ein Foto-Point für potenzielle Kandidaten: „Ha des ko i au“ steht dann auf dem Bewerberfoto.