Christa Essig und Norbert Jensen zeigen stolz ein Gemälde­ vom Gäuort vor dem Zweiten Weltkrieg des ehemaligen Gechinger Arztes und Malers Otto Stein. Es wurde kürzlich dem Gechinger Heimatmuseum aus dessen Nachlass vermacht. Foto: Tröger

Corona: Verordnungen engen Gechinger Arbeitskreis Heimatgeschichte ein / Themen für Museumssonntage 2022 stehen fest

Die beschränkenden und einengenden Auswirkungen der Corona-Verordnungen, die seit mehr als 18 Monate in unterschiedlichen Ausprägungen gelten, fordern nicht nur das prominente Kulturschaffen heraus, sondern wirken sich auch ganz im Kleinen aus, zum Beispiel auf das Heimatmuseum eines Gäudorfes.

Gechingen. Dies wird sehr deutlich im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Heimatgeschichte im Gechinger Schwarzwaldverein und damit Verantwortlichen für das Heimatmuseum Appeleshof, Norbert Jensen. Gemeinsam mit Gründungsmitglied Christa Essig erzählt er, was das Team statt der monatlichen Museumssonntage im vergangenen und auch im laufenden Jahr trotzdem gemacht und erlebt hat.

Zu Beginn zeigen sie stolz zwei Gemälde vom Gäuort vor dem Zweiten Weltkrieg des ehemaligen Gechinger Arztes und Malers Otto Stein, die dessen Sohn kürzlich dem Museum aus dem Nachlass seines Vaters gespendet hat. Otto Stein ging am Kriegsende mit einer weißen Fahne den anrückenden Franzosen entgegen und hat seiner Heimatgemeinde damit sicher tragische Kampfhandlungen erspart.

Trotzdem viel gemeinsam kreativ

"Durch unsere Pläne für das 25-jährige Jubiläum des Heimatmuseums in 2020 hat uns Corona einen dicken Strich gemacht", sagt Jensen, "und da es auch dieses Jahr nicht möglich ist, haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir erst den 30. Geburtstag feiern werden".

Essig und Jensen erzählen, mit welcher Liebe für die Heimatgeschichte die 20 bis 25 Aktiven im Arbeitskreis in der Corona-Zeit trotzdem zusammenarbeiteten und kreativ waren. Und wie im Juni das Brainstorming im ganzen Team für die Ausstellungen und Veranstaltungen des kommenden Jahres begonnen hat. "Wir haben in diesem Jahr drei Ausstellungen im Erdgeschoss des Museums aufgebaut, die von außen zu besichtigen waren", lassen die beiden wissen, dass die Museumstage nicht ersatzlos gestrichen waren. Der Durchgang von der Calwer Straße zur Kirchstraße ist viel begangen und die Fußgänger kommen da an den großen Scheiben des Museums vorbei. "Wir haben jeweils viel positive Resonanz zu den Ausstellungen bekommen. Eine hatte Wäsche zum Thema, eine andere widmete sich der Erzeugung und Lagerung von Lebensmitteln und zuletzt war die Feuerwehr Thema." Jensen und Essig sprechen darüber, dass "die Alten" im Team der Aktiven, wie sie sie liebevoll nennen, irgendwann weniger werden. Und damit auch deren Wissen über die Heimatgeschichte und über all die Schätze, die im Museum zusammengetragen wurden und über die sie bei den Museumssonntagen die Besucher ganz authentisch informieren können. Jensen hat deshalb die Museumsführer zur Sicherung ihres Wissens einzeln auf Video aufgenommen. "Zum Beispiel habe ich Bertele Hennefarth (ihre Nusstorte ist legendär und sehr gefragt bei den offenen Sonntagen) in die Museumsküche gestellt und sie hat erzählt, was es da alles zu sehen gibt." Diese Videos aus den einzelnen Räumen sind überdies ein hilfreiches Lern-Werkzeug für nachfolgende Museumsführer.

Jensen hat viel Zeit damit verbracht, Balken und Treppen im Museum mit Leinöl und Bienenwachs zu behandeln. Ganz fertig ist er damit noch nicht, denn "das Haus ist 250 Jahre alt und irgendwann ist da halt der Wurm drin", dem er so zu Leibe rückt. Eine weitere Arbeit im Hintergrund in der ausstellungslosen Zeit ist die Gestaltung eines neuen Imageprospekts. Außerdem wurde recherchiert zur eigentlichen Bedeutung des Begriffs Appeleshof, der auf eine Apollonia zurückgeht.

Im Hof wird erstmalsein Osterbrunnen stehen

Steht das Programm für 2022 denn schon? "Aber sicher!", betonen beide und wünschen sich natürlich sehr, dass bis dahin alle pandemiebedingten Einschränkungen Geschichte sind. "Im April geht’s los, da wollen wir erstmalig unseren Brunnen im Hof als Osterbrunnen gestalten." Christa Essig, die Norbert Jensen wertschätzend und würdigend die "Graue Eminenz" des Heimatmuseums nennt, berichtet, dass sie schon jetzt mehr als hundert ausgeblasene Eier beim Kochen und Backen fürs Bemalen gesammelt hat.

Patchwork- und Quilt-Handarbeiten soll es im Mai zu sehen geben, im Juni wird der ehemalige Gechinger Hausarzt und "Wetterpapst" Norbert Martini über seine bisher 30-jährigen Wetter-Beobachtungen für den Ort referieren. Im Juli geht es um die Milch, dabei können die Besucher selbst Butter und "Luckeleskäs" herstellen.

"Für die September-Ausstellung sind wir noch arg am Verhandeln", sagt Jensen. Einmal im Jahr stellt sich eine Nachbargemeinde vor, für den September 2022 hat der Arbeitskreis an Merklingen gedacht, denn Gechingen wurde in vorigen Jahrhunderten vom Klosteramt Merklingen, das zum Kloster Herrenalb gehörte, verwaltet. "Damals mussten die Gechinger alle fünf Jahre den Wassergraben rund um die Merklinger Kirchenburg putzen." Im Oktober werden die Puppenstuben-Freunde auf ihre Kosten kommen und zur Weihnachtsausstellung soll im Erdgeschoss eine Spur 0-Modelleisenbahn aufgebaut werden.