Weitere Entscheidungen zum Nahwärmenetz in Dornstetten sind gefallen. Unter anderem sieht das inzwischen geänderte und nun vom Gemeinderat beschlossene Energiekonzept vor, dass Blockheizkraftwerk, Heizzentrale und PV-Anlage beieinander liegen.
In Sachen Nahwärmeversorgung hat der Dornstetter Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend weitere Weichen gestellt. Jeweils einstimmig nahm das Gremium en bloc den Sachstandsbericht zweier Fachleute zustimmend zur Kenntnis, befürwortete ein verändertes Energiekonzept und beauftragte für rund 95 000 Euro das Beratungsbüro Endura Kommunal mit der rechtlichen und wirtschaftlichen Begleitung einer Machbarkeitsstudie.
In der Studie geht es um die Beauftragung von Planungs- beziehungsweise Ingenieurleistungen. Die Begleitung der Studie wiederum bildet den Rahmen um diese Planungsleistungen herum, also die Koordination und Organisation der Abstimmungen zu den Zielen und Inhalten sowie das Fördermittelmanagement. Rund die Hälfte der rund 95 000 Euro, erläuterte Bürgermeister Bernhard Haas, komme ebenfalls aus Fördermitteln.
Vivek Mehta von „Endura Kommunal“ ließ den bisherigen Werdegang der Planungen seit Anfang 2023 Revue passieren und skizzierte weitere Schritte bis zum Abschluss des Eigenbetriebs Nahwärmeversorgung 2025. So sei unter anderem im Juli 2023 auf Basis von 89 Vorverträgen die Trassenführung vom Rat beschlossen worden. Dann sei für das sogenannte Modul eins die Förderung bewilligt worden. Im März 2024 habe es schon 194 Vorverträge gegeben; viele, bislang allerdings nur optionale, Interessenten kämen hinzu.
Hauptleitung 5200 Meter lang
Der derzeitige Wärmebedarf liege bei 11,7 Millionen Kilowattstunden (kWh). Der Ansatz für die Wärmeerzeugung liege vom Grundsatz her bei 13 Millionen kWh inklusive Netzverlusten und gehe von 200 Wärmekunden aus. In den Bauabschnitten eins bis drei sei die Hauptleitung 5200 Meter lang, die Hauptanschlussleitung 2000 Meter.
Nun gehe es um das Energiekonzept und den Netzplan, die auf Basis der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Firma Sterr-Kölln und Partner erstellt würden. Nach der Berechnung habe man konkrete Angaben für die Tarifplanung. Dann wiederum seien weitere Konkretisierungen möglich.
Wechsel von Solar zu PV
Zum veränderten Energiekonzept erläuterte Konrad Nübel von der IBS Ingenieurgesellschaft, die bisherige Planung habe vorgesehen, beim Schulzentrum ein zweites Blockheizkraftwerk zu installieren und die Heizzentrale außer mit Holzhackschnitzeln mit Energie aus einer Freiflächen-Solaranlage zu versorgen. Jetzt wolle man alles an einem Standort bauen: die Heizzentrale, eine Photovoltaik-Anlage (PV) anstelle einer Solaranlage und das neue Blockheizkraftwerk. Der Standort ist die Fläche zwischen Bundesstraße 28, Cresbacher Straße und Riedsteige.
Den Wechsel von Solar zu PV begründete der Fachmann insbesondere mit verbesserten Ausbaupotenzialen. Die mögliche Wärmeerzeugung sei bei PV effizienter als bei Solar. Ein Stromertrag könne für die Heizzentrale und für die Wärmepumpe genutzt werden.
Nur noch ein Anlagenstandort
Ferner, erläuterte Nübel, hätte für den geplanten Aufbau des Blockheizkraftwerks in der Schule der Gas- und Stromanschluss (die Hausanschlussleitung) vergrößert werden müssen. Dieser entfalle bei der neuen Planung. Auf einen Stromverbund zwischen Schule und Heizzentrale könne verzichtet werden. Abluft- und Abgaswärme des Blockheizkraftwerks könnten als Wärmequelle für die Wärmepumpe dienen. Außerdem sei jetzt die Bedienung der Anlage einfacher, da es nur einen Anlagenstandort gebe. Und es sei kein Anbau an der Realschule erforderlich.
Allerdings, auch das machte Nübel deutlich, gebe es auch Nachteile des gemeinsamen Standorts: Der Gasanschluss müsse nun bis zum Heizzentrale-Neubau parallel zur Wärmeleitung ausgebaut werden, und es gebe eine Übergangsversorgung aus einem neuen Gaskessel (1500 kW) mit dem bestehenden Blockheizkraftwerk (100 kW Wärmeleistung) anstatt des geplanten Blockheizkraftwerks (400 kW Wärmeleistung) für die Dauer von voraussichtlich einer Heizperiode.
Start im Frühjahr 2025
Im Ausblick erklärte Nübel, dass, ausgehend von einem Start des Bauabschnitts 1a im Frühjahr 2025, das Wärmenetz in diesem Abschnitt bis Herbst 2025 betriebsbereit sein werde. Die Versorgung der Wärmekunden erfolge über den zu erneuernden Gas-Zusatzkessel sowie das Blockheizkraftwerk in der Realschule. Weiter werde empfohlen, einen Anschlusspunkt für eine mobile Wärmeversorgung aufzubauen. Der erneuerte Gaskessel werde netzdienlich eingebunden, so dass die Schule als abschaltbarer Wärmeabnehmer fungiere.