Viele Gebäude sollen weg, die der Landkreis aktuell in Benutzung hat. Das trifft alle drei großen Städte im Zollernalbkreis. Was bis zum Jahr 2040 geplant ist.
15. Diese Zahl an Gebäuden nutzt die Kreisverwaltung des Zollernalbkreises aktuell – verteilt über die Standorte in Balingen, Albstadt und Hechingen. Jetzt wird im Immobilienbestand des Kreises rigoros gerodet, wenn man so will. Aus den 15 Gebäuden – von denen zehn dem Landkreis selbst gehören, der Rest ist mitunter gemietet – sollen bis zum Jahr 2040 nur noch neun übrig bleiben. So sieht es die sogenannte „Zentralisierungsstrategie“ der Verwaltung
Gebäude überwiegend aus den 1980er-Jahren
Das Problem an den Gebäuden: „Die kreiseigenen Gebäude sind überwiegend aus den 1980er-Jahren. Der energetische Zustand entspricht in der Regel dem des Baujahres. In den kommenden Jahren werden vermehrt bauliche Maßnahmen erforderlich, um die Substanz der Immobilien zu erhalten“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Alles kommt da auf den Kreis zu: von der Sanierung von Dächern bis zur Erneuerung der Gebäudetechnik.
Viele Gebäude sollen wegfallen
Die Verwaltung schlägt konkret vor, die Zahl der Gebäude in allen drei Mittelzentren des Zollernalbkreises einzudampfen. In Albstadt will man, alles bis zum Jahr 2040 wohlgemerkt, von sieben auf drei Gebäude kommen, in Hechingen wird die Zahl der Gebäude von vier auf zwei halbiert und in Balingen sollen gleich fünf Gebäude wegfallen – von neun auf maximal vier.
Hauptstandort soll erhalten bleiben
Der Hauptstandort, der in der Hirschbergstraße der Eyachstadt liegt, soll aber erhalten werden. Wichtige Message der Verwaltung: „Dieses wird weiterhin als das zentrale Gebäude der Kreisverwaltung angesehen.“ Einhergehen soll das alles mit der personellen Zielgröße von 700 Vollzeitstellen, aufgeteilt auf bis zu 900 Mitarbeiter. Außerdem berücksichtigt für die neue Gebäudekonzeption werden die modernen Wege der Arbeitsausübung – was in einem Arbeitsplatz-Mitarbeiter-Verhältnis von 0,85:1 mündet. In Balingen bleiben weiterhin viele Services und Aufgaben zentral vorhanden, allerdings war es der Projektgruppe auch wichtig, „dass in den beiden weiteren Mittelbereichen die Serviceleistungen wie der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) sowie die Erziehungsberatung (EB) künftig erhalten bleiben.“
Schrittweise aus der Nutzung nehmen
Vom Grundprinzip her sieht die Zentralisierungsstrategie vor, dass man künftig weg will von den kleinen Gebäuden hin zu wenigen großen. Die Schlussfolgerung in der Vorlage liest sich so: „Folglich sind vor allem die umgebauten Wohngebäude schrittweise aus der Nutzung zu nehmen.“
Ein separater Blick auf die drei Mittelzentren
Doch jetzt ein separater Blick auf die drei Mittelzentren, vor allem aber auf eine Nachnutzung der Klinikstandorte: Am dann früheren Standort in Albstadt können das Gebäude der Gesundheitsakademie sowie das Parkhaus weiter von der Kreisverwaltung genutzt werden, während die übrigen Gebäude für eine Büronutzung ungeeignet sind. Insgesamt könnten so bis zu 60 Arbeitsplätze in Albstadt zentralisiert werden.
Das Landratsamt bleibt zentrales Verwaltungsgebäude
Mehrere aktuell genutzte Gebäude in der „Kantstraße“, „Friedrichstraße“ und „Unter dem Malesfelsen“ sollen perspektivisch aufgegeben werden, da es sich um umgenutzte Wohngebäude handelt. Das Kreismedienzentrum bleibt aufgrund von Synergieeffekten bestehen. Der Standort in der Geißbühlstraße in Meßstetten ist zwar in sehr gutem Zustand, gilt aber langfristig wegen der großen Entfernung nicht als dauerhafte Lösung.
Zahlreiche Nebengebäude sollen zurückgebaut werden
In Balingen ist das 2015 fertiggestellte Hauptgebäude der Klinik in gutem Zustand, während zahlreiche Nebengebäude zurückgebaut werden sollen, sobald das neue Zentralklinikum steht. Es bestehen Optionen für eine Eigen- oder Fremdnutzung des Areals, wobei die Stadt Balingen eine externe Nachnutzung favorisiert.
Landratsamt wird saniert
Das Landratsamt in der Hirschbergstraße bleibt zentrales Verwaltungsgebäude und soll in den kommenden Jahren für rund 20 Millionen Euro schrittweise saniert werden. Zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze empfiehlt die Projektgruppe die energetische Sanierung und den Ausbau des Verwaltungsgebäudes in der Robert-Wahl-Straße ab 2026, mit Platz für rund 100 Mitarbeitende – Kostenkalkulation: acht Millionen Euro.
Nachnutzung des ehemaligen Klinikstandorts
Ein Erweiterungsneubau am Landratsamt wird aus finanziellen und organisatorischen Gründen in der Vorlage ausgeschlossen. Mehrere kleinere Verwaltungsstandorte sollen aufgegeben werden, während eine Teilanmietung im Gebäude der Agentur für Arbeit weiter als sinnvoll gilt.
Nachnutzung des ehemaligen Klinikstandorts
Die Nachnutzung des ehemaligen Klinikstandorts Hechingen als Zentrum am Fürstengarten wird von der Projektgruppe als voller Erfolg bewertet. Das Gebäude soll auch künftig die zentrale Rolle im Mittelbereich behalten, was von der Stadt Hechingen ausdrücklich unterstützt wird. Dagegen sollen die Standorte in der Heiligkreuzstraße sowie in der Herrenackerstraße künftig aufgegeben werden. Die dortigen Arbeitsplätze können aber bei Bedarf im Zentrum am Fürstengarten untergebracht werden.
Zentralisierung ist Thema in den Haushaltsreden
Freilich war die Zentralisierungsstrategie auch in den Haushaltsreden der Fraktionsbosse ein Thema. Es lag auch ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CDU, Freie Wähler, Grüne und FDP vor. Diese fordern nämlich eine Machbarkeitsstudie für die angestrebten Umwälzungen. Vor allem fällt hierbei der Blick auf Balingen: Denn der doch kostspielige Umbau des Postgebäudes in der Robert-Wahl-Straße soll nicht über die Bühne gehen – stattdessen soll geprüft werden, ob ein Anbau oder Neubau am Hauptgebäude in der Hirschbergstraße eine bessere, langfristig tragfähige Lösung für eine echte Bündelung darstellt. Freie-Wähler-Fraktionschef Ermilio Verrengia stellte zudem klar: „Zentralisierung ohne Digitalisierung wäre der falsche Weg.“
„Auf dem Holzweg“
Stichwort falscher Weg: AfD-Mann Erik Wille befand, dass die übrigen Fraktionen mit ihrem Antrag „auf dem Holzweg“ seien, man könne das Gebäude in Balingen nicht mit einem Anbau „verschandeln“, weshalb er gegen den Antrag sei.
Auch die SPD meldete sich durch Frank Hipp zu Wort mit Blick auf die Nachnutzung des Klinikgebäudes in Balingen. Ein Passus in der Vorlage, in dem auch eine Nachnutzung durch Dritte möglich wäre, löst bei den Sozialdemokraten gewisse Sorgen aus: „Dieser Passus beinhaltet das potenzielle Risiko eines eventuell externen Klinikbetreibers.“ Freilich wäre das ungünstig für das geplante Zentralklinikum. Auch der SPD ist klar, dass es sich hier um ein „hypothetisch aufgezeigtes Szenario“ handelt, man wollte aber trotzdem darauf hinweisen. Landrat Günther-Martin Pauli erwiderte recht eindeutig: „Es dürfte klar sein, dass wir uns da nicht selber ins Knie schießen.“
Der Kreistag beschloss am Ende die Strategie inklusive Machbarkeitsstudie. Hier sei man auch schon in Gesprächen, bis zur Sommerpause 2026 sollen hier erste Ergebnisse präsentiert werden, versprach Catharina Pawlowskij als Zuständige für die Kreisimmobilien.