Wohnungen statt Hotelbetrieb: Für das Gebäude Hauptstraße 20 gibt es neue Pläne. Eigentümer Daniel Wolf erklärt den aktuellen Stand der Planungen.
Außer dem Rathaus selbst ist das ehemalige Gasthaus und Hotel Zum Mohren das zweite markante Gebäude am Rathausplatz. Heute erinnert nur noch die Abbildung auf dem schmiedeeisernen Wirtshausausleger an der seitlichen Gebäudefassade an seine frühere Bestimmung. Seit der im Jahr 2021 beschlossenen Schließung der dortigen Commerzbank-Büros ist der Haupteingang zum Platz hin verschlossen, und die Lamellenvorhänge in den Erdgeschossräumen sind zugezogen.
Platzmangel
Eigentümer des Gebäudes ist seit einigen Jahren die Schramberger Familie Wolf. „Der Grund für den Kauf war der Platzmangel in der Hauptstraße 20“, erklärt Daniel Wolf, Vorstand der Wolf-Finanzplan AG, auf Anfrage. Das Erdgeschoss sei damals an die Commerzbank vermietet gewesen. Zunächst habe es lediglich Überlegungen gegeben, die Flächen im ersten und zweiten Obergeschoss künftig als Büro zu nutzen oder sie irgendwann in Wohnraum umzubauen. Das Dachgeschoss sei bereits Wohnraum gewesen – allerdings noch im Bauzustand der 1960er-Jahre.
„Mit der Kündigung der Commerzbank kam die Überlegung auf, unser Büro in diese Räume zu verlagern. Diesen Plan gibt es weiterhin, wenn wir mit den Vorbereitungen für den Umbau in den Obergeschossen soweit fertig sind, dass im Erdgeschoss nichts mehr zu tun ist“, erläutert Wolf.
Barrierefrei?
Im Zuge der Planungen sei auch geprüft worden, ob ein Aufzug eingebaut werden kann. Nach dem Öffnen des Bodens und Gesprächen mit einem Statiker habe sich dies jedoch als zu aufwendig erwiesen. „Es gibt die Entscheidung in der Familie, in den Obergeschossen Wohnungen zu bauen. Seniorengerecht oder barrierefrei wird es nicht“, sagt Wolf. Zur zeitlichen Perspektive äußert er sich zurückhaltend: „Der Fortschritt hängt an meinen Zeitkapazitäten – und ein Burnout, um ein Jahr früher fertig zu sein, ist es mir nicht wert.“
Bei früheren, inzwischen deutlich bescheideneren Planungen zur Umgestaltung des Rathausplatzes und zur Renaturierung der Schiltach spielte auch das Gebäude Hauptstraße 20 eine Rolle. Auf konkrete Fragen dazu reagiert Wolf knapp: „Einen Sinn, nochmals etwas zur Hauptstraße 20 zu schreiben, sehe ich nicht.“
Grundsätzlich äußert er sich jedoch zur Entwicklung der Innenstadt: „Eine funktionierende Fußgängerzone braucht eine kritische Masse an Geschäften – und diese benötigen so viel Personenfrequenz wie möglich.“ Alle Anlieger und Beteiligten sollten sich darauf konzentrieren, denn negative Beispiele für nicht mehr funktionierende Fußgängerzonen gebe es genug.
Parken?
Mit Blick auf Parkmöglichkeiten sagt Wolf: „Die Stadt klagt heute: Hätten wir mal das Parkdeck unter der Sparkasse für die Öffentlichkeit gebaut, dann wäre innenstädtisches Parken besser.“ Dem würden vermutlich alle Gewerbetreibenden zustimmen.
Auch beim Schulcampus werde inzwischen nach Parkmöglichkeiten gesucht. Ein Parkdeck unter dem Don-Bosco-Kindergarten wäre seiner Ansicht nach möglich gewesen und hätte „den Leidensdruck für die restliche Schulcampusplanung deutlich verringert oder gar gelöst“.
„Verpassten Gelegenheiten nachzutrauern, das macht es zwar nicht besser – aber man darf aus vergangenen Fehlern lernen“, sagt Wolf. Schöne Planungsskizzen führten offensichtlich nicht immer zu guten Lösungen; der gesunde Menschenverstand komme manchmal zu anderen Ergebnissen. „Und keiner sagt, dass das einfach oder ohne Geldeinsatz zu haben ist.“