Das landkreisweite Hebammen-Netzwerk feiert einen runden Geburtstag. Der intensive Austausch soll jetzt wieder verstärkt werden.
„Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und die Stillzeit sind besondere Abschnitte im Leben einer Frau, die mit körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen einhergehen. In dieser Phase ist eine einfühlsame und professionelle Betreuung durch eine Fachfrau hilfreich.“ Mit diesen Worten stellt sich das landkreisweite Hebammen-Netzwerk Lörrach auf seiner Homepage vor. Der gemeinnützige Verein wurde 2015 von freiberuflichen Hebammen ins Leben gerufen. Der zehnte Geburtstag wurde am Freitag in der Kirche im Quadrat gefeiert.
„Zusammenkommen ist ein Anfang, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg.“ Auf dieses Motto des Abends wies Anna Selinger, Vorsitzende des Netzwerks, zur Begrüßung hin. Denn dieser Erfolg ist dem Zusammenschluss von Einzelunternehmerinnen in den zehn Jahren seit der Gründung des Netzwerks offenbar gut gelungen.
Es war ein Neustart, nachdem in der Vorgängerorganisation keine Nachfolgerin gefunden wurde. Seither hatte das Hebammen-Netzwerk immer um die 40 Mitglieder. Zwei Frauen hätten sich jüngst in den Ruhestand verabschiedet, dafür seien zwei junge Kolleginnen dazu gekommen, wie Selinger berichtete.
Netzwerk will Austausch und Zusammenkünfte intensivieren
Wie wichtig der persönliche Austausch, die Fortbildungen und Versammlungen sind, sei in der Corona-Zeit deutlich geworden, führte die Vorsitzende weiter aus. Solche Zusammenkünfte will das Netzwerk nun wieder intensivieren. Und so stand auch die Zehn-Jahres-Feier ganz im Zeichen des Austauschs – nicht nur untereinander, sondern auch mit wichtigen Partnern wie den Wohlfahrtsverbänden, der Geburtsklinik und den Ansprechpartnern beim Landratsamt. Für neue diskussionswürdige Ideen stand ein Flipchart bereit. Diese ließen sich alternativ auch gut beim Apéro oder am Buffet austauschen. Ganz bewusst ließ der Abend viel Platz für Gespräche.
Aufbau einer starken Gemeinschaft
In Vertretung der Landrätin überbrachte Gerhard Rasch, Fachbereichsleiter Jugend & Familie, die Grüße des Landkreises. Rasch lobte den Aufbau einer starken Gemeinschaft, um den Herausforderungen des Berufs, beispielsweise bei der Haftpflichtversicherung, besser begegnen zu können. Aus eigener Erfahrung konnte der Vater berichten, wie wichtig eine pragmatische und empathische Begleitung der Familien in der oftmals schwierigen und intimen Phase rund um die Geburt sei. „Als ersten Menschen hat mein Sohn eine Hebamme zu Gesicht bekommen“, bemerkte Rasch. „Sie begleiten dieses Wunder tagtäglich.“
Chefarzt lobt Hebammen
Michael Bohlmann, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe bei den Kliniken im Landkreis, hört schonmal öfter, dass eine Schwangere keine Hebamme gefunden hat. Er bedankte sich deshalb bei den anwesenden Geburtshelferinnen dafür, dass sie die Fahne hochhalten und dafür sorgen, dass es den Frauen gut geht - vor, während und nach der Geburt. Über die Veränderungen, die mit dem Umzug ins Dreiland-Klinikum einhergehen, will er das Netzwerk gerne weiter auf dem Laufenden halten. Denn einige der Mitglieder arbeiten in Teilzeit bei den Kliniken. „Die mit dem Umzug ins Zentralklinikum verbundenen Veränderungen sind für uns noch ein großes Fragezeichen“, hatte Selinger zuvor erklärt.
Kostenlose Hilfe
Netzwerk-Sprecherin Claudia Voitl ist eine der wenigen Familienhebammen im Landkreis. Diese kostenlose Hilfe kann auf dem Landratsamt bei der Fachstelle Frühe Hilfen beantragt werden. Familienhebammen unterstützen werdende Eltern und Familien mit Kindern bis zu drei Jahren - insbesondere dann, wenn der neue Familienalltag mit Unsicherheiten oder Belastungen einhergeht.
Hebammen hätten keine Lobby bedauert Voitl. Denn sie würden immer nur sehr punktuell gebraucht und danach wieder in Vergessenheit geraten. Mehr Unterstützung würde sie sich beispielsweise von der älteren Generation wünschen, die doch eigentlich auch ein Interesse daran haben müsste, dass ihre Enkelkinder gut versorgt auf der Welt begrüßt werden. „Für uns ist das eine Berufung, sonst würden wir das nicht machen“, betont sie. Auch weist Voitl darauf hin, dass der neue Hebammenhilfevertrag, der die Arbeitsbedingungen von rund 19.000 freiberuflichen Hebammen in Deutschland regelt, insbesondere für Beleghebammen, die die Geburtshilfe in Kliniken sicherstellen, deutliche Nachteile mit sich bringt.
Annika Lohse, zweite Vorsitzende im Verein, gehört zu den wenigen Hebammen, die noch Hausgeburten anbieten. Vier Betreuungen pro Monat nehme sie an, erklärt sie im Gespräch. Nicht immer läuft alles nach Plan, so dass sie kürzlich in einem Monat gleich sechs Hausgeburten hatte, wie sie lachend berichtet. Für sie haben sich die Bedingungen ein wenig verbessert: Denn mittlerweile wird ein Sicherstellungszuschlag gezahlt, um die steigenden Kosten der Berufshaftpflichtversicherung zu kompensieren, die für freiberuflich in der Geburtshilfe tätige Hebammen obligatorisch ist.