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Gechingen Auch die Kinder sind im Publikum dabei

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Thomas Schreckenberger begeistert in Gechingen. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Ausgerechnet in Gechingen aufzutreten, ist für Kabarettist Thomas Schreckenberger schon was Besonderes. Das hier ist sein Heimatort, hier wohnt er – im Publikum sitzen Freunde, Nachbarn. Heute auch die Familie. Und über die und mit ihnen macht er so gerne seine Scherze.

Gechingen. Gechingens Gemeindehalle ist an diesem Abend voll besetzt. Alle sind da – vom Bürgermeister bis zum hiesigen Landtagsabgeordneten. Mit der großen Wand in oranger Wischoptik, dem Terrassen-Stehtisch als einziger Bühnen-Deko und dem improvisierten Bar-Bereich der Sportfreunde Gechingen im hinteren Teil des Saals hat die Atmosphäre etwas von privatem Partykeller. Ein besonders großer Partykeller – mehr als 250 Besucher sorgen für ordentlich Stimmung. Und ordentlich Erwartungsdruck.

Aber dem ist Voll-Kabarett-Profi Thomas Schreckenberger gewachsen. Ein erster Blick in die Runde – "bis Reihe vier, fünf kann ich die Leute gut erkennen", erzählt Schreckenberger später. Alles bekannte Gesichter. Gechingens Bürgermeister zum Beispiel. Ein paar Gags über die ewige Geschichte Hochwasserschutz im Ort ist Pflicht. "Der wird kommen", verkündet Schreckenberger mit stolzer Stimme. "Spätestens bis zum Jahr 2050." Der erste krachende Lacher im Saal. "Nee, war ’n Scherz!", legt der Meister der Pointen-Doppelungen nach: "So schnell geht das nicht!" Und die Gemeindehalle tobt das erste Mal an diesem Abend. Ob der Schultes nicht auf die Bühne möchte, alle Fragen zum Thema beantworten. Der winkt ab: "Das ist Ihre Show." Na, dann werde der Bürgermeister halt später hinten an der Bar für Fragen der Bürger zur Verfügung stehen. Oh ja, Schreckenberger ist auch an diesem Abend am besten, wenn er richtig böse ist.

Zum zweiten Mal (überhaupt) sind heute auch Schreckenbergers drei Kinder im Publikum. Dürfen den Papa mal bei der Arbeit besuchen. Nicht so ganz unheikel – gerade bei dem ebay-Gag: Schreckenberger echauffiert sich über Eltern, die jeden Pups ihrer Kinder samt Bilder ins Internet posten. Würd’ er nie machen. Nur einmal sei er in Versuchung geraten. Eben "bei ebay".

Der Lacher sitzt – wie immer. Aber diesmal geht ein schon auch echt ängstlicher Blick Schreckenbergers nach rechts in die erste Reihe: Da sitzen Ehefrau und die drei Kids, um die es gerade ging. "Ist ’n Spaß", versucht der Papa von der Bühne aus zu erklären. "Wird ein harter Tag morgen", schiebt der Papa – wieder ans sonstige Publikum gewandt – noch nach. "Da muss ich das alles erklären."

Die nächste Falle in Sachen Familie lauert aber bereits bei der nächsten Nummer. AfD-Gauland bei Tinder – "liebt Weltkriege und Dackel-Krawatten." Aber: "Ließe der sich eigentlich nach links wegwischen!?" Wobei – Partner-App Tinder: "Kenn’ ich natürlich nur vom Hörensagen", erläutert Schreckenberger mit treuherzigen Augenaufschlag erneut einen – wirklich gespielt? – ängstlichen Blick auf seine Frau und Familie. "Ich komm in Teufels Küche", sein scheuer, abgründiger Kommentar. Wahrlich, solche Schreckenberger-Pointen dürfte es nur hier in Gechingen geben. Und sein Nachbarschafts-Publikum liebt ihn dafür.

Zuschauer bekommen Muskelkater vom Lachen

"Ich hab’ Muskelkater vom Lachen", entfährt es einer Dame atemlos ein, zwei Reihen hinter einem. Dabei ist man noch nicht mal bei der Halbzeit des mehr als zweistündigen Programms angekommen "Der ist einfach genial", gluckst ein Sitznachbar. Wobei sich sein lautes Lacher quasi überschlägt: Man hat die Wirkung der einen Pointe auf die eigenen Lachmuskeln noch nicht ganz abgearbeitet, da folgen schon die nächsten im Sekunden-Takt. Das treibt kein anderer Kabarettist, kein anderer Comedian zu dieser Perfektion: die Schraube des (besonders bösen) Aberwitzes immer noch eine Drehung fester anzuziehen.

Beispiel: Die Polizei habe Islamisten festgenommen, die einen Anschlag geplant hätten. Aber das mit dem Bombenbauen habe nicht so geklappt – weshalb sie eine Waffen kaufen wollte. Aber die sei Ihnen zu teuer gewesen. Der erste Lacher bei dieser absurden Vorstellung. Der Nachschlag à la Schreckenberger: "Schwaben und Islamist geht nun mal nicht." Und der Meister legt immer noch zwei, drei weitere Überhöhungen seiner Gags nach.

Bis zum ultimativen Höhepunkt für alle Schreckenberger-Fans – und hier ist ’ne ganz Halle, ganzer riesen Partykeller voll davon: der Geist von Klaus Kinski befällt Kanzlerin Merkel. Eine Nummer aus Schreckenbergers letztem Programm – ja. Also eine Wiederholung. Aber sie ist nun mal genial – als Idee, aber vor allem in der Ausführung: "Annegret, ich bin so wild nach deinem Gugelhupf." Diesmal als Zugabe gespielt. Die Gechinger toben, trampeln, applaudieren sich die Finger wund. Und bedanken sich später beim Rausgehen bei ihrem "Thomas". Für den genialen Abend. Für diesen ganz eigenen Spaß – nur für sie.

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