Florian Lochner Foto: privat

Neu bei Gauthier Dance: Florian Lochner, Absolvent der Mannheimer Akademie, tanzt nun in „Lucky Seven“.

Stuttgart - Elastisch wie ein Gummiball federt Florian Lochner in Eric Gauthiers „Ballett 101“ über die Bühne. Das Stück ist ein augenzwinkernder Einführungskurs in den klassischen Tanz. Gauthier erweitert darin die gängigen fünf Position um 96 weitere und setzt sie nach und nach zu einer Choreografie zusammen – mit einem parodistischen Ende.

Das „Ballett 101“ ist das Stück, in dem Eric Gauthier den flachsblonden Tänzer erstmals zu Gesicht bekam. Damals absolvierte Florian Lochner noch eine Ausbildung an der Akademie der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Die Begegnung war folgenreich: Lochner tanzte bei Gauthier vor und wurde prompt aufgenommen. Seit September unterstützt er nun die Kompanie und präsentiert das „Ballett 101“ mittlerweile im Theaterhaus. Besonders schätzt Florian Lochner an Eric Gauthier, dass dieser klassischen Tanz und andere Stile vereint. „Das ist genau das, was ich machen wollte“, sagt der 20-Jährige.

Florian Lochner stammt aus der Region

Anders als manche seiner Kollegen stammt Florian Lochner direkt aus der Region: Er ist in Oberspeltach aufgewachsen und begann mit Jazztanz. Der Lehrer riet dem begabten Jungen zum Ballettunterricht, den Lochner dann bei einem Ballettmeister in Hall genoss. Frühzeitig interessierte er sich auch für andere Tanzstile: So erinnert er sich strahlend, wie er in Musical-Aufführungen mit der Oberspeltacher Gruppe Flying Dancers die Hallen in der Umgebung enterte. Da ihm andere Berufe „zu normal“ erschienen, entschied er sich für eine professionelle Ballettausbildung. Doch nicht die John-Cranko-Schule in Stuttgart sollte es sein, sondern die Akademie der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim. Denn der vielseitige Ballettschüler fürchtete rüde Kommandos und Einengung.

Ein Stipendium der Tanzstiftung Birgit Keil sorgte dafür, dass Lochner seine Ausbildung ohne finanzielle Probleme absolvieren konnte. „Sie hat mich in allen Dingen immer unterstützt“, lobt Lochner Birgit Keil. Während der Schuljahre trat er bei Gastspielen im In- und Ausland und im Badischen Staatstheater Karlsruhe auf. Dort sammelte er vor allem Erfahrung in kleinen klassischen ­Rollen – etwa in Christopher Wheeldons „Schwanensee“ oder in Youri Vámos’ „Nussknacker“ und „Sommernachtstraum“.

Lochner schwärmt vom Publikum

Feuer fing Lochner aber vor allem für ­zeitgenössische Choreografien, die er zum Beispiel im Rahmen von Workshops beim Holland Dance Festival und der Alvin Ailey School in New York City kennenlernte. Dort lernte er Ballette von Hans van Manen und Alejandro Cerrudo, dem Star der Hubbard Street Dance Company in Chicago, kennen. Inzwischen tanzt er in Cerrudos „Lickety-Split“ mit Gauthier Dance, als Teil des Abends „Lucky Seven“ auch an diesem Montag im Theaterhaus zu sehen: „Da ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen“, sagt Lochner. Traumhaft ist für ihn auch die ­Resonanz auf Gauthier Dance: „So ein Publikum habe ich noch nirgendwo erlebt“, sagt Lochner und schwärmt von Standing ­Ova­tions und „Gänsehaut auf der Bühne“.

Eine Umgewöhnung ist für ihn die Arbeit in der Kompanie dennoch: So muss er erstmals „ohne Pause“ ständig vor und hinter der Bühne tätig sein. „Wir müssen immer alles selbst umräumen“, erklärt Lochner. Doch im Kreise seiner Kollegen fühlt er sich aufgehoben: „Jeder hilft jedem.“ Auch in Christian Spucks „Poppea//Poppea“, einem Vexierspiel um Liebe, Verrat und unbedingten Machtwillen, hat Florian Lochner bereits ­getanzt. Spuck hat sich von Monteverdis Oper „L’incoronazione di Poppea“ anregen lassen, Florian Lochner hantiert in dem Stück tanzend mit einer Kamera.

Für die Zukunft kann sich Florian Lochner ­vorstellen, selbst zu choreografieren. Außerdem freut er sich auf Gastspiele im Ausland und Auftritte mit Gauthier Dance Mobil. Nach seiner Laufbahn als Tänzer möchte Lochner vielleicht eine Ballettschule aufmachen.