Die Gebühren für Erdbestattungen und Urnenbeisetzungen steigen. Kindergräber sind indes künftig gebührenfrei. Foto: Mylene2401 Foto:  

Der Bad Bellinger Gemeinderat hat eine Neufassung der Gebührensatzung beschlossen. Grund ist eine massive Preiserhöhung des externen Dienstleisters für Friedhofspflege.

Erst vor rund einem Jahr hat die Gemeinde Bad Bellingen die Gebühren im Bestattungswesen deutlich erhöht. Jetzt wurde erneut an der Kostenschraube gedreht.

 

Der Grund ist: Der externe Dienstleister für Friedhofspflege hat die Preise zwischenzeitlich „kräftig erhöht“, wie die Verwaltung in der Sitzung mitteilte. Um weiterhin dem angestrebten Kostendeckungsgrad von 50 Prozent gerecht zu werden, müsse die Satzung deshalb überarbeitet beziehungsweise die Gebühren entsprechend erhöht werden, erläuterte Hauptamtsleiter Niklas Grießhammer.

Basierend auf den neuen Preisen des Dienstleisters habe die Firma Allevo die Kalkulation aus dem vergangenen Jahr überarbeitet, berichtete der Hauptamtsleiter. Das Ergebnis: Bei den sogenannten Benutzungsgebühren gibt es teils deutliche Kostensteigerungen.

Gebühr praktisch verdoppelt

So wird die Gebühr für die Erdbestattung von Personen ab zehn Jahren praktisch verdoppelt: von 660 auf 1300 Euro. Vor der Erhöhung im vergangenen Jahr wurden hier gerade einmal 470 Euro berechnet. Eine klassische Erdbestattung im Reihengrab kostet nun rund 3590 Euro statt bislang 2900 Euro.

Deutlich teurer werden auch Urnenbeisetzungen – hier steigt die Gebühr von 320 auf 500 Euro. Die Beisetzung in einem Urnenwahlgrab kostet nun 2490 Euro (bisher 2310 Euro).

Der Bad Bellinger Friedhof bei der Kirche St. Leodegar

Eine gewisse Entlastung bringt indes eine Änderung bei den Sargträgern mit sich: Bisher wurde hier eine Pauschale erhoben (390 Euro). Mit der neuen Satzung werden die Sargträger nun einzeln pro Person abgerechnet (110 Euro). Da im Schnitt nur 1,6 Träger gebraucht werden, sparen Familien an dieser Stelle.

„Unverschämt“ und „nicht nachvollziehbar“

Die Erhöhung der Bestattungsgebühren stieß den Gemeinderäten sauer auf, es gab einiges an Kritik am Dienstleister. Als „unverschämt“ kommentierte Gerd Henn (Freie Wähler) die gestiegenen Preise. „Gibt’s da keinen alternativen Anbieter?“ wollten er und andere Ratsmitglieder wissen. Solche massiven Preiserhöhungen seien für ihn nicht nachvollziehbar und „vollkommen unverständlich“. Auch Danny Koch (CDU) votierte dafür, sich nach alternativen Anbietern umzusehen.

Höhere Personalkosten ein Grund

Laut Verwaltung begründet der Dienstleister die enormen Preissprünge unter anderem mit höheren Personalkosten. Angeführt habe er zudem, dass für die Aushebung eines Grabes eine besondere Ausstattung benötigt würde – spezielle Bagger –, bei der die Servicekosten sehr hoch seien.

Es sei ein „gewaltiges Stück“, dass die Gebühren so dramatisch steigen, befand Marco Maier (SPD) in der Sitzung.

„Die Eltern leiden schon genug“

Der Fraktion lag indes vor allem ein Punkt besonders am Herzen: Die SPD-Vertreter setzten sich dafür ein, dass die Gebühren für die Bestattung von Tot- oder Fehlgeburten sowie für die Bestattung von Kindern unter zehn Jahren komplett gestrichen werden. Angesichts des höchst sensiblen Themas meinte Maier: „Die Eltern leiden ohnehin schon genug.“ Im Namen seiner Fraktion plädierte er mit Nachdruck dafür, diesen Posten zu streichen.

Keine Gebühr bei Kindergräbern

Den Antrag unterstützte auch CDU-Fraktionsvorsitzende Monika Morath ausdrücklich. Dem Vorschlag folgten schließlich auch die Verwaltung und das gesamte Gremium. Die neue Kalkulation hatte hier eine Gebührenerhöhung von 430 auf 440 Euro vorgesehen.

Der Gemeinderat hat die neue Satzung mit den entsprechenden Änderungen einstimmig beschlossen. Die Verwaltung wurde zudem beauftragt, regelmäßig zu überprüfen, ob ein günstigerer Dienstleister die Aufträge übernehmen kann.