Der neu gewählte Vorstand der GDL-Gruppe Haltingen, von links: Vorsitzender Björn Trautwein, erster Stellvertreter Andreas Frey, Kassiererin Tina Käst, Schriftführer Peter Kaiser, zweiter Stellvertreter Christoph Jungel und der langjährige scheidende Vorsitzende Alexander Gabsch Foto: Rolf Reißmann

Brechend voll war der Versammlungsraum der Altweiler Gaststätte „Chläbi“, als dort die Ortsgruppe Haltingen der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) zusammenkam.

Sogar nach dem offiziellen Beginn mussten noch Stühle hereingetragen werden, weil einige der 35 Teilnehmer etwas später direkt vom Dienst kamen, wie das eben bei Eisenbahnern so ist.

 

Der Vorsitzende Alexander Gabsch sprach in seinem Bericht über Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung.

Nach der Öffnung der Gewerkschaft für weitere Berufsgruppen innerhalb der Bahnunternehmen nutzt die Ortsgruppe nun vielfältige Möglichkeiten, um die GDL noch bekannter zu machen.

In vielen persönlichen Gesprächen, aber auch mit Werbe- und Informationsmaterial weist sie auf ihre Tätigkeit hin. Derzeit gehören 295 Mitglieder der Ortsgruppe Haltingen an, dazu gehören auch Bahnbeschäftigte aus dem Raum Waldshut.

Auf die aktuelle Situation eingehend kritisierte Gabsch, dass etliche Schwierigkeiten bei der Bahn auch deshalb zustande kamen, weil im den vergangen Jahren viele Verantwortungsträger auf den mittleren und oberen Ebenen als Quereinsteiger in ihre Funktionen gelangten, ohne dass sie ausreichend Fachkenntnisse von der Basis des Bahnbetriebs mitbrachten.

Unterstützungsleistungen beantragen

Für das Sozialangebot Fairnessplan, eine gemeinsame Einrichtung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer und des Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbands der Mobilitäts- und Verkehrsdienstleister, sprach der Regionalbeauftragte Robert Storz.

Er wies die Kollegen darauf hin, rechtzeitig ihre Unterstützungsleistungen zu beantragen und auch unbedingt in Anspruch zu nehmen. Dazu gehören unter anderem Beiträge für Brillen oder Gesundheitswochen, um die allgemeine körperliche Verfassung zu verbessern.

GDL-Vertreter in die Betriebsräte bringen

In der umfangreichen Diskussion kam die Teilnahme an den bevorstehenden Betriebsratswahlen bei der Deutschen Bahn zur Sprache. Um GDL-Vertreter in die Räte zu bringen, sei natürlich die Teilnahme an der Wahl erforderlich, die sei bei der letzten Wahl zu gering gewesen.

Deshalb sollten Gewerkschaftsmitglieder verstärkt Gespräche mit ihren Kollegen führen. So gehe es unter anderem darum, mehr Zugreiniger für die GDL zu gewinnen.

Auch seien künftig mehr Zwischentarifgruppen anzustreben, um damit besondere Kenntnisse anzuerkennen. So würden auch mehr Mitarbeiter zum Erwerb solcher Spezialkenntnisse, zum Beispiel für Türreparaturen, angeregt.

Von Gewalt gegen Bahnmitarbeiter betroffen

Mitarbeiter aus dem Fernverkehr der Deutschen Bahn sprachen die zunehmende Gewalt gegen Bahnmitarbeiter an. Alle seien davon betroffen, in den Zügen, auf den Lokomotivtypen und auf den Bahnhöfen.

Viele der sogenannten „kleinen“ Straftaten würden gar nicht bekannt, doch die Gesamtsituation sei einfach erschreckend. Viele Bahnmitarbeiter können sich diese Gewalt aus der Gesellschaft nicht mehr erklären.

So gab es auch nachts wieder einen Angriff auf einen Zug auf der Rheintalbahn, diesmal zum Glück ohne Folgen. Doch solche Situationen bestätigten die zunehmende Gewaltbereitschaft, da müsse die Gesellschaft insgesamt wesentlich konsequenter reagieren, fordern die Lokführer.

DB-Sparprogramm erfährt Kritik

Kritik erfuhr vor diesem Hintergrund das Sparprogramm der DB. Die im Offenen Brief der GDL an den Bahnvorstand bemängelte Verringerung des Zugbegleitpersonals trete auch in Basel auf.

Aus dem Bereich Waldshut kam der Hinweis, dass die Deutsche Bahn nun weniger baureihenspezifische Ausbildung für Lokführer anbiete, sondern die Schulungen stets für mehrere Baureihen erfolgten.

Technischer Zustand lässt zu wünschen übrig

Kritik kam am technischen Zustand der Fahrzeuge, zu viele würden mit Mängeln wie Rissen in der Frontscheibe oder nicht funktionierenden Türen eingesetzt, weil die Werkstattkapazität nicht ausreiche.

Björn Trautwein ist neuer Vorsitzender

Nach neun Jahren im Amt kandierte Alexander Gabsch nicht mehr für den Vorstand. Als neuer Vorsitzender wurde Björn Trautwein gewählt. Dessen Antrag, einen zweiten Stellvertreter zu benennen, um unter anderem bei Streiks besser handlungsfähig zu sein, wurde angenommen.