Nach dem verheerenden Brand und zwei Tagen Löscheinsatz ist vom Mehrfamilienhaus in der Oberndorfer Sulzbachstraße nur noch eine Ruine übrig. Die Bewohner stehen vor dem Nichts und wenden sich verzweifelt mit Spendenaufrufen an die Bürger.
Die schreckliche Nachricht ereilte Julia Eisfeld und ihren Verlobten Furkan, als sie beim Geburtsvorbereitungskurs waren: Ihre Wohnung im Dachgeschoss steht in Flammen. Nun ist alles zerstört. So wie den beiden geht es auch den anderen Familien, die das Gebäude in der Sulzbachstraße bewohnt haben. Auf auf der Website gofundme.com gibt es unterdessen mehrere Spendenaufrufe für die Opfer der Brandkatastrophe in der Talstadt.
Familie braucht Hilfe
Auch Nadine Zito, Enrico Fois, in Oberndorf bekannt durch die Pizzeria „Quattro Mori“, die sie bis Sommer in der Oberstadt betrieben haben, und die drei gemeinsamen Kinder sind von dem Unglück betroffen. „Wir haben alles verloren. Wir sind vor Kurzem in dieses Haus eingezogen. Das hat uns viel Geld und viel Kraft gekostet. Jetzt stehen wir vor dem Nichts“, schreiben sie auf der Spenden-Website.
„Jede noch so kleine Spende kann uns helfen, unser Leben wieder aufzubauen“, bitten sie um Unterstützung. Bis Donnerstagvormittag sind fast 4000 Euro an Spenden eingegangen.
Sammlung für Verletzten
Carina Schittenhelm hat derweil auf gofundme.de einen Aufruf für ihren Kollegen Martin gestartet. Er habe sich beim Versuch, den Brand zu löschen, verletzt und wurde in ein Krankenhaus geflogen, schreibt sie.
„Damit er sich voll auf seine Genesung konzentrieren kann, möchten wir ihm diese Sorge etwas nehmen und ihn bei der Wiederbeschaffung von notwendigen Dingen unterstützen, damit er schnellstmöglich den Weg zurück zur Normalität finden kann“. Knapp über 1000 Euro wurden bereits gesammelt.
Hündin konnte gerettet werden
Für die in der 35. Woche schwangere Julia Eisfeld, die die „Paradox“-Bar im Bahnhof betreibt, und ihren Verlobten sind sogar schon mehr als 14 000 Euro zusammengekommen.
Ihre geliebte Hundedame Mischa, die sich bei Ausbruch des Feuers in der Wohnung befand, habe glücklicherweise rechtzeitig gerettet werden können – dafür sei man der Feuerwehr sehr dankbar.
Aber: „Alles, was wir hatten, ist komplett zerstört, unsere Möbel, Kleidung, die Babysachen für unser kleines Wunder und all unsere Erinnerungen sind verbrannt“.
Der Zuspruch war immerhin enorm: Bereits am zweiten Tag nach dem Brand ist so viel Babybekleidung gespendet worden, dass die junge Familie sich darum nicht mehr sorgen muss. In dieser schwierigen Zeit habe die Stadt zudem die Unterbringung in einem Hotel möglich gemacht, diese Hilfe werde aber nicht von Dauer sein, meint Eisfeld. „Danach müssen wir uns wieder alleine zurechtfinden“. Wer nicht spenden wolle, könne auch mit einem Besuch in der „Paradox Lounge“ helfen, heißt es weiter, und für die bisher eingelaufenen Spenden sei man sehr dankbar, teilt das Paar mit.
Das ist passiert
Der Brand war am Dienstagabend ausgebrochen. Die Löscharbeiten zogen sich bis in den Mittwoch. Die Brandursache ist noch unklar, die Kriminalpolizei ermittelt.
Am Mittwochnachmittag schien das Feuer vollständig gelöscht, doch ein Glutnest entzündete sich erneut und machte einen weiteren Löscheinsatz nötig.
Von der Drehleiter aus und per Drohne wurde am Mittwochabend das durch den Brand inzwischen geöffnete Dachgeschoss beobachtet und untersucht. Um 20.40 Uhr dann die Entscheidung: Das Gebäude muss teilweise abgetragen werden.
Noch vor Mitternacht rückte der Bagger an. Zuvor hatten Mitarbeiter der Netze BW die Stromleitungen kappen müssen, um die Zugbelastung auf die Dachständer der Nachbarhäuser zu nehmen. Dann wurde ein Teil des Daches abgetragen.
Stabilität wird überwacht
„Der Aufwand war nicht ohne“, berichtet Stadtbrandmeister Manuel Suhr am Donnerstagvormittag. Das THW war am Einsatz beteiligt, um die Stabilität der südlichen Giebelwand zu überwachen – zum einen aus Sicherheitsgründen, zum anderen um so viel wie möglich an Baustruktur zu erhalten, was nicht zuletzt der Ermittlung der Brandursache zugute kommen kann.
Das bedeutet aber auch: Weil zunächst nicht komplett abgelöscht werden kann, bleiben Brandlasten und mögliche Entzündugsherde bestehen.
Die Arbeiten zogen sich bis Donnerstagvormittag. Kurz nach zehn Uhr beendete Suhr den Einsatz. Ab 10.15 war auch die Durchfahrt durch den untersten Teil der Talstraße wieder möglich. Die Feuerwehr hatte in diesem Bereich nach dem ersten Einsatz bis in den frühen Mittwochnachmittag und dann ab Mittwochnacht wieder ihr Lage-, Versorgungs- und Materialzentrum eingerichtet.
Das Gebäude blieb allerdings unter Beobachtung, denn immer wieder züngelten aus dem Brandschutt und verkohltem Holzwerk kleine Feuer.