Franz Pitzal (von links), Georg Schwarz, Jörg Schaber, Sunni Kumar Singh, Hermann Schaber und Dieter Groß bei den Feierlichkeiten rund um das Heiligenbild Foto: Roland Stöß

Im Gebäude, wo einst Hermann Hesse das Licht der Welt erblickte, gibt es eine neue Attraktion: eine Ikone, die einen besonderen Platz in Calw erhalten hat.

Reisende und Einheimische Welt kennen das Haus der Calwer Kaufmannsfamilie Schaber. Ist es doch das Geburtshaus des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse, das Anziehungspunkt für Menschen aus aller Herren Länder ist.

 

Nun ist das Gebäude am Marktplatz nochmals um eine Sehenswürdigkeit reicher – ein Heiligenbild in einer Wand, die aus Steinen des Hirsauer Klosters besteht.

Hausherr Hermann Schaber weiß um die Bedeutung dessen, was vom Stuttgarter Künstler Dieter Groß geschaffen und von den Geistlichen der katholischen und evangelischen Kirchen gesegnet wurde: „Es handelt sich um ein weltweit einzigartiges Unikat der Geschichte.“ In seinen Begrüßungsworten wies Schaber auf die Konfession überschneidende Bedeutung des geschichtsträchtigen Ereignisses hin.

Segnung des Kunstwerkes

So fanden sich neben dem katholischen Pater Sunil Kumar Singh (Seelsorgeeinheit Calw/ Bad Liebenzell) Pfarrer Jörg Schaber (evangelische Kirchengemeinde im Heckengäu) sowie Georg Schwarz (evangelischer Pfarrer der Stadtkirche St. Peter und Paul) ein, um der Segnung des Kunstwerkes durch Franz Pitzal, einen katholischen Pfarrer und Autor von christlichen Büchern, beizuwohnen.

Pitzal studierte in Tübingen, während Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., dort einen Lehrstuhl innehatte. Pitzal hatte somit viel mit dem späteren Papst zu tun.

Mauer im Jahr 1994 freigelegt

Musikalisch sanft untermalt von gregorianischen Gesängen, trat Hermann Schaber gemeinsam mit seinen Gästen eine Gedankenreise zurück in die vergangenen tausend Jahre an, um die geschichtliche Bedeutung dieses Ereignisses zu würdigen. Im Jahr 1994 wurde beim Umbau des Geschäftshauses eine Mauer freigelegt, von deren Existenz man bis dato nichts wusste.

Diskussionen innerhalb der Familie Schaber mündeten in dem Ergebnis, die Mauer restaurieren zu lassen. Denn es wurde deutlich, dass es sich um eine Mauer mit einer 950-jährigen Geschichte handelt; alles Reste aus der zerstörten Basilika minor des Klosters Hirsau. Nach der Zerstörung des Klosters durch General Melac war es Christoph Mayer, dem es erlaubt war, diese Mauern hier zu verbauen und somit zu retten. Dies geschah im Jahr 1698.

Vom Sandkorn zum Stein

Der Hirsauer Kloster-Kenner Klaus Peter Hartmann wandte sich der Frage „Was würden die Steine sagen, wenn sie sprechen könnten?“ zu. Aus der Sicht eines erzählenden Steines regte Hartmann die Fantasie der Zuhörer an.

Sein Exkurs erstreckte sich vom Dasein als Sandkorn (vor 250 Millionen Jahren) bis zur Verwendung als Buntsandstein im Kloster Hirsau. Dieser wurde vor tausend Jahren von klugen und findigen Baumeistern in strapaziöser Mühe aus den Steinbrüchen des Hirsauer Tälesbaches gefördert.

Heute sagt man „handmade“, wie damals das „Peter-und-Paul Kloster mit seiner beeindruckenden Basilika“ erschaffen wurde. Hartmann wies auf die herausragende Bedeutung der Klöster Hirsau und Cluny zur damaligen Zeit hin. Immerhin war es Papst Gregor VII, der den Ort zur Basilika minor (Ehrentitel, den nur der Papst verleiht) erhoben und am 2. Mai 1091 von Abt Wilhelm den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht hat.

Stuttgarter Maler schafft Unikat

So war es für Hermann Schaber eine logische Folge, die Mauer, also als dieser Teil der Basilika, ebenfalls weihen zu lassen, da dies „der Tradition und der Wertschätzung entspricht“.

Pfarrer Franz Pitzal hatte die Idee, eine Ikone zu installieren. Dieses Heiligenbild wurde durch den Stuttgarter Kunstprofessor, Zeichner und Maler Dieter Groß geschaffen. Groß erläuterte anhand mehrerer Entwürfe, was sich hinter den Darstellungen der Apostel Petrus und Paulus verbirgt. Er beschrieb den Entstehungsweg des Bildes bis zur endgültigen Fassung, die zu den Öffnungszeiten des Modehauses Schaber (Eingang Marktplatz) Interessierten zugänglich ist und besichtigt werden kann.