Freuen sich über das letzte Baby des Herrenberger Krankenhauses (von links): Ines Vogel (Chefärztin der Frauenheilkunde und Geburtshilfe), Familie Beslmeisl mit dem neuen Familienmitglied Hannes, Jadranka Grgic (Pflegedienstleitung), Gabriela Kosch (Leitende Hebamme Kreißsaal), Simone Kern (Direktorin für ambulante Medizin/Krankenhausdirektorin Herrenberg) Foto: Klinikverbund Südwest

Nach Jahrzehnten schließt die Geburtshilfe in Herrenberg mit einem historischen letzten Baby. Nur Stunden später gibt es in Nagold ein erstes – ein Neustart für die Region.

Als die kleine  Alina am Abend des 21. Dezembers 2024 um 20.15 Uhr das Licht der Welt erblickt, ist ein historischer Moment gekommen. Sie ist das letzte Kind, das im Kreißsaal des alten Calwer Krankenhauses geboren wird.

 

Dass es eines Tages so weit kommen würde, das hatte sich bereits rund eineinhalb Jahre zuvor angekündigt.

Widerstand ist groß – Entscheidung fällt dennoch

Im Sommer 2023 stellte der Klinikverbund Südwest erstmals seine Pläne für die Medizinkonzeption 2030 vor. Einer der wichtigsten Punkte: die Verlegung der Geburtshilfe von Calw nach Nagold, wo die Abteilung mit der Geburtshilfe Herrenberg verschmelzen soll.

Der Widerstand aus Calw ist seinerzeit groß. Im März 2024 fällt die Entscheidung dennoch.

Umweg über Herrenberg

Ein halbes Jahr später dann eine überraschende Wendung: Geburtshilfe und Gynäkologie, so heißt es im Herbst 2024, ziehen zunächst von Calw nach Herrenberg und erst später nach Nagold.

Die Gründe sind simpel: Die Räume für die Geburtshilfe in Nagold werden nicht rechtzeitig fertig. Ein Provisorium in Nagold wird aus finanziellen und medizinischen Gründen verworfen.

Und Herrenberg hat Kapazität, um Calw aufzunehmen. Die Abteilung war einst für Zeiten konzipiert worden, als es noch mehr Geburten gab. Zum 1. Januar 2025 ist alles erledigt.

Der Umzug von Herrenberg nach Nagold wiederum wird zunächst für den Jahreswechsel 2025/2026 angekündigt; letztlich wird es jedoch Mai 2026.

Inzwischen ist der Wechsel gemeistert – begleitet von hochemotionalen Momenten. Denn am 6. Mai 2026, so heißt es in einer Mitteilung des Klinikverbunds Südwest, verabschiedet sich die Herrenberger Geburtshilfe nach Jahrzehnten mit einem letzten ersten Schrei: Um 8.42 Uhr kommt der kleine Hannes mit 4170 Gramm und 56 Zentimetern als letztes Baby im Herrenberger Kreißsaal zur Welt.

Fast 50.000 Kinder, genauer gesagt 47.820 Babys, erblickten damit seit Bestehen der Geburtshilfe in Herrenberg das Licht der Welt. Für viele Menschen in der Region bleibe der Standort deshalb eng mit einem der prägendsten Momente ihres Lebens verbunden.

Für die junge Familie von Baby Hannes scheint sich mit dessen Geburt übrigens eine besondere Tradition entwickelt zu haben.

Denn Hannes ist nicht das erste Familienmitglied, das als „letztes Baby“ eines Kreißsaals geboren wurde. Bereits die Mutter sowie der Bruder der frisch gebackenen Mama kamen jeweils als letzte Kinder zur Welt, bevor auch ihre damaligen Geburtsstätten geschlossen wurden, berichtet der Klinikverbund.

Bereits Leben eingekehrt

Mit der letzten Geburt endet in Herrenberg eine lange und traditionsreiche Geschichte der Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Mit dem Umzug gehe jedoch weit mehr als nur ein Standortwechsel einher, heißt es seitens des Klinikverbunds.

Vielmehr werde ein gewachsenes und bewährtes Konzept an neuer Stelle fortgeführt. Nahezu das gesamte Team aus Herrenberg wechsele geschlossen nach Nagold. Damit blieben nicht nur wertvolle Erfahrung und eingespielte Abläufe erhalten, sondern auch eine Form der Betreuung, die viele Familien seit Jahren schätzten und mit Vertrauen verbinden würden.

In Nagold ist indes bereits schon Leben eingekehrt. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Nur wenige Stunden nach dem Umzug aus Herrenberg erblickt am 7. Mai die kleine Maja als erstes Baby seit 2013 in einer Nagolder Geburtshilfe das Licht der Welt.