Die Kostüme – und die eingebauten Schanzen – sorgen beim Fassdaubenrennen immer für sehr viel Spaß. Foto: Thomas Fritsch

Noch liegt Schnee auf dem Bad Wildbader Sommerberg. Und die Skizunft hofft, dass das auch bis Sonntag, 18. Januar, so bleibt. Dann nämlich soll das Fassdaubenrennen steigen.

Schnee auf dem Bad Wildbader Sommerberg. Das sind auch gute Aussichten für das Fassdaubenrennen. Recht kurzfristig hat daher die Skizunft Wildbad den Termin für das Spektakel festgelegt: Am Sonntag, 18. Januar, sollen sich die „Fassdaubenritter“ in die Spur wagen. Der Start ist für 13 Uhr geplant.

 

„Hurra – wir haben Schnee“, heißt es deshalb auch auf der Webseite der Skizunft. Dort ist man zudem „sehr zuversichtlich, dass der Winter uns noch ein paar Tage erhalten bleiben wird und dieses Jahr wieder ein ganz traditionelles Fassdaubenrennen durchgeführt werden kann.“

Ob es aber wirklich so kommt, ist beileibe noch nicht sicher. Die meteorologischen Aussichten für die Woche sind nicht gut. Statt der erhofften „weißen Pracht“ kündigt sich für Bad Wildbad mildes Wetter an und die Temperaturen auf bis zu acht Grad, begleitet von Regenschauern, die der vorhandenen Schneedecke auf dem Sommerberg stark zusetzen dürften. Auch zur Wochenmitte bleibt es wechselhaft und zu warm für Neuschnee. Erst zum Wochenende hin soll es wieder kälter werden – ob das aber rechtzeitig kommt, um die Piste noch zu präparieren, gleicht einem Lotteriespiel. Die Skizunft weist daher ausdrücklich darauf hin: „Bei Schneemangel greifen dann Ausweichtermine.“

Erstes Rennen im Jahr1923

Die Skizunft hofft auf mehr Schnee in diesem Jahr. Foto: Thomas Fritsch

Bis dahin laufen aber die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Skizunft möchte auch 2026 wieder attraktive Preise für alle Altersklassen ausloben – und zwar für jeden Teilnehmer, der auch nur mit einer Daube ins Ziel kommt. Traditionell gibt es dafür „Wurst und Weck“ und einen Preis. Dafür sucht der Verein noch Sponsoren und Spender.

Einen solchen Aufwand wie bei der Jubiläumsveranstaltung 2023 können die Helfer der Skizunft nicht jedes Jahr stemmen. „Zum 100-jährigen Jubiläum haben wir sechs Stunden lang Schnee geschaufelt und auf den Sommerberg gekarrt, damit wir wenigstens auf der Abfahrtsstrecke eine weiße Piste bieten konnten“, erzählte Skizunft-Chef Marcus Eisele damals.

1923 startete das erste Rennen auf den leicht gebogenen Fassdauben, den Skiern für arme Leute, auf der Bätznerstraße. Der Pforzheimer Schmuckfabrikant Haug spendete damals Skier für den besten Läufer auf den mit Lederriemen festgeschnallten 70 bis 100 Zentimeter langen Fassdauben. Bereits 1924 fand das vom Wintersportverein organisierten Rennen erstmals auf dem Sommerberg statt.

Die „Fassdaubenritter“ brauchen vielseitige Talente. Foto: Thomas Fritsch

Die „Fassdaubenritter“ brauchen auch heute noch vielseitige Talente. Für den Aufstieg bewährt sich sauberes Grätschen und guter Stockeinsatz, während in der Langlaufspur möglichst keiner stecken bleiben sollte. Am schwierigsten dann der Abfahrtsteil mit einer oder zwei kleinen Schanzen. Da die Fassdauben weder Kanten noch Rillen haben, entwickelt sich diese Strecke Richtung Ziel oft unkontrolliert und abenteuerlich. Aber Hauptsache, das Ziel wird irgendwie erreicht.

Vom Schüler- zum Gaudirennen

Das Fassdaubenrennen wurde zunächst für Schüler veranstaltet, die sich bisweilen ehrgeizige Wettkämpfe lieferten und deren Teilnahme quasi Ehrensache war. Es hat sich im Laufe der Jahre zu einem Gaudirennen entwickelt, das immer viele Schaulustige anlockt und bei dem der Spaß im Vordergrund steht.

Nach einer kriegsbedingten Pause zwischen 1940 und 1948 erlebte das Fassdaubenrennen nach seiner Wiederaufnahme und der Organisation durch die 1950 gegründete Skizunft in den 1960er-Jahren ihren Höhepunkt mit bis zu 180 Teilnehmern und 1000 Besuchern. Über lange Jahre lag die Gesamtleitung der Veranstaltung in den Händen von Götz Bechtle (Vorstand von 1973 bis 1979).

Alljährlich sind viele Teilnehmer dabei. Foto: Thomas Fritsch

Im Jahr 1993 wurde der Wettbewerb auch für Senioren geöffnet. Genannt wurde dabei 15 Jahre als Mindestalter, um in dieser Klasse zu starten. Erstmals im Jahr 2011 erschienen die Fassdaubenritter in Verkleidung zum Gaudirennen am Sommerberg. Seit 2017 sind Teams erlaubt.

Wagemutige Fassdaubenritter können sich auf der Webseite der Skizunft, www.skizunft-wildbad.de, noch bis Samstag, 17. Januar, um 18 Uhr anmelden. Auch Mannschaftsmeldungen sind möglich. Wer keine Dauben hat, und das werden wohl die meisten sein, darf diese bei der Skizunft ausleihen. Auch das Feiern kommt natürlich nicht zu kurz. Nach der Siegerehrung wird es wie in den Jahren zuvor auch eine Party geben.

Übrigens: Das Bad Wildbader Fassdaubenrennen ist zwar etwas ganz Besonderes – aber nicht das einzige seiner Art: Auch in Tennenbronn (Kreis Rottweil) gibt es ein ähnliches Event jeweils am Fasnetssamstag.