Das ehemalige Rathaus Schömberg mit dem Dachreiter, der nun eine Debatte im Gemeinderat auslöste. Foto: Butz

Der Dachreiter des alten Schömberger Rathauses sorgt für Diskussionen: Während die Rathausuhr ins neue Gebäude übernommen wird, ist die Zukunft des markanten Turmaufsatzes offen.

Er war einst der höchste Punkt des wohl wichtigsten Gebäudes der Stauseestadt: Der Dachreiter des ehemaligen Schömberger Rathauses beschäftigte die Ratsmitglieder bei der Sitzung am Mittwochabend. Ursprünglich sei laut Bauamtsleiterin Sabine Neumann geplant gewesen, sowohl die Rathausuhr als auch den Dachreiter beim neuen Rathaus wiederzuverwenden, doch der Siegerentwurf des Büros „HaasCookZemmrich“ sieht lediglich die Nutzung der alten Rathausuhr am Gebäude vor.​

 

Aufgrund der Dachkonstruktion des neuen Rathauses und der höheren Firstlinie, die die des alten Rathauses um mehrere Meter überragt, wäre für den Dachreiter allenfalls eine separate Aufstellung, etwa auf den gegenüberliegenden Grünflächen, möglich gewesen. Dadurch hätte er jedoch deutlich an städtebaulicher Wirkung verloren, so Neumann. Alternativ könne der Dachreiter auch aufbewahrt und gegebenenfalls renoviert werden, etwa, um ihn auf Spielplätzen wieder aufzubauen. Die Kosten für die Restaurierung des alten Rathausturms und des Dachreiters belaufen sich nach aktueller Kostenaufstellung auf rund 35.200 Euro.

„Starke Identifikation“

„Eine Restaurierung für diese Summe sehe ich nicht. Vielleicht gelingt es uns, das Türmchen viel günstiger und viel größer nachzubauen“, bemerkte Ratsmitglied Daniel Saffrin. „Wenn wir dieses Türmchen in Aluminium bauen könnten, dann wäre es leichter und wir könnten eventuell im Hinblick auf die generelle Statik des Gebäudes Geld einsparen“, schlug Roland Wuhrer in die gleiche Kerbe. „Es tut schon sehr weh, dass wir den Dachfirst nicht mehr so platzieren können, wie er vorher war, denn dieser hat schon eine starke Identifikation mit sich gebracht, die es mit dem alten Turm sicherlich nicht geben wird“, bedauerte Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger.

„Zweifelsohne identifiziert sich die Bevölkerung mit diesem Türmchen, aber der Architekt hat sicherlich bewusst auf dieses verzichtet. Was wäre beispielsweise, wenn durch dieses Wasser ins Gebäude eintreten würde? Für so etwas würde kein Architekt die Haftung übernehmen“, bemerkte Ratsmitglied Heiko Gerstenberger.

Die Entscheidung

„Das ist zwar eher unwahrscheinlich, aber wir wären dann die Deppen“, pflichtete Wuhrer bei. Und: „Wer soll das Türmchen anschauen und pflegen?“, warf Werner Scherrmann in den Raum. „Ich bin ein großer Freund, historische Wahrzeichen zu erhalten, aber die Kosten sind zu hoch“, so Andreas Sauters Überzeugung. „Das Türmchen ist nicht umsonst nicht explizit in der Ausschreibung berücksichtigt worden“, merkte Sven Kuhnert an.

Anders sah es hingegen Marc-Oliver Schwarz. „Der Dachreiter ist ein Markenzeichen von Schömberg und ein echtes Vorzeigeobjekt. Es ist der Bürgerwille, diesen zu erhalten. Diesen Tenor habe ich in Gesprächen bekommen. Wir haben uns ohnehin entschieden, mit dem Türmchen ins Rennen zu gehen. Ich hätte sogar einen anderen Entwurf bevorzugt, bei dem dieses noch besser herausgehoben worden wäre.“ Nach dieser zwar lebhaften, aber auch sehr sachlich geführten Diskussion im Rahmen der Schömberger Gemeinderatssitzung am Mittwoch, in der sich zeigte, dass sich nicht alle Gremiumsmitglieder mit dem Siegerentwurf, der sogar als „Bretterbude“ bezeichnet wurde, einverstanden zeigten, folgte das Votum. Mit sieben Ja- und fünf Nein-Stimmen wurde der Antrag von Ratsmitglied Daniel Saffrin angenommen, bei den für den Neubau zuständigen Architekten nachzufragen, welche Kosten für den Nachbau eines Dachreiters anfallen würden. Zudem wurde mit acht Ja- zu vier Nein-Stimmen beschlossen, eine Kostenschätzung für die mögliche weitere Nutzung des aktuellen Turms am Rathausneubau einzuholen.