Mit dem Reformprozess „Ekiba 2032“ will sich die evangelische Landeskirche für die Zukunft aufstellen. Und der Rotstift wird angesetzt. Das trifft Hausach und Gutach.
Die evangelische Landeskirche Baden befindet sich im Umbruch. Unter dem Motto „Ekiba 2032“ sind die evangelischen Gemeinden dazu aufgerufen, die Zukunft der Kirche zu gestalten. „Wir tun dies im Wissen, dass die finanziellen und personellen Spielräume kleiner werden. Daher schauen wir genau hin und überlegen gemeinsam, wo wir Gutes weiterführen, wo wir Neues entdecken und wo wir Altes aufgeben möchten“, erklärt die Landeskirche. Das bedeutet aber auch: Der Rotstift wird angesetzt. Das betrifft auch Hausach und Gutach.
Die Kirche will ihren Gebäudebestand reduzieren und hat dafür eine sogenannte Gebäudeampel entwickelt. Grüne Gebäude sollen langfristig im Bestand der Kirche bleiben und werden von der Landeskirche finanziell gefördert. Wird ein Objekt jedoch als Rot eingestuft, gibt es keine Förderung mehr.
Wird ein Gebäude auf der Karte (siehe Info) gelb eingestuft, steht eine Entscheidung noch aus. „Wir werden uns von gelben und roten Gebäuden trennen müssen. Wir brauchen Verkaufserlöse, um die grünen Gebäude finanzieren zu können“, begründet die Landeskirche den Schritt. In Hausach wurde die historische Kirche mit Rot bewertet, in Gutach trifft es das Gemeindehaus.
Rückgang der Mitglieder
Der Hausacher Kirchengemeinderat Werner Kadel kennt sich mit der Entwicklung aus. „Ich bin selbst in der Landessynode“, erklärt er. Dort habe er an dem Reformprozess mitgearbeitet. „Mitverursacht“, scherzt er. Grundsätzlich fehle es an Geld und Personal für die Kirchengebäude. Der Bestand orientiere sich an einer Mitgliederzahl aus den 1950er Jahren, verdeutlicht Kadel. Und seither haben die Mitgliederzahlen bekanntlich deutlich abgenommen.
Zwar ist der grundsätzliche Plan der Landeskirche, die rot bewerteten Gebäude zu verkaufen, bei Kirchen wie in Hausach ist das jedoch nicht unbedingt möglich. Wo der Verkauf nicht möglich sei, zum Beispiel bei roten Dorfkirchen, brauche es Zeit und Geduld, bis tragfähige Lösungen gefunden werden, betont die Landeskirche.
Konzept für Kirchen wird noch erarbeitet
„Rot heißt nicht automatisch verkaufen“, betont Kadel. Zudem steht die evangelische Kirche in Hausach unter Denkmalschutz. Kadel kann sich vorstellen, dass es Gelder nur noch für das Instandhalten der Bausubstanz gibt – um die Kirche vor dem Verfall zu bewahren.
Die Landessynode tage im April letztmals in ihrer derzeitigen Besetzung. Im Herbst gibt es dann eine neue Landessynode, erklärt Kadel. Bis es ein Konzept für „rote Kirchen“ gebe, dauere es wohl noch ein bis zwei Jahre, vermutet der Hausacher. Das moderne Gemeindehaus in Hausach wird indes weiter gefördert. Das für seine Architektur ausgezeichnete Gebäude wurde 2015 errichtet.
Anders sieht es in Gutach aus. Hier wurde das evangelische Gemeindehaus Rot eingestuft und die historische Peterskirche Grün. „Das hat ganz gravierende Auswirkungen“, berichtet Gabi Billharz, Kirchenälteste, im Gespräch mit unserer Redaktion. Seit einigen Jahren fehlen die finanziellen Förderungen. Zuschüsse von 40 bis 60 Prozent habe es früher gegeben, erinnert sie sich. Nun muss die evangelische Gemeinden die Ausgaben für das Haus selbst stemmen.
Dass das Gemeindehaus dennoch nicht verkauft werden musste, verdanke Gutach auch seiner Einwohner. „Die Spendenbereitschaft ist unser Glück, weiß Billharz. So konnte sogar jüngst der Gemeindesaal saniert werden – ganz ohne Landeskirche. Der werde zudem für Feiern vermietet. Auch auf diesem Weg gebe es Geld für die Erhaltung. Das alleine, so Billharz Überzeugung, reiche aber nicht. „Man muss Ideen entwickeln“, findet sie mit Blick auf die Herausforderung, das Gebäude zu unterhalten. Es brauch in Zukunft wohl noch mehr Eigenregie und Engagement, vermutet die Kirchenälteste.
Verständnis für die Reform hat Billharz. Dennoch sei es ein Spagat für die Landeskirche, glaubt die Gutacherin. Schließlich gebe es in vielen Gemeinden emotionale Verbindungen zu den Gebäuden. Und denen werde nachgetrauert, sollten sie nicht mehr zu halten sein.
Für Gutach bleibt Billharz dennoch optimistisch. Die Bausubstanz des 1984 errichteten Gemeindehauses sei gut. Außerdem sei das haus an die Pelletheizanlage des Pfarrhauses angeschlossen. Künftige Sanierungen wolle man, wenn möglich, „Stück für Stück“ angehen.
Die Karte
Auf der Internetseite der evangelischen Landeskirche Baden findet sich unter dem Abschnitt „Gebäudestrategie“ ein Link zu der interaktiven Karte. Dort ist der Gebäudebestand und die jeweilige Einstufung der Bauten zu sehen.