Gastronomie: Rosario und Tanja Greco finden kein Personal / Gechinger Pizzeria schließt Anfang Juni
Hätte Rosario Greco von Anfang an gewusst, was auf ihn zukommt, hätte er wohl die Finger von der Gastronomie gelassen. Der 44-Jährige ist zwar immer noch mit Leidenschaft bei der Sache, muss jetzt aber wegen Personalmangels kürzer treten und schließt eines seiner zwei Lokale.
Gechingen. Über zu wenig Betrieb in ihrer Pizzeria "Rössle" können der gebürtige Sizilianer und seine Ehefrau Tanja (48) wahrlich nicht klagen. Das Lokal ist weit und breit bekannt für seine Pizzen sowie Pastagerichte und nicht zuletzt seine familiäre Atmosphäre. Wert wird vom Chef des Hauses, der selbst in der Küche steht, auf frische und, wenn möglich, regionale Zutaten, gelegt. Die ganze Woche über ist die Gaststätte in der Regel gut besucht. Gerne wird das Lokal für Festgesellschaften sowie Firmungs- und Kommunionfeiern gebucht.
Reibungsloser Service nicht mehr möglich
Die Grecos sind zufrieden und auch ein Stück weit stolz, dass ihr Angebot bei den Gästen ankommt, denn nicht nur das "Rössle" läuft gut, sondern auch die Sportgaststätte "Neunzehn21", die sie vor etwa zwei Jahren übernommen haben. Wenn es da nur nicht das Problem mit der Personalsuche gäbe. "Jobs in der Gastronomie sind nicht mehr interessant. Wir finden keine Aushilfen mehr. Das ist derzeit das größte Problem in der gesamten Branche", sagt Rosario Greco im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Es sei nicht mehr möglich, in beiden Lokalen einen reibungslosen Service zu gewährleisten, also lege man beide Betriebe zusammen.
Wenn er von 50 Öffnungsstunden pro Woche ausgehe, brauche er allein für den Service in beiden Lokalen mindestens 20 Aushilfen, weil diese nur elf Stunden pro Woche arbeiten dürfen, um die Verdienstgrenze von 450 Euro nicht zu überschreiten. "Wir finden keine Leute mehr, weil keiner mehr diesen Job machen möchte", sagen die Grecos. "Den Menschen hier geht es offenbar zu gut", habe neulich ein Bankmitarbeiter zu ihm gesagt, berichtet der Gastronom. Das heiße in vielen Fällen, dass der Mann bei einer großen Firma am Band stehe und so viel Geld mit nach Hause bringe, dass seine Frau nicht mehr arbeiten müsse. Jüngere Menschen hätten durch ihr Freizeitverhalten schon gar kein Interesse mehr an einem Aushilfsjob in der Gastronomie, weil sie gerade an Wochenenden lieber mit ihren Freunden feiern gehen wollten. Und noch etwas anderes hat Rosario Greco bei dieser Altersgruppe beobachtet: "Junge Menschen wissen heutzutage kaum noch etwas über Lebensmittel, weil sie alles abgenommen bekommen". Das bestätigt Ehefrau Tanja: "Manche wissen nicht mal, wie man eine Zitrone aufschneidet und dass man sie gründlich wäscht, bevor man sie ins Getränk gibt". Mit solchen Aushilfen zusammenzuarbeiten, sei zeitaufwendig und in Stresssituationen, wenn der Laden voll ist, äußerst schwierig.
Doch auch festangestellte Mitarbeiter zu finden, sei alles andere als einfach. Ein Koch fange heute kaum unter 2500 Euro netto an. "Außerdem arbeitet der heute nicht mehr in der Gastronomie, sondern lieber von 6 bis 14 Uhr in einer Kantine und hat dann Feierabend und freie Wochenenden", weiß der Gaststättenbetreiber.
Greco benennt ein weiteres Problem in der Gastronomie: Der Wareneinkauf sei in den vergangenen Jahren wegen Preissteigerungen immer teurer geworden. Er nennt ein Beispiel: Blockkäse, von dem er wöchentlich 70 bis 90 Kilogramm benötige, hätte vor einigen Jahren noch 1,99 Euro netto pro Kilo gekostet, heute seien es 3,99 Euro.
Zum letzten Mal vor vier Jahren im Urlaub
"Wir haben kein Leben mehr als Mensch und als Familie", sagt der 44-Jährige. Das letzte Mal habe er vor vier Jahren Urlaub mit seiner Frau und seinen heute fünf- und zehnjährigen Töchtern gemacht. Er stehe oft von 9.30 bis 1 Uhr für seine beiden Lokale in der Küche. Aufgeräumt und geputzt werde immer gemeinsam. Greco lässt nicht gerne den Chef raushängen: "Ohne meine Mitarbeiter bin ich nichts", sagt er. Derzeit beschäftigt er 23 Aushilfen. Einige davon sind seit Jahren bei ihm beschäftigt und fast schon Familienmitglieder. Für deren Sorgen und Nöte habe er immer ein offenes Ohr. "Mit ihnen verbringe ich schließlich mehr Zeit als mit der eigenen Familie."
"Zurzeit ist es jeden Tag ein neuer Kampf", sagt Ehefrau Tanja. Sie arbeitet einen Tag in der Woche im Service mit und springt dort oft kurzfristig ein, putzt beide Lokale, kümmert sich um die Buch- sowie die Lohnbuchhaltung und mit um die Arbeitszeiterfassung der fast zwei Dutzend Aushilfen. "Das ist eine ganz schöne Zettelwirtschaft", sagt sie. Es bedeute nebenher noch viel Büroarbeit.
Schweren Herzens und nach reiflicher Überlegung hat sich das Ehepaar entschlossen, das "Rössle" zu schließen, auch deshalb, weil die Qualität nicht leiden soll. "Am 3. Juni ist dort unser letzter Abend", kündigen die beiden an. Rosario Greco freut sich nicht nur auf ein entspannteres Arbeiten, sondern vor allem auf eines: "So habe ich mehr Zeit, meine Töchter aufwachsen zu sehen".