Haben die zur Abfuhr bereit liegenden Baumstämme eine blaue Markierung erhalten, kann man davon ausgehen, dass sie verkauft sind. Foto: Tröger

Der Zustand des Waldes ist laut Forstexperten allgemein nach wie vor schwierig, der Klimawandel auch hierzulande angekommen. Wie man gegensteuern kann, beschäftigte den Gechinger Gemeinderat, der das Thema teils kontrovers diskutierte.

Mit dem Vollzug des Betriebsplans 2021 für den Wald und der Verabschiedung des Forstbetriebsplans für 2022 hat sich der Gechinger Gemeinderat am Dienstagabend beschäftigt.

Gechingen. Die stellvertretende Abteilungsleiterin Forstbetrieb und Jagd am Landratsamt, Inge Hormel, und Revierleiter Jürgen Martinek stellten die Zahlen und Fakten vor. Hormel machte zunächst deutlich, dass sich die Jahresmitteltemperaturen im Kreis Calw seit den 1960er- Jahren von 7,5 Grad bis auf heute etwa neun Grad mit weiter steigender Tendenz erhöht haben. Die zufällige Holznutzung, ausgelöst durch Stürme, Trockenheit und Insektenbefall, sei bundesweit 2020 13-mal so hoch gewesen wie 2015, was 75 Prozent der Holzernte entspreche. In Gechingen waren es 2020 rund 48 Prozent, 2021 dagegen nur etwa 13 Prozent. Weiter zeigte die Forstfachfrau die verschiedenen Schwerpunkte der unterschiedlichen Funktionen des Waldes wie Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion auf, die in der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes unter einen Hut zu bringen sind.

Deutliches Plus vonrund 117 000 Euro

Der Plan für 2021 sah ein Minus von rund 20 000 Euro vor. Stand Ende Oktober ist bei Einnahmen von rund 230 000 Euro mit einem deutlichen Plus von rund 117 000 Euro zu rechnen. Das resultiert aus den höheren Holzpreisen, die sich seit 2020 quasi verdoppelt haben, wie Hormel in ihrer Präsentation zeigte. Der Einschlag lag mit rund 3400 Festmetern (Fm) rund 300 Fm über dem Plan, davon rund 2600 Fm Nadelholz. "Der Holzabfluss war gut, die Säger schätzen das Gechinger Holz", so Martinek, "wir haben uns in diesem Jahr eine ganz normale, weitgehend planmäßige Holzernte gegönnt."

Nächstes Jahr sollenes 4200 Festmeter sein

Man sei jetzt im ersten Jahr der neuen Forsteinrichtung, die vom Gemeinderat nach einem ausgiebigen Waldbegang mit den Forstverantwortlichen im Juli einstimmig beschlossen worden war. Der Betriebsplan für 2022 sieht einen Einschlag von 4200 Fm vor. Das entspricht genau einem Zehntel dessen, was für die zehnjährige Forsteinrichtung gesamt geplant ist. Man wolle auch im kommenden Jahr vorwiegend Fichten ernten, vor allem auch mit dem Ziel eines künftig klimastabileren Mischwalds. Erträgen (aus dem Holzverkauf 245 000 Euro) von 262 000 Euro stehen Ausgaben in Höhe von 212 000 Euro gegenüber, so dass unter dem Strich ein Plus von rund 50 000 Euro erwartet wird. "Wir haben nicht mit den höchsten Preisen gerechnet", äußerte sich Martinek zum Zahlenwerk für 2022.

Der Zustand im Wald ist allgemein nach wie vor schwierig, wie Hormel in einem Überblick darlegte, der Klimawandel sei angekommen. Allerdings haben die Niederschläge in der diesjährigen Vegetationsperiode für etwas Entspannung gesorgt. "Gechingen ist schon gut aufgestellt, was Mischung und Vielfalt angeht", so die für den östlichen Landkreis Calw zuständige Fachfrau. Die Vielfalt müsse jedoch weiter erhöht werden, um die Wälder auf die Klimaveränderungen vorzubereiten. Das Ziel sind strukturierte, klimastabile und ökologisch hochwertige Mischbestände. Das gehe mit Naturverjüngung, aber auch mit gezielt geplanten Pflanzungen in 2022 von Douglasie (800 Stück laut Wirtschaftsplan), Traubeneiche (2400 Stück) und Elsbeere (1000 Stück).

"Mir persönlich sind die 4200 Fm geplanter Einschlag zu viel", sagte Gerhard Mörk, "warum dieser Riesenschritt von 40 Prozent mehr?" Das sei doch genau der Jahreshiebsatz der beschlossenen Forsteinrichtung, erwiderte Martinek. Damals war beschlossen worden, die Buchen zu halten, sprich nicht zu ernten, dafür die alten, massereichen Fichten und Tannen zu nutzen, "wenn es ein ordentliches Marktgeschehen gibt". Was ja jetzt der Fall ist. Mörk stellte im weiteren Verlauf der Sitzung den Antrag, den Einschlag auf 3800 Fm zu begrenzen, denn "wir haben Wälder, die krank sind, ich möchte, dass wir vorsichtiger sind". Seinem Antrag folgte lediglich Ratskollegin Annette Klink-Stürner, der die 40 Prozent mehr Einschlag ebenfalls deutlich zu viel sind.

Bezug nehmend auf den Antrag des Kollegen fragte Claus Schaible, ob der Fm-Ansatz verträglich sei: "Wieviel Holz wächst pro Jahr nach?". "Der Hiebsatz von 4200 Festmeter bedeutet 8,4 Festmeter pro Hektar pro Jahr. Der Zuwachs im Gemeindewald beläuft sich auf 8,6 Festmeter pro Hektar und Jahr", also ein Plus, so die Antwort von Hormel.

Ob man überhaupt so viele Jungpflanzen wie geplant bekomme, wollte Jürgen Groß wissen. "Es gibt bundesweit einen starken Bedarf, das ist richtig, jedoch kommt der nicht unerwartet", sagte Martinek und nannte die großen Kahlflächen im Sauerland sowie im Harz als Beispiele. Die Pflanzschulen hätten auf den Bedarf reagiert. Man habe langjährige Geschäftsbeziehungen zu Pflanzschulen und bestelle auch rechtzeitig vor. "Ich gehe davon aus, dass wir Pflanzen bekommen, und selbst wenn nicht, rennt uns das nicht davon, wir haben keine Drucksituation, was die Pflanzung angeht." Dann werde sie im nächsten Jahr nachgeholt.

Klaus Böttinger brach zum Schluss der Diskussion "eine Lanze für Herrn Martinek". Er habe ein "unwahrscheinlich gutes Gefühl", wie der Revierleiter im Gechinger Wald agiere. "Wir haben die Forsteinrichtung einstimmig beschlossen und Herr Martinek hat hervorgehoben, dass er eine natürliche Bewirtschaftung macht. Ich bin voll und ganz auf seiner Linie." Ähnlich sah es Jürgen Groß: "Wenn es nur darum ginge, mehr Ertrag zu erwirtschaften, könnte ich Gerhard Mörk zustimmen. Aber wir machen den Mehreinschlag, um einen Wechsel in den Baumarten zu erreichen. Deshalb ist das genau der richtige und zukunftsträchtige Weg."

Den Forstbetriebsplan für 2022 beschloss das Gremium gegen die Stimmen von Mörk und Klink-Stürner.