Der Krämermarkt war gut besucht, die Gechinger zeigten sich erfreut, dass er stattfinden konnte.Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Corona: Bei Gechinger Krämermarkt herrscht trotz Vorgaben Freude über Kontakt zur Kundschaft vor

Mit zwei gegensätzlichen Begriffen lässt sich die Stimmung unter den Marktbeschickern beim jüngsten Gechinger Krämermarkt auf den Punkt bringen: Dankbarkeit und Katastrophe.

Gechingen. "Wir sind dankbar, dass Gechingen diesen Markt ermöglicht und durchführt", war an jedem Stand, an dem man mit den Händlern sprach, zu hören. Dies bestätigt auch Gudrun Swiderski, bei der Gemeindeverwaltung zuständig für die Organisation des Marktes. Sie hat diese Dankbarkeit schon im Rahmen der Anmeldungen in Telefonaten und aus E-Mails erfahren. Rund 50 Teilnehmer waren es am Ende.

Auch Absagen

Aus dem großen Stamm der Händler, der sich in den Jahrzehnten des Gechinger Krämermarktes bei der Organisatorin angesammelt hat, gab es jedoch auch Absagen, so Swiderski. Diese Marktkaufleute sahen für sich keine rentierliche Teilnahme, vor allem solche, die eine relative lange Anfahrt und entsprechende Kosten haben.

Mit "Katastrophe" werteten die befragten Händler unisono ihre aktuelle wirtschaftliche Lage, bedingt durch die pandemiebedingten vollständigen Absagen vieler Märkte seit März, als der Shutdown griff. Und die kommenden Monate sind ebenso wenig rosig, sind doch auch schon zahlreiche traditionell gut besuchte Weihnachtsmärkte abgesagt.

Berthold Gutheil aus Durlangen ist seit seinem 18. Lebensjahr mit Marken-Textilwaren auf Märkten unterwegs. "In normalen Jahren nehmen wir an rund 100 Märkten teil", erzählt der 60-Jährige. Der Gechinger Markt ist für ihn der dritte seit März. Das bedeutet einen deutlichen Einkommenseinbruch, trotz des Einzelhandelsgeschäfts und eines Onlineshops, die er in Durlangen auch noch betreibt. Nicht nur er ist dankbar, dass in Gechingen Markttag ist, sondern auch eine Stammkundin nach der anderen, die bei ihm Wäsche und Textilien ersteht.

Irmgard Pröbster aus Mössingen und ihr Mann bieten Wäsche sowie Textilien vorwiegend für Damen der älteren Generation an und sind ebenfalls seit vielen Jahren in der Gäugemeinde am Start, heuer ist es ihr erster Markt. Die beiden sind in einem Alter, in dem andere ihren Ruhestand genießen. Sie haben, bedingt durch längere Krankheit, schon mit dem Gedanken ans Aufhören gespielt, wie sie erzählen. Allerdings würde dann auch einiges für den Lebensunterhalt fehlen. Deshalb sind sie sehr froh, in Gechingen auch wieder ihre Stammkunden zu treffen. "Wir machen weiter, so lange wir können", so die beiden, "wir schätzen vor allem auch das Gespräch und die Unterhaltungen mit den Menschen, das brauchen wir genauso wie den Verdienst."

Zum ersten Mal dabei ist ein Händler aus Böblingen, der Spielwaren und Artikel für Kinder im Angebot hat. Die Absage vieler Märkte und auch anderer Veranstaltungen wie Feste bedeuten für ihn einen existenzgefährdenden Einschnitt. Er ist ebenfalls schon im Rentenalter, allerdings fällt seine Rente so mager aus, dass er "weiterarbeiten muss, bis es nicht mehr geht", wie er trocken anmerkt. Jede abgesagte Möglichkeit, mit seinem Marktstand Geld zu verdienen, ist da bitter.

Auch wenn die Rahmenbedingungen durch die Vorgaben der Politik und die daraus folgenden Einschränkungen für ihre Selbstständigkeit für die Markthändler schwierig sind, herrschte bei den allermeisten sichtbare Freude über den Kontakt zur Kundschaft vor. "Die Kunden kommen, weil sie einen Bedarf haben oder weil sie stöbern und sich anregen lassen wollen", war zu hören. Sie sollen Freude und Spaß haben beim Einkauf, sie möchten ernstgenommen werden und wenn es Stammkunden sind, freuen wir uns gemeinsam übers Wiedersehen", waren weitere Aussagen von Händlern. So auch von Lessis Issam an seinem Stand mit Gebrauchsgegenständen, Dekoartikeln und Kunsthandwerk aus Olivenholz. Er kommt aus einer tunesischen Schreinerfamilie und strahlt trotz schwieriger Zeit Optimismus aus.

Die Vielfalt des Angebotes auf dem Fleckenparkplatz, in Haupt- und Kirchstraße bis in die Brunnenstraße und die Metzgergasse ist beein­druckend: eine Fundgrube an Haushaltsartikeln, Kleidung, Schuhe, Gürtel, Wollwaren, Schmuck, Süßigkeiten und Spielwaren, Trockenfrüchte und Gewürze und einigem mehr.

Und da Marktbummel hungrig und durstig macht, war auch dafür bestens vorgesorgt. Selbst einige Kofferraumladungen frisches Brot aus dem Dachtler Backhaus gab es, beim Musikverein. Wem der Sinn nach politischen Diskussionen stand, der wurde am gemeinsamen Stand von Bürgerunion und Freien Wählern sowie bei der Bund-Ortsgruppe fündig.